Titel: Ueber doppelt-kohlensaures Ammoniak aus dem Leuchtgas; von Dr. Rüdorff in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 9 (S. 172–173)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi02_9

Ueber doppelt-kohlensaures Ammoniak aus dem Leuchtgas; von Dr. Rüdorff in Berlin.

Bei der im Februar d. J. herrschenden niedrigen Temperatur hatten sich auf der Reinigungsmasse (Raseneisenstein mit Sägespänen) in einem Nachreiniger auf der am Stralauer Platz gelegenen städtischen Gasanstalt glänzende Krystalle abgesetzt. Durch den Director der Anstalt, Hrn. Paulus, bin ich in Besitz einer Partie dieser Krystalle gelangt. Dieselben haben etwa 4–6 Millim. Durchmesser, sind überaus glänzend und vollständig durchsichtig. Beim Liegen an der Luft verwittern sie und werden matt und |173| undurchsichtig. An den meisten läßt sich die Krystallform deutlich erkennen: kurze rhombische Prismen mit Längs- und Querprisma und Längsfläche. Die chemische Analyse ergab Ammoniak, Kohlensäure und Wasser. Zur Ermittelung der quantitativen Zusammensetzung wurde eine abgewogene Menge der Krystalle in titrirter (Normal-) Schwefelsäure gelöst, die Kohlensäure durch Kochen entfernt und der Ueberschuß der Schwefelsäure durch Normalnatronlösung zurückgemessen. In drei Versuchen erhielt ich 21,35, 21,58 und 21,50 Proc. Ammoniak. Die Krystalle sind also doppelt-kohlensaures Ammoniak H⁴NO, CO² + HO, CO² welche Formel 21,52 Proc. Ammoniak erfordert.

Diese Krystalle sind deßhalb von Interesse, weil es bis jetzt nicht gelungen ist, dieselben künstlich darzustellen. Es ist übrigens die Bildung derselben in einem Gasleitungsrohr schon von Schrötter in Wien (Berichte der Wiener Akademie, 1862, Bd. XCIV S. 13) beschrieben und stimmen die hier beobachteten mit jenen durchaus überein. Vielleicht wird diese Notiz dazu beitragen, die Aufmerksamkeit der Gasfachmänner auf diese Krystalle zu lenken; es ist wohl wahrscheinlich, daß sich dieselben häufiger bilden. (Journal für Gasbeleuchtung, März 1870, S. 159.)

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