Titel: Ueber einen außerordentlich haltbaren, die mannichfaltigsten Verwendungen zulassenden Kitt; nach C. Rost.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 9 (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi01_9

Ueber einen außerordentlich haltbaren, die mannichfaltigsten Verwendungen zulassenden Kitt; nach C. Rost.

Der Genannte macht Fabrikbesitzer und Chemiker auf einen Kitt aufmerksam, der seiner vorzüglichen Eigenschaften halber die größte Beachtung verdient. Dieser Kitt, nicht nur gegen concentrirte und verdünnte Säuren, sondern auch gegen alkalische Laugen, Aether, Alkohol, Benzol, Schwefelkohlenstoff u. dgl. lösende Körper, äußerst haltbar, besteht einfach aus einer Mischung von gewöhnlichem käuflichen Glycerin und geschlämmter trockener Bleiglätte.20)

Mischt man Glycerin und Bleiglätte, so erhält man, je nachdem man das Verhältniß des Glycerins zur Bleiglätte so regelt, daß man vom steifen Teige zur dünn angeriebenen Breimasse übergeht, einen Kitt, der in der Zeit von 10 bis 30 Minuten zur harten, gleichmäßigen Masse erstarrt.

Die Anwendung ist die mannichfaltigste und kann nicht leicht begrenzt werden, da mit diesem Kitt nicht nur alle Metalle und überhaupt alle festen Körper in der buntesten gegenseitigen Verwechselung verkittet werden können, sondern auch seiner |93| Anwendung unter Wasser und sonstigen Flüssigkeiten kein Hinderniß im Wege steht, indem er dort ebenso schnell und gut erhärtet, als an freier Luft. Außerdem ist er im Stande, eine Temperatur bis zu 220° R. gut zu ertragen, leistet also nach dieser Richtung dasselbe was ein guter Oelkitt, z.B. Leinölfirniß mit Mennige, leistet.

Zu Verdichtungen chemisch-technischer Apparate, bei denen man mit Chlor und Chlorwasserstoff, Schwefeldämpfen und schwefliger Säure, Salpetersäure und ähnlichen heftig wirkenden Körpern zu kämpfen hat, bewährt sich dieser Kitt erfahrungsmäßig ausgezeichnet. Das Gleiche gilt von Alkohol-, Aether-, Schwefelkohlenstoff- und verschiedenen anderen Kohlenwasserstoff-Dämpfen, wie denn auch diese Körper in siedendem Zustande ohne alle Wirkung auf diesen Kitt sind.

Ferner läßt er sich, vermöge seines schnellen Erstarrens und der Fähigkeit, ziemlich hohe Temperaturen auszuhalten, besser als Oelkitt zur Verdichtung bei Dampfmaschinen, Pumpwerken u.s.w. gebrauchen, und entspricht in diesen Fällen, falls richtig angewandt, allen Anforderungen.

Aber nicht nur als Kitt kann diese Masse die verbreitetste Anwendung finden, sondern auch als Ersatzmittel für viele andere, ähnlich benutzte Stoffe, die aber entweder sehr kostspielig sind, oder auch den an sie gestellten Anforderungen nicht völlig entsprechen. So ist diese Masse z.B. nicht genug als Unterguß beim Fundamentiren von Dampf- und anderen Maschinen zu empfehlen, zu welchem Zwecke sie sich um so mehr eignet, als sie bei ihrem Erstarren ihr Volumen um ein Geringes vergrößert. Auch kann die Galvanoplastik von dieser Masse den ausgebreitersten Gebrauch machen, indem sie die zu copirende Oberfläche mit größter Feinheit und Genauigkeit wiedergibt und sehr leicht gut leitend gemacht werden kann.

Schließlich sey noch über die Anwendung dieser Masse als Kitt oder als plastische Masse Einiges gesagt. Die zu benutzende Bleiglätte wird in einer Reibschale nocht einmal gut durchgerieben und alsdann unter beständigem Rühren und Kneten mit einem hölzernen Spatel oder mit der Reibkeule das Glycerin so lange zugesetzt, bis der Kitt die gewünschte Consistenz angenommen hat. Die zu kittenden oder zu dichtenden Flächen sind schon vorher, wie dieß jeder Kitt erfordert, vollständig gereinigt und mit etwas verdünntem Glycerin bestrichen oder eingerieben worden, so daß der Kitt gleich nach seiner Anfertigung ohne Aufenthalt zur Verwendung kommen kann. Dieß geschieht genau wie bei jedem anderen Kitte, nur ist zu bemerken, daß diesem während des Erstarrens Ruhe gegönnt werden muß, wenn dieses nicht bedeutend verzögert werden soll. Wird diese Masse in der Galvanoplastik zum Copiren verwendet, so ist es gut, auf die Oberfläche des zu copirenden Körpers erst eine schwache Schicht dünn angeriebener, dünn aber eine dicke teigartige Masse aufzutragen. (Deutsche illustr. Gewerbezeitung, 1869 S. 411.)

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Dieses Gemisch wurde bereits von Pollack als erprobtes Dicht- und Kittmittel für Eisen und Stein etc. empfohlen; man s. polytechn. Journal Bd. CXCII S. 171.

A. d. Red.

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