Titel: Die Brodbereitung mittelst des Horsford-Liebig'schen Backpulvers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 14 (S. 564)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi06_14

Die Brodbereitung mittelst des Horsford-Liebig'schen Backpulvers.

Mit Bezugnahme auf den Bericht im Jahrgang 1869 des polytechn. Journals (Bd. CXCII S. 515) theilen wir im Nachstehenden die Ergebnisse von weiteren Versuchen mit, welche von verschiedenen Bäckermeistern in Württemberg bezüglich dieser Brodbereitungs-Methode angestellt und im württembergischen Gewerbeblatt veröffentlicht worden sind.

Bei Anwendung des Backpulvers wird mehr Brodgewicht gewonnen, als mit Hefe oder Sauerteig, und zwar 5–14 Procent, nach einer Angabe sogar bis zu 30 Procent. Das Brod wird sehr schmackhaft und nahrhaft gefunden, obgleich kleiner und weniger ansehnlich als Hefen- und Sauerteigbrod, und auch theurer als dieses wegen des hohen Preises des Backpulvers. Der Gewinn am Gewicht allein wiegt freilich bei niederen Getreidepreisen die Kosten des Backpulvers nicht auf und da der Bäcker eine Preiserhöhung nicht vornehmen kann, wenn er seine Kunden erhalten will, so kommt der in dem höheren Nahrungsgehalt liegende Gewinn allein den Kunden zu gut, welche das Brod an mehreren Orten gern, aber eben nur zu dem gewöhnlichen Preise kaufen.

Gewiß mit Recht hebt Hr. Bahret in Winnenden hervor, es sey die Ersparniß an Zeit und der Umstand hoch anzuschlagen, daß man die Arbeit mehr bei Tag versehen könne, statt wie bisher von Mitternacht an. Er glaubt hierdurch die Mehrkosten als völlig gedeckt ansehen zu können. Diese letzteren Vortheile – Zeitersparniß und Vermeidung der Nachtarbeit – dürften namentlich für den Bäcker sehr in's Gewicht fallen, indem neben der Schonung der Arbeitskräfte auch die Ersparniß an Licht in Betracht kommt.

Ganz besonders aber empfiehlt sich die Sache wegen ihrer Einfachheit für Privathäuser, wo man in Würdigung der erhöhten Schmackhaftigkeit und Nahrhaftigkeit auch mit einem minder ansehnlichen Aeußeren sich leichter versöhnt, während der Bäcker die Wünsche seiner Kunden zu berücksichtigen hat, sogar wenn sie nur auf einem Vorurtheil beruhen.

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