Titel: Cylinder für hydraulische Pressen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 2 (S. 368)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi04_2

Cylinder für hydraulische Pressen.

Bei den gewöhnlichen gußeisernen Cylindern für hydraulische Pressen ist die gebräuchliche Metallstärke natürlich sehr bedeutend im Verhältniß zum Durchmesser, in Anbetracht der geringen Zugfestigkeit des Materiales; diese große Starke bewirkt eine sehr ungleichmäßige Vertheilung der Spannung im Inneren des Materiales, sobald die Presse benutzt wird. Da diese Uebelstände mit der Spannung wachsen und leicht die Veranlassung zu Brüchen werden können, so ist es in der That wünschenswerth, statt Gußeisen ein Material von größerer Zugfestigkeit zu verwenden, und Vickers, Söhne und Comp. zu Sheffield haben in der That auch in den letzten Jahren eine Anzahl von Gußstahlcylindern hergestellt, welche ausgezeichnete Resultate ergaben; in einigen Fällen sind auch schmiedeeiserne Cylinder zur Verwendung gelangt.

Neben Gußstahl und Schmiedeeisen aber gibt es noch ein anderes, weniger allgemein bekanntes Material, welches bereits vielfach in Verwendung ist und verspricht, in Zukunft noch in ausgedehnterer Weise beim Bau hydraulischer Pressen benutzt zu werden, und dieses ist das specielle cast malleable iron, welches von Haffie, Forsyth und Miller in Glasgow hergestellt wird. Die Herstellungsweise dieses Metalles, welches, beiläufig gesagt, nicht mit dem gewöhnlichen hämmerbaren Gußeisen verwechselt werden darf, wird von den Fabrikanten geheim gehalten; nur so viel ist bekannt, daß in dem Kupolofen nebst dem Metalle noch eine gewisse Mischung in verschlossenen gußeisernen Töpfen aufgegeben wird, und daß die Güsse nach ihrer Vollendung einem langsamen Adoucirungsprocesse unterworfen werden. Wie es aber auch hergestellt seyn mag, so viel ist sicher, daß das Metall selbst sich als sehr geeignet für die Construction von hydraulischen Pressen erwiesen hat. Die genannte Firma hat bereits eine Anzahl Cylinder in verschiedenen Größen bis zu 13 Fuß Länge aufwärts, und von bedeutendem Durchmesser ausgeführt. Sie hat eben einen Cylinder von 2 Fuß 5 Zoll Durchmesser in Arbeit, welcher für eine große Panzerplatten-Biegmaschine zu Chatham-Dockyard bestimmt ist. Dieser Cylinder hat 5 1/4 Zoll Wandstärke und soll unter einem Drucke von 4 Tonnen per Quadratzoll arbeiten. Doch ist diese Firma eingerichtet Cylinder zu verfertigen, welche einen Druck von 6 Tonnen per Quadratzoll aushalten und bis zu 12 Tonnen Gewicht haben.

Die gewöhnlichen Dimensionen der hydraulischen Preßcylinder von Haffie sind derart bemessen, daß die Spannung, falls sie sich gleichmäßig auf den ganzen Querschnitt vertheilt, 8 bis 10 Tonnen per Quadratzoll betrüge; doch gewähren diese Dimensionen noch einen hohen Grad von Sicherheit, so daß in Fällen wo es auf möglichste Leichtigkeit ankommt, die Metallstärke noch erheblich reducirt werden kann, ohne daß die Gefahr des Zerspringens eintritt. Natürlich ist bei solchen Abmessungen die Metallstärke beträchtlich geringer als bei einem gußeisernen Cylinder von gleichem inneren Durchmesser, der für gleichen Druck bestimmt ist; hieraus folgt, daß nicht nur ein gewisses Gewicht von Metall erspart wird, sondern auch, daß die ganze Metallstärke weit besser ausgenutzt, und die übermäßige Spannung, welcher die inneren Schichten eines gewöhnlichen gußeisernen Cylinders unterliegen, vermieden wird. (Engineering, März 1870, S. 162; polytechnisches Centralblatt, 1870 S. 582.)

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