Titel: Bolley, über Jama-may-Seide.
Autor: Bolley, Pompejus Alexander
Fundstelle: 1870, Band 196, Nr. XIX. (S. 72–81)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/ar196019

XIX. Untersuchungen über Jama-may-Seide; von Prof. Dr. P. Bolley.

Aus der schweizerischen polytechnischen Zeitschrift, Bd. XIV S. 142.

Mit Abbildungen.

Die Jama-may-Seide (Seide des chinesischen Eichenspinners), von deren Zucht man in Europa vor einigen Jahren so große Hoffnungen |73| hegte, welche, wie es den Anschein hat, jetzt sämmtlich zu Grabe getragen sind, kommen seit einiger Zeit vereinzelte Lieferungen sowohl aus China als aus Japan auf den europäischen Markt. Man hat, wie ich von verschiedenen Seiten vernahm, sowohl in Lyon als hier in Zürich, und wohl auch an anderen Centralpunkten der Seidenindustrie, sich vielfach Mühe gegeben, diese Seide ähnlich wie die des Maulbeerspinners zu verwenden, soll aber überall an den Schwierigkeiten gescheitert seyn, die sie beim Färben zeigt.

Um über dieses unerwartete Verhalten einige Aufklärung zu gewinnen, habe ich eine mir im Herbst 1868 gewordene Gelegenheit, solche Seide zu erhalten, benutzt, und eine Untersuchung vorgenommen, an der sich zwei Praktikanten meines Laboratoriums, Hr. Kind aus Schiers in Graubündten und Hr. Rebmann aus Stäfa, eifrigst betheiligten.

Der Cocon des Eichenspinners ist etwas größer als der gewöhnliche italienische Cocon, rauh, flockig, äußerlich grünlich, innen aber glänzend weiß.

Der einzelne Coconfaden besteht aus zwei Hälften, die, wie es bei jeder anderen Seide der Fall ist, der Länge nach zusammengekittet sind, wodurch ein unregelmäßiger, stellenweise elliptischer Querschnitt entsteht. Der Eichenspinnerfaden zeigt sich rauher, steifer und ungleichartiger als der von Bombyx mori.

Die mikroskopische Untersuchung der Jama-may-Seide, über welche im Verlauf der vorliegenden Arbeit von Dr. J. Wiesner in Wien Einiges veröffentlicht wurde,13) nahm Hr. Dr. G. Schoch vor. Wir stellen die Resultate, welche sich einander ergänzen, hier zusammen.

Dr. Wiesner gibt die Breite des Jama-may-Fadens an wie folgt:

Floretseide 0,010 – 0,041, meist 0,017 Millim.
feine Seide 0,017 – 0,045, 0,027
Wattseide 0,017 – 0,034, 0,025

Dr. Schoch fand die Breite des vom Cocon gewonnenen entschälten einfachen Fadens variirend zwischen 0,02 und 0,046 Millim., während der von Bombyx mori eine Breite zwischen 0,015 und 0,02 Millim. hatte.

Ueber die Structur der Seide sagt Wiesner: Jede Seide, selbst die gewöhnliche, besteht aus mehr oder weniger abgeplatteten Fäden, wie man sich durch Einstellung mit der Schraube, noch besser aber durch Querschnitte überzeugen kann. Die gewöhnliche Seide ist nur wenig |74| abgeplattet, die übrigen sehr stark. Der Seidenfaden ist ferner nie homogen, sondern stets der Länge der Fäden nach parallel gestreift. Diese Streifung wird nicht etwa dadurch hervorgerufen, daß die Fäden von Sprungflächen durchsetzt sind, sondern, wie der Querschnitt lehrt, dadurch, daß die von Seidenleim umschlossene Masse von zahlreichen feinen Röhren durchzogen ist, welche, im Mikroskope dunkel erscheinend, entweder mit Luft oder einer anderen sehr schwach lichtbrechenden Substanz gefüllt sind. An allen hier besprochenen Seidensorten ist eine solche parallelfaserige Structur direct zu sehen. Aber auch an der gewöhnlichen Seide ist dieselbe Structur vorhanden, wenn sie sich auch nicht unmittelbar zeigen läßt.“

