Titel: Ueber Betrieb der Nähmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 3 (S. 471–472)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi05_3

Ueber Betrieb der Nähmaschinen.

In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung der polytechnischen Gesellschaft des American Institute gab Hr. Babcock im Verlaufe einer Discussion über eine zum Betriebe von Nähmaschinen mittelst Uhrwerk bestimmte Vorrichtung folgende interessante Angaben über einige von ihm selbst in dieser Richtung gemachte Erfahrungen zum Besten:

„Schon vor längerer Zeit habe ich – so bemerkte der Berichterstatter – die Aufmerksamkeit auf die Thatsache hingelenkt, daß zum Betriebe der Nähmaschinen und |472| anderer kleinerer Maschinen für häusliche Zwecke ein Motor nöthig sey und in Folge dessen wendeten sich eine Menge Erfinder an mich, welche alle unter irgend einer Form die Federkraft oder das Uhrwerk zu diesem Zwecke in Vorschlag brachten. Um über die Sache zu einer Entscheidung zu kommen, stellte ich eine Reihe von Versuchen an, in der Absicht, die zum Betriebe einer Nähmaschine für eine gewisse Zeit nöthige Federkraft zu bestimmen. Ich fand zuerst, daß zum Betriebe einer Wheeler- und Wilson-Maschine, bei einer mittleren Leistung von 600 Stichen pro Minute, ungefähr 550 Fußpfund oder 1/60 Pferdekraft nothwendig sey. Es war eine leicht laufende Familienmaschine und nur die Willcox und Gibbs-Maschinen fand ich leichter laufend.“

„Ich ging dann daran durch Versuche zu bestimmen, wie viel Fußpfund Arbeit man von einem Pfund Stahl (als Feder verarbeitet) erhalten könne. Diese Arbeit variirte natürlich mit der Form und Größe der Federn. Eine flache Feder von durchaus gleichem Querschnitte lieferte wenigstens ungefähr 25 Fußpfund, wenn sie bis zu ihrer Elasticitätsgrenze angespannt wurde, und eine schwache Uhrfeder ergab 125 Fußpfund unter ähnlichen Umständen. Aus einer großen Zahl von Versuchen gelangte ich zum Schlusse, daß nach der Art und Größe der Federn, welche für solche Arbeit erforderlich seyn würden, 45 Fußpfund im Mittel die Maximalleistung sind, auf die man mit Sicherheit rechnen könne.“

„Da nun aber wenigstens 20 Procent der Federkraft zur Ueberwindung der Reibungswiderstände in der zur Kraftübertragung erforderlichen Maschinerie aufgezehrt werden, so würde zum Betriebe einer Nähmaschine während einer Minute Zeit eine Feder nothwendig seyn, welche nicht weniger als 690 Fußpfund Leistung zu verrichten vermöchte, und zur Herstellung einer solchen Feder würden 15 Pfund Stahl erforderlich seyn, so daß man demnach zum einstündigen Betriebe einer Nähmaschine 900 Pfund Stahlfeder und zum zehnstündigen Betriebe 9000 haben müßte.“

„Nun ist aber wiederum die Arbeit, welche ein starker Mann an der Kurbel bei achtstündiger Tagesarbeit pro Minute zu leisten vermag, gleich 3000 Fußpfund; wenn er aber nur eine kurze Zeit hindurch arbeitet, so kann man füglich das Doppelte dieser Leistung, also 6000 Fußpfund pro Minute annehmen. Demnach würde ein starker Mann zum Aufwinden einer Feder, welche eine Nähmaschine zehn Stunden lang betreiben soll, allerwenigstens eine Stunde und zehn Minuten Zeit nöthig haben. Aus dieser Thatsache ist jedenfalls ersichtlich, daß eine Feder unter keinerlei Form für diesen Zweck geeignet ist, und daß es demnach noch eine Aufgabe für Erfinder ist, einen einfachen und billigen Motor für diese und ähnliche Zwecke, wo nur eine geringe Kraftleistung nöthig ist, zu construiren.“ (Nach Engineering, Januar 1870, S. 6.)

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