Titel: Ueber die Anwendung des Thones zur Verhütung der Bildung von Kesselstein; von Theodor Becker, Chemiker der Bredower Zuckerfabrik.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 6 (S. 559–560)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi06_6

Ueber die Anwendung des Thones zur Verhütung der Bildung von Kesselstein; von Theodor Becker, Chemiker der Bredower Zuckerfabrik.

Herr Dr. Wiederhold in Cassel hat (im Jahrgang 1869 der Gewerbeblätter für Kurhessen) den Thon als ein gutes Mittel zur Verhütung von Kesselsteinansatz empfohlen. Eine Fabrik in der ich früher als Chemiker thätig war, speiste ihre Kessel mit thonhaltigem Wasser. Die Kessel derselben waren stets blank und sammelte sich nur an den unteren Theilen derselben ein Schlamm, der leicht zu entfernen war. Durch genannten Artikel des Hrn. Dr. Wiederhold wurde mir dieser Umstand in's Gedächtniß zurückgerufen und ward daher auf meine Veranlassung den Kesseln der Bredower Zuckerfabrik, welche circa 400 Kubikfuß Wasser fassen, ein Zusatz von 20 Pfund Thon gegeben. Die Kessel der Fabrik werden nacheinander alle 5 Wochen abgeblasen, und jede Woche ein- bis zweimal, durch Oeffnen des Ablaßhahnes auf ein paar Minuten, von dem sich sammelnden Schlamme befreit. Hierdurch geht natürlich auch Ton mit fort und deßhalb ließ ich einen geringen Ueberschuß von demselben zusetzen. Nach Verlauf von 5 Wochen zeigte der erste Versuchskessel nicht nur eine reine Wandung, sondern alter, durch mangelhafte Reinigung noch sitzen gebliebener vorjähriger Kesselstein war abgelöst und die Stellen blank geworden. Die folgenden Versuchskessel ergaben dasselbe Resultat. Der Thon hatte demnach nicht nur den Ansatz von Kesselstein verhindert, sondern sich auch als Lösungsmittel alter Krusten bewährt.

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Allein in der sechsten Woche nach Beginn obiger Versuche, stellten sich Unregelmäßigkeiten durch Verstopfen der Ablaßröhrchen des Condensationswassers im Dampfcylinder ein, die anfangs durch Aufbohren beseitigt, immer mehr und mehr vorkamen, so daß schließlich ein Oeffnen des Cylinders nothwendig war. Es zeigte sich nun hierbei, daß eine zähe, schwarze Masse in ziemlich starker Ablagerung an Kolben und Cylinderdeckel, die Ursache des Verstopfens gewesen, die, erkaltet, bröckelig werdend, beim Stillstand der Maschinen abgesprungen, sich in die Röhrchen festgesetzt hatte. Die Untersuchung der Masse ergab eine variable Mischung von Talg, Eisen, Kalk, Gyps und eine vorherrschende Menge Thon. Es war nun außer Zweifel, da früher eine solche Verstopfung nie hier vorgekommen, daß der Zusatz von Thon zum Speisewasser den Anlaß hierzu gegeben hatte; auch ist mir jetzt gegenwärtig, daß erstgedachte Fabrik oft mit demselben Uebelstande zu kämpfen hatte, dessen Ursache ich nicht kannte.

Der Thon verhindert demnach zwar die Bildung von Kesselsteinansatz, ist jedoch vor der Hand auf angegebene Weise hierzu nicht zu gebrauchen, wenn nicht das Ueberführen desselben in die Maschinentheile durch irgend welche Vorrichtung zu beseitigen ist. (Zeitschrift für die Rübenzucker-Industrie im Zollverein, 1869 S. 834.)

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