Fig. 1., Bd. 196, S. 74
Fig. 2., Bd. 196, S. 74
Fig. 3., Bd. 196, S. 74

Fig. 1 und Fig. 2 sind Schnittstücke des einfachen Jama-may-Fadens bei 700-facher Vergrößerung; Fig. 2 ist ein Querschnitt in Gummierhärtung. Der Faden erscheint der Länge nach gestreift (gerippt), und die ganze Oberfläche des Querschnittes ist mit Punkten besäet, die jedoch nicht als Mündungen von Röhren zu betrachten sind. Der einzelne Faden besteht vielmehr aus einzelnen dünnen Stäben, wie man erkennt, wenn man den Jama-may-Faden mit verdünnter Natronlauge behandelt und quetscht. Er zerfällt (Fig. 3) hierbei in einzelne Faden, deren Durchmesser 0,0015 Millim. ist. Die Punkte auf der Oberfläche des |75| Querschnittes entsprechen wahrscheinlich den leeren Begrenzungen zwischen den Seidenleimschichten der einzelnen Fäden. Man kann am Faden von Bombyx mori ähnliches nicht beobachten. Wird dieser mit Chromsäure behandelt, so erscheint er ebenfalls etwas gestreift, die Streifung ist aber viel lichter, nicht überall deutlich, nicht parallel, auch nicht stets der Längsrichtung folgend, sie muß eher einer oberflächlichen Schrumpfung oder Corrosion durch das Reagens als einer Absonderung in einzelne dünne Cylinder zugeschrieben werden.

Es scheint demnach, daß das Spinnorgan des Eichenspinners eine siebartige Austrittsmündung für den Faden hat, was leider, weil Exemplare des Thieres selbst nicht zu beschaffen waren, nicht näher constatirt werden konnte.

Der Jama-may-Faden unterscheidet sich demnach sowohl durch seine Dimensionen als durch seine Structur von der gewöhnlichen Seide. Es gehen hinsichtlich der ersten Eigenschaft die Beobachtungen von Wiesner und Schoch einig; hinsichtlich der Structur treffen sie theilweise ebenfalls zusammen. Die Deutung der Punkte auf dem Querschnitt muß in Folge der hier vielfach wiederholten Zerlegung des Fadens in lose Bündel eine andere als die von Wiesner angedeutete seyn.

Die chemische Zusammensetzung.

Der Aschengehalt des Cocons des Eichenspinners nach Entfernung der Larve wurde zu 8,639 Proc., derjenige von italienischen Cocons zu 1,07 Proc. gefunden. Zerreißt man die flockige Hülle eines Jama-may-Cocons, so bemerkt man das Aufwirbeln feinen weißen Staubes ganz deutlich. In der Asche wurde nachgewiesen: Kalk, Magnesia, Kali, Natron, Phosphorsäure, Chlor.

Jama-may-Seide, Trame, zeigte einen Aschengehalt von 2,4 Proc., worin dieselben Bestandtheile gefunden wurden wie im Cocon.

Jama-may-Seide, die zuerst mit Alkohol und wenig Schwefelsäure behandelt, dann vollkommen mit Seife entschält worden, zeigte einen Aschengehalt von 0,59 Proc., italienische Seide in gewöhnlicher Weise entschält einen solchen von 0,95 Proc. Man ist also im Stande, die mineralischen Bestandtheile der Jama-may-Seide durch die angegebene Vorbehandlung größtentheils zu entziehen.

Die näheren Bestandtheile der gewöhnlichen Seide sind hauptsächlich der sogenannte Seidenleim und das Fibroin, wozu als dritte in einigermaßen erheblicher Menge auftretende Substanz der Farbstoff kommt. Die Untersuchung der Jama-may-Seide mußte zunächst dahin gerichtet |76| werden, ob bei analoger Behandlung dieselben Stoffe sich ergehen, wie aus der Seide des Maulbeerspinners.

Es wurden mehrere Strähne Jama-may-Seide in gewöhnlicher Temperatur mit einer verdünnten – 2procentigen – wässerigen Lösung von Salzsäure 24 Stunden stehen gelassen, um ihr die mineralischen Bestandtheile zu entziehen, dann in kaltem Wasser so lange gewaschen, bis die saure Reaction gänzlich verschwunden war. Die so vorbereitete Seide wurde nun mit Wasser und unter fortwährendem Ersatz des verdampften lange Zeit ausgekocht, bis die herausgenommenen Strähne nach dem Auswinden und Trocknen nicht mehr zusammenklebten. Die Lösung wurde auf dem Dampfbad concentrirt und grünliche Flocken, die sich hierbei ergaben, durch Filtration beseitigt. Der erkalteten concentrirten Lösung wurde etwas Weingeist zugesetzt, erhitzt, und kochend heiß von dem Niederschlag abfiltrirt. Aus dem Filtrat setzten sich nach Zusatz von mehr Weingeist Flocken ab, die in ihrem Ansehen und Eigenschaften mit dem gewöhnlichen Seidenleim die größte Aehnlichkeit zeigten.

