Titel: Henzel's Wassermesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196, Nr. CXXX. (S. 489–490)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/ar196130

CXXX. Henzel's Wassermesser als Control-Apparat für Dampfkessel.176)

Mit einer Abbildung auf Tab. IX.

Das Bedürfniß einer Controlle des Verbrauches an kaltem oder heißem Wasser macht sich bei Wasserleitungen, Dampfmaschinen und insbesondere bei Locomotiven so fühlbar, daß ein Apparat welcher diesen Zweck mit der erforderlichen Genauigkeit versieht und dessen Construction dabei doch möglichst einfach und dauerhaft ist, von vielen Industriellen mit Freude begrüßt werden wird. Wir glauben, daß diesen Anforderungen Henzel's Wassermesser vollkommen entspricht und theilen daher zunächst dessen Construction mit.

Der in Figur 14 dargestellte Apparat besteht aus zwei Hohlkugelsegmenten (Schalen) a, a', welche durch eine Scheibe von vulcanisirtem Kautschuk b getrennt sind, die nach Form der Schalen gepreßt ist und in der Figur sich fest an a' angelegt zeigt. Das Wasser strömt nun bald in die Schale a ein und preßt die Scheibe b gegen a', bis sie dort – wie in der Figur gezeichnet ist – anliegt, bald in die Schale a' und preßt die Scheibe b gegen a. Bei jeder dieser Bewegungen wird der Wasserinhalt des Raumes R, entleert und da die Zahl dieser Entleerungen gezählt wird, so erhält man durch Multiplication des Volumens R mit der Entleerungszahl Z das durch den Apparat in gewisser Zeit gegangene Wasservolum RZ, welches übrigens direct an einem entsprechend eingerichteten Zählwerke, dessen Einheitstheilung empirisch bestimmt wird, abgelesen werden kann.

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Die genaue Functionirung des Apparates verlangt eine exacte Umsteuerung oder richtige Regulirung der Ein- und Ausströmung des Wassers.

Der Umsteuerungsmechanismus besteht aus einer mit der Kautschukplatte b verbundenen Stange C, dem Steuerungshebel D sammt Nebentheilen und der Stange E mit dem Vertheilungsschieber F.

Ist der Raum R durch die Einströmungsöffnung e mit Wasser gefüllt, so hat sich die Kautschukscheibe b an die Schale a' – wie in der Figur ersichtlich ist – gelegt, hierbei ist das Kolbenstängelchen C nach rechts verschoben worden und hat der Mitnehmer m, durch Anstoßen an die Nase G' des Hebels D, denselben derart bewegt, daß der Punkt o unter die Gerade I II III gelangt ist. Nun kann die Spirale s wirken und den Punkt o nach IV drücken. Indem so der untere Schenkel des Hebels D nach rechts schwingt, bewegt sich das obere gabelförmige Ende desselben nach links, verschiebt die Stange E und hierdurch den Schieber F und bewirkt, daß der Canal e mit dem Ausströmungscanal f in Communication tritt; während nun das Wasser durch e' in den Raum hinter der Scheibe b einströmen kann und diese nach links drückt, fließt das Wasser aus dem Raume R durch die Canäle e und f ab. Ist endlich die Scheibe b und die damit verbundene Stange C zur äußersten Lage gegen links gelangt, so hat in an G gedrückt, den Hebel D in entgegengesetzter Weise verstellt und durch Mitwirkung der Spirale s die Umsteuerung derart bewirkt, daß nun das Wasser links von b einströmt und rechts ausströmt.

Die an dem Hebel D angebrachten Nasen oder Angüsse P, P₁, sind bestimmt, bei dem raschen Umsteuern sich an die Feder s anzulehnen und so jeden schädlichen Schlag oder Stoß zu beseitigen. – Der Stift m₁, am Mitnehmer m wirkt bei jeder Umsteuerung auf ein Zählwerk ein, welches die Ablesung der durch den Apparat gegangenen Wassermenge gestattet.

Es bedarf kaum der Erwähnung, daß dieses Instrument, welches nach Henzel's Ausführung bis zu einem Drucke von 10 Atmosphären verwendet werden kann, durch die hierdurch gewährte genaue Bestimmung des Wasserverbrauches bei Dampfkesseln, über den Brennwerth des Heizmateriales, die Güte der Kesselanlage wie die Tüchtigkeit des Heizers die schätzenswerthesten Aufschlüsse liefert. Mit diesem Apparate ist es möglich, den Heizer zu controlliren und auf der allein sicheren Grundlage der verdampften Wassermenge die Prämie für erspartes Brennmaterial zu bestimmen. Prof. Fr. Kick. (Aus den „technischen Blättern des deutschen Ingenieur- und Architektenvereines in Böhmen,“ 1870, erstes und zweites Heft, S. 85.)

Henzel's Wassermesser wird seit 1867 bei Kramer und Klett gebaut und kann durch den Civilingenieur Rast in München bezogen werden. In der unter Henzel's Leitung stehenden Waggon-Fabrik in Bubna bei Prag wurde an einem Piedboeuf-Kessel (mit innerer Heizung und zwei Feuerungen) die verdampfte Menge Wassers mit einem solchen Wassermesser bestimmt und gefunden, daß 1 Pfd. Bustehrader Würfelkohle (vom Kohlenverein) 5,84 Pfund Wasser verdampft.

Zugleich sey hier auf ein neues System von Wassermessern hingewiesen, welches Rosenkranz – auf dem Principe der saugenden Wirkung des unter Druck aus einer Düse kommenden Wassers fußend – construirte (Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1870 S. 181).

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