Titel: Ueber Metalllegirungen, von Dr. Matthiessen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 5 (S. 472–473)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi05_5

Ueber Metalllegirungen, von Dr. Matthiessen.

Dr. Matthiessen theilt nach den Chemical News die Metalle in zwei Classen. Der ersten Classe (A) gehören an: Blei, Zinn, Zink und Cadmium. Der zweiten Classe (B) sämmtliche übrigen Metalle. Werden je zwei der vier Metalle aus A mit einander legirt, so zeigt die Legirung stets physikalische Eigenschaften, welche das Mittel derjenigen der beiden Bestandtheile sind. Blei und Zink bilden keine wahren Legirungen, indem Blei schon von 1,6 Proc. Zink, und umgekehrt Zink von 1,2 Proc. Blei gesättigt wird. Aehnlich verhalten sich Zink und Wismuth.

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Nach des Verfassers Ansicht sind Legirungen nicht als wahre chemische Verbindungen, sondern nur als innige Gemische anzusehen. Einige Ausnahmen davon mögen wohl stattfinden, so namentlich das Natriumamalgam, bei dessen Entstehung bekanntlich Wärme frei wird, was auch bei Platin oder Gold mit Zinn der Fall ist. Setzt man dagegen Blei zu geschmolzenem Zinn, so findet Abkühlung statt, und Kupfer löst sich im Zinn nur sehr langsam, obgleich die Legirung beider neue sehr bemerkenswerthe Eigenschaften besitzt. Die specifische Wärme derselben ist das Mittel aus den specifischen Wärmen der Bestandtheile.

Was die Krystallform der Legirungen anbetrifft, so krystallisiren nach Crookes Antimonzinklegirungen mit einem Zinkgehalte von 43 bis 64 Proc. in einer anderen Form, als alle übrigen. Dasselbe gilt für die Legirung aus Gold und Zinn mit 27 bis 43 Proc. des ersteren Metalles. Die Kupferzinklegirungen dagegen haben sämmtlich dieselbe Krystallform. Somit können bestimmte Formen erhalten werden, wenn die Bestandtheile auch nicht in stöchiometrischen Verhältnissen zugegen sind.

Das Wärmeleitungsvermögen des Kupfers wird durch Zusatz eines Metalles aus Classe A rasch verringert; dagegen ist das Wärmeleitungsvermögen der Bleizinnlegirung das Mittel aus den entsprechenden Eigenschaften der Bestandtheile.

Die Metalle der Classe A sind sämmtlich schlechte Leiter der Elektricität, und in Legirung leiten sie die Elektricität im Verhältnisse ihrer Volumina. Die Metalle der Classe B dagegen haben, mit einander legirt, stets geringere Leitungsfähigkeit als dem Mittel entspricht. Ebenso verhalten sich Legirungen von Metallen aus der Classe A mit solchen aus der Classe B.

In Bezug auf den Klang unterscheiden sich die Legirungen ebenfalls. Stäbe von Kupfer, von Zinn und von einer Zinnkupferlegirung haben einen dumpfen matten Ton. Kanonenmetell klingt klar und glockenartig. Auch Messing klingt sonor, Zink aber dumpf. (Chemisches Centralblatt, 1869, Nr. 5.)

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