Titel: Verfahren, ungesundes Flußwasser trinkbar zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 4 (S. 170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi02_4

Verfahren, ungesundes Flußwasser trinkbar zu machen.

Die an der Maas am unteren Theile ihres Laufes gelegenen Orte sind für ihr Trinkwasser auf das Wasser des Flusses angewiesen. Von diesem ist seit unvordenklichen Zeiten bekannt, daß es bei Allen, welche an seinen Gebrauch nicht gewöhnt sind, Durchfall mit mehr oder weniger bedenklichen Symptomen erzeugt. Trotz aller mikroskopischer und analytischer Untersuchungen ist jedoch die eigentliche Ursache dieser Wirkung noch nicht aufgefunden. Von dem Gedanken ausgehend, daß sie ihren Sitz in den festen Theilen habe, welche seine selbst bei längerem Stehen nicht verschwindende Trübung bedingen, und welche, wie in vielen anderen Fällen, aus organischen Stoffen bestehen, hat Dr. Gunning im Eisenchlorid ein Mittel gefunden, um das Wasser völlig unschädlich zu machen. Auf jeden Liter Wasser werden 0,032 Grm. trockenes Eisenchlorid, in der nöthigen Menge destillirten Wassers gelöst, zugesetzt, gut umgerührt und 36 Stunden stehen gelassen, wobei sich ein flockiger Niederschlag absetzt. Obgleich sich bei sorgfältiger Prüfung nachher keine freie Salzsäule auffinden ließ, so kann man der vollkommenen Sicherheit wegen dem gereinigten Wasser einige Stunden vor dem Gebrauche noch eine dem angewendeten Eisensalze äquivalente Menge krystallisirte Soda (0,085 Grm. dem Liter) zusetzen.

Dieses Verfahren hat sich vollkommen bewährt. Es hat sich Gelegenheit geboten zu constatiren, daß über 240,000 Liter Maaswasser zu den verschiedenen Jahreszeiten, nach Gunning's Methode behandelt, sich als vollkommen gesund erwiesen haben. Der Capitän der englischen Corvette „Lynx“ hat sogar beobachtet, daß diejenigen Leute seiner Mannschaft, welche sich durch unvorsichtiges Trinken von nicht gereinigtem Maaswasser Durchfall zugezogen hatten, durch den Gebrauch des gereinigten Wassers schnell wieder curirt wurden.

Das Eisenchlorid wird hiernach für alle ähnlichen Fälle ebenso anwendbar seyn. Bei Brunnenwasser, welches reich an Kohlensäure ist, ist seine Wirkung nach Gunning's Beobachtung weniger sicher. (Chemical News vom 14. Mai 1869; Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, Bd. XIV S. 134.)

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