Titel: Ueber die Bereitung eines dem chinesischen ähnlichen fetten Goldlackes; von Dr. Ed. Wiederhold.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 10 (S. 173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi02_10

Ueber die Bereitung eines dem chinesischen ähnlichen fetten Goldlackes; von Dr. Ed. Wiederhold.

In dem Museum zu Cassel war der Goldlack an den inneren Wänden eines großen chinesischen Kastens abgesprungen, so daß man einzelne Plättchen davon erhalten und untersuchen konnte. Dieser Umstand gab mir Veranlassung, einen Einblick in die Art zu thun, wie die Chinesen diesen prächtigen fetten Goldlack auf ihren Arbeiten erzeugen. An den abgesprungenen Lacktafeln hafteten an der einen Seite einzelne feine stecknadelkopf- bis linsengroße glänzende Plättchen, welche sich bei näherer Untersuchung als Stanniol erwiesen. Es ist hiernach kein Zweifel, daß die Chinesen den Grund zunächst auf einer Firnißunterlage mit Stanniolplättchen belegen und nachdem solche fest angetrocknet sind, mit einem gelben fetten Lackfirniß überziehen. Dieser Lackfirniß läßt sich natürlich nur durch Synthese nachbilden und empfehle ich folgende Vorschrift:

2 Theile Copal,

1 Theil Schellack

werden zusammengeschmolzen und dem flüssigen Gemisch 2 Theile guten und siedenden Leinölfirnisses beigemischt, hiernach wird das Gefäß vom Feuer genommen und man gießt nach und nach 10 Theile Terpenthinöl zu.

Zum Färben macht man sich einen Ansatz von Gummigutti und Drachenblut in Terpenthinöl, jedes Harz für sich in einem Glase, filtrirt die Lösungen und versetzt den oben beschriebenen Lack je nach der gewünschten Nüance damit, indem man für eine gelbe Nüance mehr Gummigutti, für einen röthlichen Stich eine entsprechende Menge Drachenblut zusetzt. Die übrige Behandlung ist nicht von der aller anderen fetten Lacke verschieden.

Kann man sich ächten Körnerlack verschaffen, so empfiehlt sich folgende Vorschrift:

3 Theile Körnerlack,

1/8 „ Oelfirniß,

10 „ Terpenthinöl.

Bei dieser Vorschrift bedarf es keiner Färbung mit Gummigutti oder Drachenblut. Selbstverständlich hat man alle Vorsichtsmaßregeln zu beobachten, die bei der Fabrication der fetten Lackfirnisse überhaupt das Gelingen verbürgen. (Gewerbeblätter, 1870, Nr. 3.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: