Titel: Thoma, über amerikanische Handschmiederei.
Autor: Thoma, Jos.
Fundstelle: 1870, Band 196, Nr. LXXXIX. (S. 303–304)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/ar196089

LXXXIX. Mittheilungen über amerikanische Handschmiederei; von Jos. Thoma, Ingenieur in Memmingen.

Aus dem württembergischen Gewerbeblatt, 1870, Nr. 15.

Mit einer Abbildung.

Vor ungefähr 20 Jahren fand man in vielen Maschinenfabriken Amerika's Schmiede, welche zu gleicher Zeit die Arbeit des Zuschlägers besorgten. Da dieß natürlich nur mit einem besonderen Apparat bewerkstelligt werden konnte und eine besondere Fertigkeit erfordert, so waren diese Schmiede und Zuschläger in einer Person sehr gesucht.

Es hatte anfänglich den Anschein, als ob diese neue Schmiederei wieder nach und nach verschwinden wolle, indem die Fertigkeit mit diesen Zuschlagapparaten selten entsprechend gefunden wurde. Diese Apparate haben sich jedoch – und zwar in verbesserter Form – in England rasch verbreitet und verdienen wegen ihrer Nützlichkeit für viele Zwecke näher beschrieben zu werden.

Textabbildung Bd. 196, S. 303

Der Schmiedamboß a besteht aus Gußeisen, und ist mit einem Schlitz für verschiedene einzusetzende angestählte Gesenke versehen. Sinter |304| diesem Amboß stehen zwei hölzerne Säulen b, b, welche oben am Gebälke festgemacht und in den Boden eingegraben sind. Oben sind sie durch ein Querholz verbunden, an welches zwei von Stahldraht gewundene Federn d, d befestigt sind.

Ungefähr in der Amboßhöhe ist in dem so gebildeten Rahmen eine Hammerhülse e angebracht, welche sich in dem an dem Rahmen befestigten Backen drehen kann.

Der Hammer f hat ein Gewicht von beiläufig 12 Pfund und ist an einen Holzstiel angesteckt; er hat ebenfalls an der Bahnseite einen Schlitz, um die eine Hammerbahn aufzunehmen, welche derjenigen des Amboßes entspricht.

An der Hülsenachse e sind zwei Arme g, g angebracht, in welche die unteren Enden der Federn d, d eingehängt sind. Die Verlängerung des Hammerstieles nach hinten ist mit einer Kette h verbunden, an welche ein Trittbret i aufgehängt ist.

Indem nun der Schmied seine Arbeit in das Gesenke bringt und diese wie gewöhnlich mit dem Handhammer verrichtet, tritt er zugleich mit dem linken Fuß auf das Trittbret, wodurch der Zuschlaghammer f gehoben wird. Beim Loslassen des Trittbretts ziehen sich die Federn d, d zusammen und der Hammer gibt einen kräftigen Schlag in das Gesenke.

Die Fertigkeit mit welcher die englischen Schmiede die Arbeit verrichten, übertrifft bei weitem die früher in Amerika ausgeübte Schmiederei mit Zuschlagapparat. Ein Mann und ein Knabe mit einander machen täglich 3 1/2 Centner oder 800 Stück große Nieten. Der Vortheil dieses Apparates gegenüber dem amerikanischen besteht darin, daß hier die Federn den Hammer niederschlagen, während an den älteren Apparaten die Federn dazu dienten, denselben zu heben, wobei dann das Schlagen durch den Fußtritt bewerkstelligt wurde.

Es ist einleuchtend, daß dieser Zuschlagapparat nur für gewisse Arbeiten von Vortheil ist, namentlich solche welche in Gesenken geschmiedet werden, besonders für Anfertigung von Nieten, Schraubenbolzen und dergl. Soll dagegen geschweißt oder sollen Bestandtheile von zusammengesetzter Form geschmiedet werden, so muß diese Arbeit wie gewöhnlich gefertigt werden.

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