Titel: Das Wasserglas als Binde- und Lösungsmittel für Corallin; von C. Puscher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 16 (S. 175–176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi02_16

Das Wasserglas als Binde- und Lösungsmittel für Corallin; von C. Puscher.

Die Eigenschaft des sonst in Wasser schwerlöslichen Corallins, in einer wässerigen alkalischen Lösung mit prachtvoll rother Farbe löslich zu seyn, veranlaßte mich, das |176| immer alkalische Wasserglas dazu zu verwenden, womit zugleich eine gegen Wasser unempfindliche Bindung der Farbe nach einiger Zeit eintreten mußte. Der Versuch entsprach den Erwartungen.

Je nachdem man weniger oder mehr Corallin in einer siedend heißen Lösung von 1 Theil syrupdickem Wasserglas mit 4 Theilen Wasser verdünnt, auflöst, erhält man Lösungen, welche Anstriche vom schönsten Rosa bis zum herrlichsten Carminroth geben. Besonders zu empfehlen sind dieselben für helle, wenig Gerbsäure haltende Hölzer, wie Föhren, Tannen, Erlen, Linden, Weiden, die nachher ohne Einbuße der Farbe lackirt und polirt werden können; ferner für Tapeten, Papier und andere Stoffe, zum Illuminiren von Bildern u.s.w. Sie sind daher von Interesse für Schreiner, Spielwaaren- und Korbmacher, für Papier- und Tapetenfabrikanten, Bleistift- und Blumenfabrikanten etc. Berücksichtigt muß jedoch werden, daß diese Lösungen sich nur für 1 bis 2 Tage brauchbar erhalten, da nämlich nach dieser Zeit eine Ausscheidung der Kieselsäure aus dem Wasserglase stattfindet, die Lösung gelatinirt und die Farbe dadurch ihr Feuer und Bindemittel verliert.

Auch mit der in kaltem Wasser schon leichtlöslichen, im Handel unter dem Namen Ponceau vorkommenden Theerfarbe lassen sich mit verdünnter Wasserglaslösung ebenso schöne und viel concentrirtere prachtvoll rothe Lösungen, als wie mit Corallin, darstellen, die nach längerem Stehen in verschlossenen Gefäßen keine Kieselerde abscheiden und daher auch als rothe Tinte verwendet werden können. Anilingelb und Besuvin sind in Wasser löslicher als in verdünnter Wasserglaslösung, und geben daher keine empfehlenswerthen Anstriche. (Bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1870 S. 98.)

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