Titel: Ueber Emailliren der Spiritusfässer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 195/Miszelle 9 (S. 560–562)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj195/mi195mi06_9

Ueber Emailliren der Spiritusfässer.

Der Bedarf an Spiritusfässern ist gegenwärtig bei dem ausgedehnten Spiritushandel ein sehr großer. Bisher, bemerkt Krupski im „landwirthschaftlichen Anzeiger,“ |561| wurden dieselben von eichenem Stabholz angefertigt; da dieses aber immer seltener und theurer wird, so drängt sich die Nothwendigkeit auf, einen Ersatz für dieses schwer zu beschaffende Holz zu suchen. Man hat neuerdings vorgeschlagen, die Spiritusfässer statt von Eichenholz aus starkem Eisenblech anzufertigen.145) Haben diese eisernen Fässer auch dem Anscheine nach viele Vortheile vor den hölzernen, z.B. weniger Verlust an Leckage, längere Dauer, voraus, so führen sie doch auch viele Nachtheile mit sich. Sie sind zum Transport zu schwer und bekommen trotz der zwei hölzernen starken Reifen, welche um sie getrieben werden, doch Eindrücke, wodurch der Inhalt des Fasses ein unrichtiger wird. Dieß muß gewiß auch schon dadurch geschehen, daß das Eisen bekanntlich ein guter Wärmeleiter ist und derartige Gebinde somit im Sommer einen größeren Inhalt nachweisen werden als im Winter. Auch würde sich beim Transport im Sommer der Spiritus in ihnen zu sehr erwärmen, und endlich sind eiserne Fässer auch viel zu theuer. Die Nachtheile derselben sind demnach so überwiegend, daß sie wohl kaum die hölzernen Gebinde verdrängen werden.

In Rußland, wo, mit Ausnahme der westlichen Provinzen, die Beschaffung von Gebinden aus Eichenstabholz sehr schwer ist, hat man auf Abhülfe gesonnen und diese auch glücklich gefunden. Man fertigt nämlich die Spiritusgebinde nicht von Eichenholz, sondern von gewöhnlichem Kiefern- oder Tannenholz an, die innere Fläche derselben aber wird mit einer Emaille bestrichen. Diese hält nicht nur die Berührung des Spiritus mit den harzigen Stäben ab, sondern verleimt auch undichte Stellen dieser Fässer, so daß sie sehr gut eichene Fässer ersetzen; besonders zweckentsprechend sind große Lager- oder Standfässer dieser Art. Die Gebinde sind meistentheils nur mit hölzernen Reifen abgebunden und es wird das ganze Faß vor dem Emailliren bis auf den Spundstab fertig abgebunden. Durch die dadurch gelassene Oeffnung wird nun der innere Raum des Gebindes mit Emaille überzogen, alsdann der Spundstab selbst bestrichen, die Reifen mit Vorsicht heruntergeschlagen, der Spundstab eingesetzt und das ganze Faß dann abgebunden. Ist die Emaille getrocknet, so haben sich diese Fässer als ganz probat gezeigt.

Die Emaille wird folgendermaßen zusammengesetzt: Man nimmt auf 1 Pud (33 Pfd.) Tischlerleim 3 Pfd. feingestoßene und gesiebte Galläpfel, 6 Pfd. feingestoßenes und gesiebtes Glas und 5 Pfd. feingestoßenen gesiebten Cement oder auch ungelöschten feinen Kalk. Den Tischlerleim weicht man in süßer Milch statt in Wasser ein und kocht denselben ziemlich dick ein; alsdann schüttet man die gestoßenen und gesiebten Galläpfel zu, kocht eine halbe Stunde, fügt das gestoßene Glas und zuletzt den Kalk bei. Alle diese Substanzen werden gut mit einander durchgekocht; hieraus setzt man 5 Quart guten Leinölfirniß zu und kocht auch diesen mit durch. Sehr gut ist es, wenn man noch einige Pfund Schwefelblüthe beim Aufkochen der Substanzen zumengt. Während des Kochens muß im Kessel gut umgerührt werden, damit sich das Glas und der Kalk nicht zu Boden setzen. Glaubt man, daß die verschiedenen Substanzen gut durchgekocht sind, so hebt Man den Kessel von dem Feuer und setzt ihn in eine dazu vorbereitete Grube mit Eis. Dadurch erstarrt die Masse plötzlich und die nicht aufgelösten Theile bleiben fein vertheilt im Tischlerleim. Die Emaille muß halb erstarrt aufgetragen werden und ist es daher nicht gut, wenn man zu große Quantitäten derselben auf einmal anfertigt. Erstarrt dennoch die Emaille stärker, als sie noch gut streichbar ist, so darf man nur kleinere Quantitäten über Feuer erwärmen, wodurch sie wieder fließend wird.

Die Fässer, welche mit Emaille versehen werden, müssen ganz rein und trocken seyn; auch ist es gut, wenn man sie inwendig etwas erwärmt, was mit ein wenig in ein kleines Gefäß gegossenem Spiritus, welcher angezündet wird, geschehen kann. Ist der erste Anstrich getrocknet, so wird ein zweiter und später ein dritter gegeben. Bei großen Stand- und Lagerfässern wird ebenso verfahren, nur muß man dabei unter den Unterboden gut passende Unterlagen geben. Geschieht dieß nicht, so drückt die auf dem Boden lastende Spiritussäule denselben aus seiner Lage, die versteinerte Emaille kann dem Boden nicht folgen, bekommt Risse und durch diese kann das Standfaß lecken. Der Spiritus nimmt von der Emaille nicht den geringsten Geschmack, auch keine Farbe an, und diese Fässer führen daher auch nicht den Nachtheil neuer eichener |562| Spiritusfässer mit sich, bei welchen der Spiritus durch das Lagern braun wird. Daß in solche Fässer kein Wasser gegossen werden darf, versteht sich von selbst. Sind sie vertrocknet, so müssen sie von außen, sey es durch Wasser (wobei es nicht nöthig seyn wird, dieselben zu verspunden), verquellt werden.

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Man sehe: Schultze, über eiserne Transportfässer für Spiritus, im polytechn. Journal Bd. CXC S. 321.

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