Titel: Ueber die Fabrication des schwefelsauren Kalis in Scheibenform; von J. Mahony.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 6 (S. 370–371)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi04_6
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Ueber die Fabrication des schwefelsauren Kalis in Scheibenform; von J. Mahony.

Dieses Salz wird bei der Verarbeitung des Kelps gewonnen, entweder durch directes Auskrystallisirenlassen aus den Laugen, oder durch Lösen und Umkrystallisiren des in einer gewissen Periode des Verdampfens aus jenen Laugen in krystallinischkörnigen Massen sich ausscheidenden Schwefelsäuresalzes (granulate sulphate). Nachdem die Lösung eine Concentration von etwa 42 bis 44° Twaddle (27° Baumé) zeigt, wird sie in Kühlgefäße abgelassen und nach Verlauf von einem bis zwei Tagen ist die Krystallbildung vor sich gegangen. Hierauf wird die Mutterlauge wieder mit Sulfat (soft sulphate) gesättigt, so daß sich auf der ersten Krystallschicht eine zweite bildet; und so fort, bis ein Kuchen von genügender Dicke entstanden ist. Dieses Salz (das sogen. plate sulphate of potash) ist eigentlich ein Doppelsulfat von Kali und Natron, worauf zuerst Dr. Penny aufmerksam machte; Mahony fand aber, daß dasselbe in der Praxis nur 73 bis 75 Proc. an schwefelsaurem Kali enthält, anstatt 78,56 Proc., wie es der Fall seyn müßte, wenn in dem Salze 3 Aequiv. schwefelsaures Kali mit 1 Aequiv. schwefelsaurem Natron verbunden wären. Die Kuchen oder Scheiben (plates) schließen während ihrer Bildung geringe Mengen von Mutterlauge ein, welche später krystallisiren; dadurch wird der Gehalt der Kuchen an Chloriden und anderen fremdartigen Salzen erklärlich, durch welche der Kaligehalt herabgedrückt wird. Die auf der Oberfläche der Scheiben aufgewachsenen, gut ausgebildeten Krystalle sind fast rein. Ein solcher, welchen Mahony der Analyse unterwarf, gab 77,60 Procent schwefelsaures Kali. Man sollte glauben, daß man durch Lösen und Umkrystallisiren dieser Verbindung, da dieselbe offenbar ein Doppelsalz bildet, nur ein reineres Doppelsulfat erhalten würde; dieß ist jedoch nicht der Fall, denn hierbei trennen sich die beiden Salze der Doppelverbindung von einander und zwar in einer ihren verschiedenen Löslichkeitsverhältnissen entsprechenden Reihenfolge. Mahony wies dieß nach, indem er fünf Pfund (engl.) von gewöhnlichem Scheibensalz (schwefelsaurem Kali in Scheibenform) gröblich zerpochte und in einer hinlänglichen Menge von siedendem Wasser löste. Er ließ den ungelöst gebliebenen Rückstand sich absetzen und filtrirte durch ein Filter von Baumwollzeug. Die ganze Lösung, welche ein specifisches Gewicht von 25° Twaddle (17° Baumé) zeigte, wurde auf 38° Tw. (24° B.) eingedampft, bei welcher Concentration sich auf der Oberfläche der Flüssigkeit ein Krystallhäutchen zeigte. Bei der Analyse gaben die zuerst ausgeschiedenen Krystalle:

schwefelsaures Kali 86,23
„ Natron. 13,83
–––––
100,06

Von Chlor war keine Spur aufzufinden. Das am Boden des Abdampfgefäßes ausgeschiedene Salz gab:

schwefelsaures Kali 84,26
„ Natron. 15,66
–––––
99,96

Das die Oberfläche der eingedampften Lösung überziehende Krystallhäutchen gab 81,16 Procent schwefelsaures Kali. Nach der Entfernung des ersten Krystallanschusses wurde die Mutterlauge wieder bis auf 38° Tw. eingedampft; der zweite, dem ersten im äußeren Ansehen ganz gleiche Salzanschuß gab:

Krystalle 82,09 schwefelsaures Kali,
Bodensatz 77,65 „ „

Das Eindampfen und Umkrystallisiren wurde sechsmal wiederholt. Bei dem fünften Salzanschusse fand Mahony eine Schicht von schwefelsaurem Kali mit darauf sitzenden großen wohlausgebildeten Krystallen von schwefelsaurem Natron; der sechste Anschuß bestand im Wesentlichen aus schwefelsaurem Natron. Die Gesammtmenge des auf diese Weise gewonnenen Salzes betrug 4 Pfund 13 Unzen, mit einem Gehalte von 3 Pfund 10,36 Unzen an reinem schwefelsaurem Kali; die Menge der ungelöst gebliebenen Substanz und des Verlustes belief sich auf 3 Unzen. Zuletzt blieb schwefelsaures Natron, als das leichter lösliche der beiden Salze, in der Mutterlauge zurück. Hiernach kann das „Scheibensulfat“ nicht zu den gewöhnlichen Doppelsalzen gerechnet werden, welche auch nach dem Umkrystallisiren eine und dieselbe Zusammensetzung zeigen. (Chemical News, vol. XXI p. 151; April 1870).

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