Titel: Anwendung der schwefligen Säure in der Bierbrauerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 8 (S. 268)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi03_8

Anwendung der schwefligen Säure in der Bierbrauerei.

Schon seit einiger Zeit wendet man in der ungarischen Maisbrennerei mit Vortheil eine verdünnte Lösung von schwefliger Säure beim Einmaischen an, in der Absicht, hierdurch eine höhere Alkoholausbeute zu erzielen.57)

Neuerdings hat der Engländer E. Beanes die schweflige Säure auch in die Bierbrauerei eingeführt, indem er sich die Anwendung derselben patentiren ließ, sey es in Gasform oder in wässeriger Lösung, oder in Form von neutralen und sauren schwefligsauren Salzen von Natron, Kali, Kalk, Magnesia, Ammoniak und Thonerde. Diese Substanzen werden dem Rohmaterial, dem Malz oder Zucker, entweder direct zugesetzt oder in wässeriger Lösung, welche man vor dem Eintritt desselben in den Maischbottich oder während des Einmaischens zugibt; vorzuziehen ist es, die wässerige Lösung von schwefliger Säure oder die schwefligsauren Salze während des Einmaischens zuzusetzen.

Die Versuche welche früher bei Zusatz von schwefliger Säure nach der Gährung gemacht wurden, hatten nur den Zweck das Sauerwerden zu verhindern, und die Erfahrung hätte vor der Erfindung von Beanes eher zu der Voraussetzung verleiten können, daß die schweflige Säure in der Phase, welche Beanes vorschlägt, angewendet, einen störenden Einfluß auf die Gährung haben und das Bier verderben müßte. Nichtsdestoweniger glaubt er gefunden zu haben, daß durch sein Verfahren die Qualität des Bieres im Gegentheil verbessert und es bedeutend haltbarer gemacht werde, als das auf gewöhnliche Weise gebraute Getränk.

Beanes empfiehlt vorzugsweise die Anwendung des sauren schwefligsauren Natrons, dessen wässerige Lösung das blaue Lackmuspapier schwach röchet und dem rothen Lackmuspapier einen Stich in's Bleigraue ertheilt. Er nimmt ungefähr 450–560 Grm. dieses Salzes auf 290 Liter Malz, oder wenn man Zucker anwendet, 450–560 Grm. Salz auf 100 Kil. Zucker.

Wenn er gasförmige schweflige Säure anwendet, so läßt er das geschrotete Malz auf seinem Wege zum Maischbottich durch eine Atmosphäre von schwefliger Säure fallen.

Das Brauverfahren ist ganz das gewöhnliche. Sobald das Wasser im Maischbottich zur Aufnahme des Malzes bereit ist, und während des Einschüttens des letzteren, fügt man die oben angegebene Menge von saurem schwefligsaurem Natron zu.

Im Falle man, wie es zuweilen üblich, das Malz mit dem Wasser oder einem Theil desselben vor dem Eintritt in den Maischbottich mischt, ist es vorzuziehen, das schwefligsaure Salz mit dem trockenen Malz zu mischen.

Auch kann man das Salz dem Wasser vor dem Einmaischen zusetzen, oder zum Theil diesem und zum Theil dem Malze.

Im Uebrigen wird am gewöhnlichen Brauverfahren nichts geändert.

Angeblich erhält man nach dieser Vorschrift ein vorzügliches Bier von lichter Farbe, welches sich rasch klärt und gut erhält. (Armengaud's Génie industrie, November 1869; bayerisches Industrie- und Gewerbeblatt, 1870 S. 27.)

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Man s. darüber polytechn. Journal Bd. CLXXXVIII S. 246 und Bd. CXCIII S. 83.

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