Titel: Ueber die Zusammensetzung des Kreideschlammes vom Grunde des atlantischen Meeres; von J. Mahony.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 8 (S. 91–92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi01_8

Ueber die Zusammensetzung des Kreideschlammes vom Grunde des atlantischen Meeres; von J. Mahony.

In der Versammlung der Philosophical Society zu Glasgow vom 14. Februar 1870 sprach Mahony von dem allgemeinen Interesse, welches die Beschaffenheit des Meeresbodens im atlantischen Ocean und die obwaltenden Bedingungen des thierischen Lebens in diesen Tiefen erweckt haben, seitdem gelegentlich der transatlantischen Kabelverbindung in dieser Hinsicht die ersten Untersuchungen angestellt wurden. Vor dieser Zeit hatte Professor E. Forbes die Ansicht ausgesprochen, daß in größeren Tiefen als 200 Fathoms (600 Fuß engl.) organisirte Wesen nicht leben können; Dr. Wallich hatte jedoch nachgewiesen, daß selbst in Tiefen von 1260 Fathoms (3780 engl. Fuß) noch thierisches Leben existirt und durch verschiedene Specien von Asteriden (Seesternen) und durch Globigerinae repräsentirt wird, ferner daß das von Irland nach Nordamerika sich erstreckende, verhältnißmäßig ebene Plateau mit einem feinen weißen Schlamme ( „ooze“ benannt) bedeckt ist. Mahony ging dann zu den von dem königl. großbritannischen Kriegsschiffe „Porcupine“ ausgeführten Tiefbaggerungen (mit dem Schleppnetze) über und theilte der Versammlung mit, daß er durch Professor Wyville Thomson eine nach Glasgow gesandte Probe von diesem Meeresschlamme erhalten habe. Derselbe war in 150 Meilen westlicher Entfernung von Quessant in einer Tiefe von 2435 Fathoms (7305 Fuß) gesammelt den, wo die Temperatur des Meeresbodens 36,50 Fahr. (+ 2,3°C.) betrug. Ein Theil dieser Probe war an der Luft getrocknet, und ein anderer, kleinerer Theil derselben in frischem Zustande in Methylalkohol |92| eingesetzt worden. Mahony hat den Schlamm sowohl in chemischer als in zoologischer Hinsicht untersucht. Die Analyse desselben ergab folgende Zusammensetzung:

Kieselsäure 26,60
Eisenoxyd und Phosphate 3,80
Eisenoxydul 0,08
kohlensaurer Kalk 58,80
kohlensaure Magnesia 1,76
schwefelsaurer Kalk Spur
lösliche Salze 4,20
organische Substanz 2,30
Wasser 2,50
––––––
100,04

Unter dem Mikroskope zeigte sich, daß die Kieselsäure zum größten Theil kleine, structurlose Fragmente bildet, von denen einige krystallinisch sind. Auch wurde eine geringe Anzahl von Diatomeen gefunden. Der kohlensaure Kalk bildet größere, den Foraminiferen angehörende Organismen, von denen manche noch Theilchen von der gallertartigen Substanz enthalten, aus denen der Leib dieser niederen Organismen besteht und welche Dujardin sarcode (Protoplasma) benennt. Diese lieferte zweifelsohne die in der Analyse bestimmte organische Substanz. Die löslichen Salze rührten wohl aus dem Seewasser her, von welchem der Schlamm durchtränkt war.

Mahony erörterte dann die Frage: „Wird durch die Gegenwart der gallertartigen Substanz der Foraminiferen bewiesen, daß diese Thiere auf dem Meeresgrunde leben und sterben?“ So weit der Luftgehalt des Wassers bei dieser Frage in's Spiel komme, finde er keine Schwierigkeit, dieselbe zu bejahen, namentlich wenn er die Aufklärungen in Erwägung ziehe, welche aus den neuen Mittheilungen von J. Hunter „über die an Bord des „Porcupine“ ausgeführten Analysen von Seewasser“ (im Journal of the Chemical Society Januar 1870) in diesem Betreff sich ergaben. Er schloß seinen Vortrag mit Darlegung der Ansicht, daß auf dem Grunde des nordatlantischen Oceans die Bildung von Kreide ununterbrochen fortschreite, indem die Identität des Schlammes von diesem Meeresgrunde mit Kreide ganz augenscheinlich ist. Die Kieselsäurekörner finden ihr Seitenstück in den an Kreideklippen wahrzunehmenden Lagen von Feuersteinknollen (deren Bildung nach aller Wahrscheinlichkeit von einer Zusammenhäufung feiner Kieselsäuretheilchen um einen centralen Kern herrühre), während die im Schlamme beobachteten Reste winziger Organismen in vielen Fällen mit denen, welche lange Zeitalter vorher in den Sedimenten eingeschlossen wurden, identisch sind. (Chemical News, vol. XXI p. 91; Februar 1870.)

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