Die Elementaranalyse
dieser Substanz ergab:
Als Mittel zweier Analysen
gewöhnlichen Seidenleimes
erhielt Cramer.14)
C = 44,29 C = 44,32
H = 5,81 H = 6,18
N = 18,64 N = 18,30
O = 31,26 O = 31,20
––––––––––– ––––––––––
100,00 100,00

Das Fibroin der Jama-may-Seide wurde dargestellt durch Uebergießen derselben mit fünfprocentiger Natronlauge während 24 Stunden und vollkommenes Auswaschen der zwar mürbe gewordenen aber sonst nicht zerstörten Seidefäden zuerst mit Wasser, dann mit ganz schwacher Salzsäure, zuletzt wieder mit Wasser.

Es wurde erhalten:

I. II. III. IV. V.
C = 48,47 48,53
H = 6,84 6,33
N = 18,50 18,78 19,40

Dieß beträgt im Mittel:

C = 48,50

H = 6,58

N = 18,89

O = 26,03

|77|

Die Analysen von Cramer für ein nach gleicher Weise aus gewöhnlicher Seide dargestelltes Fibroin ergaben im Mittel:

C = 48,60
H = 6,40
N = 18,89
O = 26,11
––––––––––
100,00

Es besteht somit kein Zweifel, daß das Fibroin sowohl als der Leim der Jama-may-Seide identisch sind mit den entsprechenden Bestandtheilen der Maulbeerspinnerseide.

Die Bestimmung der relativen Menge dieser beiden Hauptbestandtheile, welche bekanntlich ziemlich unsicher ist, wurde dennoch versucht, um doch ein ungefähres Urtheil hierüber zu gewinnen.

Es wurde zu dem Ende Jama-may-Seide bei 110° C. getrocknet gewogen, dann mit 2procentiger Salzsäure über Nacht stehen gelassen, hierauf 24 Stunden lang mit Wasser und endlich 3 Stunden lang mit Seifelösung gekocht. Zwischen jeder der drei Behandlungen wurde getrocknet und gewogen. Die Seide verlor

in verdünnter Salzsäure 6,2 Proc.
in Wasser 13,6
in Seifelösung 3,6
––––––––––
zusammen 23,4 Proc.

und zeigte sich weich und gänzlich entschält.

Ein zweiter Versuch ergab 24,15 Proc. Verlust durch Entschälung.

Der Farbstoff der Jama-may-Seide läßt sich auf verschiedene Weise von den Fäden trennen. Wird dieselbe mit nicht zu schwachem Weingeist, oder mit verdünntem Weingeist, dem etwa 3 Proc. Salzsäure zugesetzt sind, gekocht, so erhält man grüne Lösungen. Die erstere wird am Licht nach einiger Zeit gelb, die saure hält sich lange unverändert. Durch Eindampfen der alkoholischen Lösung oder durch Versetzen der sauren mit Ammoniak und oxalsaurem Ammoniak, Abfiltriren des Niederschlages und Eindampfen scheiden sich, wenn die Flüssigkeit nur wenig Alkohol mehr enthält, grüne Tropfen aus, die gesammelt und getrocknet eine weiche amorphe Masse darstellen. Auch beim Auskochen der Seide mit Wasser scheidet sich aus dem erkalteten Decoct ein Niederschlag ab, der gesammelt und getrocknet an heißen Weingeist den grünen Farbstoff abgibt. Wird die grüne weiche Masse mit Aether behandelt, so löst sich ein Theil hiervon mit blaugrüner Farbe auf und es bleibt ein gelber Rückstand. Durch Abdampfen der ätherischen Lösung bleibt |78| ein fester Rest, der aber eine mehr in's Gelbliche ziehende Farbe angenommen hat. Neuer Aether über diesen gegossen färbt sich wieder blaugrün und läßt eine kleine Menge gelber Substanz ungelöst. Dieß läßt sich einige Male wiederholen, so daß angenommen werden muß, der blaugrüne Farbstoff gehe beim Abdampfen in den gelben über.

Es ist mir wegen unzureichenden Materiales nicht gelungen, durch Schütteln mit Aether, der mit Chlorwasserstoff gesättigt worden, eine Zerlegung in einen blauen und einen gelben Farbstoff hervorzurufen, wie es Fremy bei dem sogen. Chlorophyll gethan hat, auch hat die Eisenreaction in der wiedergelösten Asche, die der Farbstoff hinterließ, nur Spuren dieses Körpers angedeutet, nichtsdestoweniger muß eine gewisse Aehnlichkeit dieses Körpers mit dem aus den Pflanzen durch Alkohol ausgezogenen grünen Pigmente zugegeben werden. Eine Abscheidung fettiger oder wachsartiger Materie aus dem grünen Körper war mir, ebenfalls wegen zu geringer Menge, unmöglich,

Hygroskopische Eigenschaft.

Ein Strahn Jaam-may Trame und ein anderer italienischer Trame wurden unter ganz gleichen Umständen drei Tage unter häufigerem Ausbreiten der Fäden in gewöhnlicher Luft aufgehängt, gewogen und hierauf einem getrockneten Luftstrom von 110° C. ausgesetzt und unter Abschluß äußerer Luft gewogen.

Die Jama-may-Trame verlor 12,11 Proc.
„ italienische „ „ 11,14 Proc.

Fähigkeit Beize aufzunehmen.

Es waren mir aus einigen Seidefärbereien Muster von italienischer und Jama-may-Trame zugekommen, welche ganz in derselben Weise für Schwarz vorbereitet, d.h. mit Eisen gebeizt waren. Sie waren blasser als die gewöhnliche Seide erscheint, nachdem sie durch Eisenbeizen passirt ist. Eine Eisenbestimmung ergab mir für die Jama-may-Trame 0,81, für italienische Trame 1,32 Proc. Eisenoxyd. Beide Strähne waren in der gleichen Färberei und nach dem gleichen Verfahren gebeizt worden.

Wenn hieraus hervorzugehen schien, daß die Jama-may Seide sich nur unvollständig beizen lasse und darum ihr Färbevermögen geringer sey, so wurde durch mehrere in verschiedenster Weise im Laboratorium angestellte Versuche diese Annahme im Allgemeinen bestätigt, wie aus Nachfolgendem hervorgeht.

1) Es wurde von zwei Portionen entschälter Jama-may- und italienischer Seide ein Theil zur Aschenbestimmung verwendet. Die |79| Jama-may zeigte 1,141, die italienische 0,445 Proc. Unverbrennliches. Die andere Hälfte beider wurde zusammen gebeizt in Lösung von Eisenvitriol, der durch Salpetersäure oxydirt worden, d.h. in der von den Färbern salpeterschwefelsaures Eisenoxyd benannten Flüssigkeit. Beide wurden bei 110° C. getrocknet bis keine Gewichtsabnahme mehr erfolgte, dann eingeäschert und von dem gebliebenen Aschengehalt mit Eisenoxyd der oben angegebene Aschengehalt der entschälten Seide abgezogen:

Es blieb für aufgenommenes Eisenoxyd

in der Jama-may 1,458 Proc.
in der italienischen Trame 0,810 Proc.

2) In ganz ähnlicher Weise wurde mit ziemlich concentrirtem salpetersaurem Eisenoxyd gebeizt.

Die Jama-may-Seide nahm um 6,79 Proc.
die italienische 6,12 Proc.

durch Beizaufnahme zu.

Durch Einäschern und Abziehen des vorher bestimmten natürlichen Aschengehaltes ergab sich Eisenoxyd

in Jama-may 3,60 Proc.
in italienischer Seide 4,12 Proc.

3) Mit concentrirtem holzessigsaurem Eisen, welches jetzt vielfach für Schwerschwarz gebraucht wird, wurden ebenfalls beide Seidensorten gebeizt.

Es nahm auf die Jama-may 9,99 Proc.
die italienische 8,48 Proc.

Nach dem Einäschern und Abzug des natürlichen Gehaltes an mineralischen Substanzen zeigte sich

in der Jama-may-Seide 5,75 Proc.
in der italienischen 3,73 Proc. Eisenoxyd.

