Titel: Mittel zur Beseitigung von Silberflecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 5 (S. 370)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi04_5

Mittel zur Beseitigung von Silberflecken.

Flecke, welche von salpetersaurem Silberoxyd (Höllenstein) herrühren, sind heut zu Tage, wo dieses Salz in der Technik so große Anwendung findet, nichts Seltenes. Allen gewöhnlichen Mitteln widersteht das auf der Faser reducirte Silber, und es kann nur durch einen chemischen Proceß aufgelöst werden, der aus dem Silber eine lösliche Verbindung dieses Metalles darzustellen im Stande ist.

Im Folgenden sollen einige der Mittel aufgezählt werden, welche zur Entfernung von Silberflecken dienen können.

Wenn man Jodkalium in Wasser auflöst und dieser Auflösung so viel Jod zusetzt, als dieselbe aufzunehmen im Stande ist, so kann man durch Verdünnen der Lösung und Ueberstreichen der Silberflecke mit derselben, das Silber in Jodsilber umwandeln, welches von dem Jodkalium aufgelöst wird. Bringt man dann das Gewebe in reines Wasser, so waschen sich die Silberflecke mit der Jodkalium-Lösung vollkommen aus.

Ein anderes Mittel, welches aber nicht empfehlenswerth ist, weil eine Substanz dazu gebraucht wird, die man zu den gefährlichsten Giften rechnet, ist die Behandlung der Silberflecke mit einer Auflösung von Cyankalium. Es genügt in der Thal, mit Silberflecken behafteten Zeug in eine Lösung von Cyankalium einzutauchen, um die Silberflecke zu entfernen. Die Cyankalium-Lösung ist indessen eines der energischsten Gifte, und wenige Tropfen reichen zur Tödtung eines Menschen hin, besonders wenn sie durch eine wunde Stelle der Haut mit dem Blute selbst in Berührung kommen. Es kann deßhalb die Anwendung desselben, obgleich sie ganz bequem ist, nicht angerathen werden.

Ein drittes Mittel, welches aber ein wenig umständlich ist, besteht darin, daß man die Flecke mit einer Auflösung von Kupferchlorid bestreicht. Diese Auflösung kann man sich selbst sehr leicht darstellen, indem man ein wenig Kupfer in Königswasser auflöst und die Lösung an einem warmen Ort so lange stehen läßt, bis die Flüssigkeit vollkommen verdampft ist. Die zurückbleibende grüne Masse wird sodann in Wasser aufgelöst und direct benutzt. Wenn man Silberflecke mit Kupferchlorid bestreicht, so wird das Silber in Chlorsilber verwandelt, und dieses ist in verschiedenen Salzen löslich. Die Flecke verschwinden schon bei der Behandlung mit Kupferchlorid, aber dieses Verschwinden ist ein nur scheinbares, da das schwarze Silber in weißes Chlorsilber übergegangen ist. Bei weißen Stoffen sieht man also die Flecke nicht mehr; man hüte sich aber wohl, die Sache damit zu beendigen, weil das weiße Chlorsilber nach kurzer Zeit dunkel wird und die Flecke nun noch mehr hervortreten; das gebildete Chlorsilber muß vielmehr entfernt werden. Hierzu kann man sich einer concentrirten Kochsalz-Lösung bedienen; besser indessen ist es, die Flecke in eine Auflösung von unterschwefligsaurem Natron (Antichlor) einzulegen. Die Flecke verschwinden vollständig.

Eine vierte Methode, welche vielleicht als die praktischste angesehen werden kann, besteht darin, daß man die Flecke mit einer Auflösung von Zinkvitriol oder Chlorzink wäscht, welche so concentrirt als möglich seyn muß. Ueber die schwärzesten Stellen fährt man mit einem Stückchen Zink hin und her. Dasselbe Mittel kann auch zur Entfernung von Tintenflecken benutzt werden. Wenn die Farbe vollständig verschwunden ist, so wäscht man zuerst mit gewöhnlichem, hierauf mit Seifen-Wasser. Die Flecke sind dann so vollkommen verschwunden, daß man keine Spur mehr von ihnen sieht. (Mit Benutzung des Moniteur scientifique in der Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 8.)

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