Titel: Ueber die Fortschritte und den derzeitigen Stand der Fabrication von Trocken-Preßsteinen (Briquettes) aus klarer Braunkohle; von Robert Jacobi, Civilingenieur in Halle a. S.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 6 (S. 473–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi05_6

Ueber die Fortschritte und den derzeitigen Stand der Fabrication von Trocken-Preßsteinen (Briquettes) aus klarer Braunkohle; von Robert Jacobi, Civilingenieur in Halle a. S.

Die Schwierigkeiten welche das massenhafte und für die Sicherung der Leistungen nothwendig gleichmäßige Trocknen der Kohle bisher geboten hat, sind durch die neuesten Ausführungen meiner Trocken-Oefen in befriedigendster Weise beseitigt. Dieselben sind zwar in der Beschaffung theurer als andere zu diesem Zwecke bisher angewendeten Vorrichtungen; sie arbeiten aber ohne jede menschliche Beihülfe, verbrauchen als Wärmequelle nur den Rückgangsdampf der Betriebsmaschinen und sind sehr dauerhaft. Sie liefern ferner die getrocknete Kohle in leicht zu regulirender Weise stets genau in dem Trockenheitsgrade, welcher ihrer Preßnatur am besten entspricht und schließen Feuersgefahr vollständig aus.

Die Construction der Presse, der ihr zugehörigen Betriebsmaschine und sämmtlicher Betriebsvorrichtungen ist dahin vervollkommnet, daß pro Arbeitstag 60–75,000 Steine mit einer Presse fabricirt werden können, ohne die Sicherheit der Leistung oder die Qualität der Steine in Frage zu stellen.

Die maschinellen Einrichtungen für Sortirung und Transport der grubenfeuchten und der getrockneten Kohle sind ebenfalls dahin vervollkommnet, daß an menschlicher Beihülfe nur die Bedienung der Dampfkessel, das Aufgeben der feuchten Kohle auf die Trocken-Oefen, das Pressen der trockenen Kohle (je ein Mann per Schicht) und das Verladen der Steine auf die Transportwagen oder in den Vorrathsraum (3–4 Mann per Schicht) erübrigt. Ihrem Wesen nach können diese Arbeiten nie anders als von Menschenhand verrichtet werden, so daß in jeder Beziehung ein hoher Grad technischer Vollendung für diese Fabrication erreicht ist.

Abzüglich der Sonn- und Festtage, sowie derjenigen Wochentage, auf welche zufällige Stillstände durch Wechsel der Formen, Reparaturen etc. fallen mögen, können per Jahr 290 volle Arbeitstage angenommen werden. Je nach Beschaffenen der Kohle, d.h. je nachdem dieselbe mild, bitumenreich und rein, oder hart, bitumenarm |474| und mehr oder weniger unrein ist, 110) liefert eine Presse bei der vorn angegebenen Leistung per Tag, daher per Jahr 17–22,000,000 Preßsteine. Nach Lage der Fabrik (ob näher oder ferner von Eisenbahn oder größeren Verbrauchssteller.) und nach den Preisen der concurrirenden Brennstoffe, sowie nach dem Brennwerthe der verpreßten Kohle kann der Preis von einem tausend Preßsteine auf 1 1/4–1 2/3 Thaler loco Etablissement angenommen werden. Der Werth der Jahresproduction beträgt daher im ungünstigen Falle, wo ungünstige Lage, geringwerthige Kohle und geringes Fabricationsquantum mit niederen Concurrenzpreisen zusammen treffen, 21,250 Thlr., im günstigen Falle, wo gute Kohle, günstige Lage, großes Fabricationsquantum und höhere Concurrenzpreise obwalten, 36,666 Thlr. Die Gesammt-Herstellungskosten dieses Werthes können nach dem Preise der Rohkohle von 12–17,000 Thlr. schwanken, so daß, conform diesen Verhältnissen, ein Brutto-Ueberschuß von ca. 9–19,000 Thlr. verbleiben muß.

Die Anlagekosten einer Preßsteinfabrik von angeführter Leistungsfähigkeit betragen 30–33,000 Thlr, je nach dem Stande der Eisen- und Baumaterialien-Preise.

Der schon angedeutete hohe Vollkommenheitsgrad der gesammten zugehörigen Maschinen und Apparate macht es mir möglich, für die angeführten Leistungen nach Maßgabe der Beschaffenheit der Kohle jede Garantie zu übernehmen. Auf Wunsch und nach Angabe der vorliegenden Verhältnisse bin ich gern bereit, Zeichnungen von Anlagen, specielle Anschläge über Bau- und Betriebskosten n. s. w. mitzutheilen, wie auch aus einzusendender Kohle Probe-Preßsteine herzustellen.

Zu einem Tausend Preßsteine sind ca. 4 Tonnen Preßkohle und zur Erzeugung der erforderlichen Triebkraft ca. 1 1/4 Tonnen Brennkohle erforderlich. Eine Presse verarbeitet daher per Jahr ca. 90–125,000 Tonnen Rohkohle.

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Es ist mir jüngstens gelungen, Verunreinigungen durch Sand in eben so einfacher als billiger Weise zu beseitigen, so daß auch ein Vorkommen von 10 und mehr Proc. Sand nicht mehr als Hinderungsgrund der Verpressung anzusehen ist.

J. R.

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