Titel: Fischer's Methode, Stroh zu bleichen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 14 (S. 174–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi02_14

Fischer's Methode, Stroh zu bleichen.

Das Bleichen des Strohes zu Hüten und anderen Luxusartikeln ist nicht allein des schönen Ansehens wegen zu empfehlen, sondern es ist unerläßlich für Stroh welches gefärbt werden soll. Ungebleichtes Stroh wird die brillantesten Farben, namentlich Blau und Grün, stets durch seine natürliche Farbe verändern und verderben. Es ist |175| aber nicht leicht, Stroh vollkommen zu bleichen. Die Bleiche mit schwefliger Säure entfärbt nie ganz vollständig und auch nicht dauerhaft, indem dergleichen Stroh nach und nach zu seiner ursprünglichen Farbe zurückkehrt; auf der Stelle thut es dieß, wenn man es in siedendes Wasser taucht. Die Bleiche an der freien Luft gibt bei Stroh nie ein günstiges Resultat, da theils die große Menge von Farbstoff im Stroh auf diesem Wege kaum zerstört werden kann, theils das Stroh durch den langen Aufenthalt auf der Bleichwiese an Glanz und Dauer verliert. Das Chlor hat sich auch hier als das kräftigste Bleichmittel erwiesen; indeß behandelt Fischer, von dem das gleich zu beschreibende Verfahren herrührt, das Stroh nicht unmittelbar mit der bleichenden Chlorverbindung, sondern vorher mehrmals mit Sodalauge. Das nach dieser Methode gebleichte Stroh soll dadurch an Glanz nicht verlieren, sondern sogar gewinnen; die Festigkeit des Strohes soll dadurch nicht im geringsten vermindert werden und die Bleiche vollkommen haltbar seyn, so daß an der Luft und im Sonnenlichte die natürliche Farbe des Strohes nicht wieder erscheint.

Das Verfahren ist folgendem: Man bringe das zu bleichende Stroh in Bottiche von weißem Holz, gieße heißes Wasser darauf, lasse es 24 Stunden stehen, ziehe das Wasser ab, bringe dann das Stroh in eine Lauge von 1 Pfund Soda auf 1 Quart Wasser, koche es damit drei Stunden lang in einem kupfernen Kessel, indem man das während des Kochens durch Verdampfung verloren gehende Wasser immer wieder ersetzt, ohne das Sieden zu unterbrechen; lasse es dann erkalten, bringe das Stroh wieder in Bottiche, in denen man es mit kaltem Wasser übergießt, lasse dieses Wasser, wenn es sich gelb gefärbt hat, ab, gieße neues darauf und so 8 bis 10 Mal, bis das Wasser überhaupt völlig ungefärbt bleibt. Nun koche man das Stroh abermals eine Stunde lang in einer halb so starken Sodalösung, als die erste war, nehme es heraus, übergieße es in Bottichen mit siedendem Wasser, lasse dieses erkalten, gieße kaltes Wasser darauf und erneuere dieß drei Tage. Hierauf übergieße man das Stroh mit einer Lösung von Chlorkalk oder Chlornatron (sogenannte Javellische Lauge), bedecke das Gefäß und lasse es 24 bis 36 Stunden oder noch länger stehen, bis das Stroy überhaupt völlig gebleicht erscheint. Sollte sich die Bleichflüssigkeit während der Zeit etwas geschwächt haben, so ziehe man etwas ab, und gieße frische zu. Die gebrauchte Bleichflüssigkeit braucht man nicht wegzugießen, sondern kann sie zur Vorbereitung des später zu bleichenden Strohes benutzen.

Das so gebleichte Stroh erhält zwar einen eigenthümlichen, sehr fest anhängenden Geruch, welcher jedoch durch Einlegen in Wasser, in welchem man etwas schwefligsaures Natron (sogenanntes Antichlor) aufgelöst hat, und darauf erfolgendes Abspülen mit gewöhnlichem Wasser vollständig zerstört wird. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1870, Nr. 7.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: