Titel: Cech, über Wiederbelebung des Spodiums mit Brüdenwasser.
Autor: Cech, Carl Otokar
Fundstelle: 1870, Band 196, Nr. LXXV. (S. 262–264)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/ar196075

LXXV. Die Wiederbelebung des Spodiums mit Brüdenwasser; mitgetheilt von Dr. Otakar Cech, Docent am Polytechnicum zu Prag.

Die Wiederbelebung des Spodiums mit den Condensationswässern der Robert'schen Apparate, wobei auf die eigentümliche Wirkungsweise des Ammoniakgehaltes dieser Wässer ein besonderer Nachdruck gelegt wird, ist der Grundgedanke einer dem Hrn. Dr. Eisfeld patentirten neuen Methode, über deren Wesen ich Näheres mittheilen kann.

Das Princip ist ein ähnliches, wie wir es in einem „Vorschlage“ Kral's (man s. Stammer's Jahresbericht über Zuckerfabrication für 1868, S. 354) finden, mit dem Unterschiede, daß die Wiederbelebung mit Brüdenwasser bereits praktisch durchgeführt ist und Gelegenheit bietet, dieselbe einer Kritik zu unterwerfen.

Von böhmischen Zuckerfabriken hat sich bis jetzt nur „Svojsic“ bewogen gefunden, das Verfahren in der Campagne 1869–1970 sorgfältig zu prüfen.

Da es dem Vereine ostböhmischer Zuckerfabrikanten daran gelegen ist, alle Neuerungen auf dem weiten Felde der Rübenzucker-Industrie nach Möglichkeit zu würdigen und auf heimischem Boden einzuführen, so beschloß derselbe Hrn. Ernst Walcher, techn. Assistenten von Slatinan, nach Svojsic zu delegiren, um einen verläßlichen Bericht über das Verfahren zu erhalten. Durch einen in den „Vereins-Berichten“ veröffentlichten Artikel wird dem praktischen Zuckerfabrikanten Gelegenheit geboten, das Verfahren vollständig kennen zu lernen, und es ist nun zu erwarten, daß die Methode baldigst eine größere Verbreitung zu gewärtigen hat, oder aber als kostspieliger bloßer Versuch ad acta gelegt wird.

Ehe ich die Methode selbst bespreche, will ich den Kostenpunkt erwähnen, da er bei bereits bestehenden Fabriken oft einzig und allein über die Einführung einer Neuerung entscheidet.

Das Patenthonorar beträgt für je 1000 Centner verarbeiteter Rüben 2 fl., der gesammte Apparat mit drei Gefäßen kostet 2150 fl. und die Brüdenwasserpumpe 500 fl. – es dürften sich also die Beschaffungskosten für eine Fabrik auf wenigstens 3000 fl. belaufen.

Die im Jahre 1869 in Breslau und Prag abgehaltenen Versammlungen praktischer Zuckerfabrikanten ließen über die Methode nur Günstiges |263| verlauten, und der mir vorliegende Bericht über die Resultate der Svojsicer Campagne bestätigt theilweise den der Methode vorausgegangenen Ruf, ohne daß es gerathen erscheint, aus den Manipulationsprotokollen einer einzigen Fabrik auf die allgemeine Unfehlbarkeit der Methode schließen zu können. Wir können ja eine Campagne noch mit unserem Urtheil zurückhalten und die Erfolge anderer Fabriken abwarten, welche das Verfahren adoptiren würden.

Die Svojsicer Fabrik arbeitete Heuer unter ungünstigeren Verhältnissen als im Vorjahre, dabei verbesserte sie ihr Spodium bei einer täglichen Mehrverarbeitung und benöthigte ein geringeres Procent Salzsäure. Der Mehrverbrauch an Spodium betrug im Jahre 1868–69 volle 6 Procent, dabei hatte man Heuer eine schlechte, stark angefaulte Rübe zu verarbeiten, während im Vorjahre eine gesunde Rübe zur Verarbeitung kam. Svojsic arbeitet mit Kindler'scher Saturation, die Säfte gelangen auf die Dünnsaftfilter mit 0,12–0,15 Proc. Alkalität und verlassen dieselben mit 0,05–0,09 Proc. Alkalität. Das Spodium enthielt im Vorjahre durchschnittlich 14,3 Proc. CaO, CO² und es war nicht möglich, diese hohen Ziffern herabzubringen, während es Heuer bei Anwendung der Brüdenwässer bis auf 11,56 Procent herabsank. Dabei verbrauchte man im Vorjahre 1 Proc. Salzsäure, heuer jedoch nur 1/2 Procent.

Ob man die Anwendung der Salzsäure wird ganz vermeiden können, bleibt noch unentschieden; es wird jedoch von Dr. Eisfeld in Aussicht gestellt und von Anderen für möglich gehalten.

Der Ammoniakgehalt des Brüdenwassers in Svojsic beträgt nur 0,013–0,026 Proc., derselbe kann jedoch bis zu 0,5 Proc. steigen.

Die Abnutzung des Spodiums ist eine geringere, weil das Kochen und Dämpfen in einem und demselben Apparate geschieht. Die Bedienung der Apparate erfordert drei Plann, welche die Füllung und Entleerung der Gefäße, sowie das Kochen und Dämpfen des Spodiums zu befolgen haben, – es ist mithin im Vergleich mit der alten Methode kein Mehraufwand an Arbeitskraft nöthig.

Da man bei Jelinek'scher Saturation gleichere Säfte von geringerer Alkalität erhält, als es bei Kindler's Methode möglich ist, so dürften mit Jelinek'scher Saturation arbeitende Fabriken bei Anwendung der Brüdenwasser-Spodiumwäsche bessere Resultate erzielen.

Die Analyse eines neuen und eines mit Brüdenwasser wiederbelebten Spodiums ergab in 100 Gewichtstheilen:

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Neues Spodium.

Feuchtigkeit 6,3 Proc.
Kohle und unlösliche Theile 11,02 „
CaO, CO² 8,00 „
CaO, 3PO⁵ 74,20 „
CaO, SO³ 0,30 „
––––––––––
99,92

Wiederbelebtes Spodium.

Feuchtigkeit 3,50 Proc.
Kohle und unlösliche Theile 9,85 „
CaO, CO₂ 11,799 „
CaO, 3PO⁵ 72,850 „
CaO, SO³ 1,789 „
–––––––––––
99,788

Ohne auf die detaillirte Beschreibung der patentirten Kochapparate näher eingehen zu wollen, da die gräfl. Stolber'sche Maschinenfabrik zu Magdeburg die alleinige Lieferung derselben übernommen hat, will ich nur noch zur Orientirung bemerken, daß mit dem neuen Verfahren wohl ein Minderverbrauch an Salzsäure erzielt werden kann, daß hingegen das Säuren, das Gähren und die Wäsche, das Kochen mit Brüdenwasser, sowie das Dämpfen und Glühen, einen Turnus von Arbeiten und Manipulationen darstellen, die zusammen dieselbe Zeit in Anspruch nehmen, welche die gewöhnliche Methode erfordert, – daher die Vermuthung mancher Fabrikanten, daß man bei Anwendung der Brüdenwässer sogar die Gährung ersparen könne, unbegründet ist.

Prag, im März 1870.

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