Da bei diesen Versuchen stets beide Sorten durch alle Operationen hindurch mit einander liefen und die möglichste Sorgfalt gegen Täuschungen bei den Wägungen, die so leicht durch Feuchtigkeitsaufnahme veranlaßt werden, eingehalten wurde, konnte man zur Annahme verführt werden, es stehe die Jama-may-Seide hinsichtlich ihres Vermögens Beize aufzunehmen nicht zurück gegen die italienische Seide. Unbefriedigt durch den Widerspruch, der sich zwischen der Seide die in der Färberei und derjenigen die im Laboratorium gebeizt wurde, zeigte, und gemahnt durch den Umstand, daß letztere viel mehr Eisenoxyd aufnahm als die Seide die von Färbern gebeizt und ausgewaschen war, ließ ich die Muster gebeizter |80| Seide von den Versuchen 2, welche so ungewöhnlich viel Beize aufgenommen hatte, in lauem, fast heißem Wasser einweichen und dann längere Zeit unter mehrfachem Wechsel des Wassers auswaschen, häufig auswinden und trocknen. Ferner wurden andere Strähne mit essigsaurem Eisen gebeizt und sehr stark ausgewaschen und ausgerungen.

Ich erkannte auf diesem Wege, daß sich ein sehr großer Theil der Beize noch entfernen ließ und fand durch Einäschern, daß die Jama-may-Seide vom Versuche 2 ziemlich weniger Eisenoxyd enthielt als die italienische.

Anstatt 3,60 (Versuch 2) hatte die Jama-may 0,9 Proc.
4,12 „ 2 „ „ italienische 1,3 Proc.

Gebeizt wie Versuch 3, aber stark ausgerungen, hatte

die Jama-may 1,10 Proc.
die italienische 1,74 Proc.

nach Abzug der diesen Seidenmustern eigenen Aschen an Eisenoxyd aufgenommen.

Die Seide zeigte sich nach dieser Behandlung unter dem Mikroskop der ganzen Länge der gespaltenen Coconfäden nach ganz gleichmäßig mit Eisenoxyd getränkt, während die weniger sorgfältig ausgewaschene Seide (2 und 3) stellenweise ganz dunkel und verdickt aussah, und andere Stellen des Fadens blaß erschienen. Die obigen Resultate erklären sich daher aus adhärirender, durch recht sorgfältiges Ausringen entfernbarer Beize, und wurden nur darum angeführt, um zu zeigen, wie leicht Täuschungen bei derartigen Bestimmungen möglich sind.

Färbeversuche.

Diese wurden mit je zwei verschiedenen Seidemustern, d.h. einem Strahn Jama-may und einem Strahn italienischer Seide vorgenommen, welche zusammen gebeizt und ausgewaschen, also ganz genau derselben Behandlung unterworfen worden waren.

Durch Beizen mit salpetersaurem Eisenoxyd und Ausfärben in einem Gemisch zweier Lösungen von Blauholz- und Gelbholzextract wurde mit entschälter italienischer Seide ein tadelloses Rabenschwarz, mit Jama-may nur ein grauviolettes ganz ungenügendes Schwarz erhalten.

Durch Beizen mit holzessigsaurem Eisen und Ausfärben in gelöstem Campecheholzextract wurde das Schwarz auf der italienischen Seide sehr tiefdunkel, während dasjenige auf der Jama-may-Seide nur bläulich, keineswegs schwarz ausfiel.

Ganz so verhielten sich Zwirne, die mir aus verschiedenen Färbereien |81| zukamen; sie hatten ein rohes Ansehen, zeigten sich nicht durchgefärbt und häufig war der Grundton der Farbe eher blau als schwarz zu nennen.

Für die Schwarzfärberei scheint sich demnach die Jama-may-Seide nicht zu eignen. Mehr befriedigende Resultate erhielt ich mit verschiedenen Anilinfarben. Blau, Roth und Violett entsprachen weit besser als die schwarzen Muster; Jodgrün erschien weniger klar auf Jama-may-Seide als auf italienischer, war aber ziemlich satt gefärbt.

Daß man aus diesen Ursachen folgern dürfte, die einer Beize bedürftigen Farben fänden Widerstand beim Befestigen auf die Jama-may-Seide, während die ohne solche Vermittelung niederschlagbaren anwendbar seyen, wage ich, ehe die Versuche mehr variirt und im Großen ausgeführt sind, nicht zu behaupten.

Unzweifelhafte Unterschiede finden statt; sie müssen, soweit aus obiger Untersuchung geschlossen werden kann, mehr auf morphologische Gründe, Structurverschiedenheiten des Fadens, wie die oben angegebenen, oder vielleicht auf physikalische, wie Härte des Fadens oder Porosität, zurückgeführt werden.

|73|

Polytechn. Journal, Bd. CXC S. 233.

|76|

E. Cramer, Untersuchung der Seide, Inauguraldissertation (im Auszug im polytechn. Journal Bd. CLXXX S. 397).

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