Titel: Ueber Wasserglas-Farben; von C. Puscher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 9 (S. 373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi04_9

Ueber Wasserglas-Farben; von C. Puscher.

In der Versammlung des Nürnberger Gewerbevereines vom 22. Februar d. J. bemerkte Hr. Puscher über die Wasserglasfarben aus der Fabrik von Baerle und Comp. in Worms, daß dieselben auf rohen, jedoch trockenen Kalkputz, reines Holz, d.h. auf solches welches vorher nicht mit Oel oder Leimfarben angestrichen war, auf reines rostfreies Eisen mittelst Schwamm oder Pinsel aufgetragen werden können, gut decken und den Oelfarben gegenüber wegen ihrer Geruchlosigkeit und ihres schnellen Trocknens manche Vortheile bieten. Außerdem sind diese neuen Anstrichfarben ihrer Billigkeit wegen (das Pfund kostet nur 8 Kreuzer) zu Anstrichen für Häuser, ordinäre Möbel, Fußböden, Lamperien, Treppenhäuser, Korbwaaren, Papiere und Tapeten, Theaterdecorationen u.s.w. zu empfehlen, und zwar um so mehr, als die damit bestrichenen Gegenstände dadurch das Vermögen verlieren, mit Flammen zu verbrennen, weßhalb das Wasserglas schon lange als Schutzmittel gegen Feuersgefahr empfohlen wird. Verwendung können neben dem Wasserglas natürlich nur solche Mineralfarben finden, welche sich damit nicht zersetzen, wie: Ultramarin, ächt Chromgrün, Nürnbergergrün, gelbe und rothe Erde, Ocker, grüne Erde, braunrothe Eisenoxyde, Terra di Siena etc. etc Hr. Puscher erwähnte weiter, daß der Farbe beim Bestreichen von Papier, wenn dieselbe beim Trocknen nicht brüchig werden soll, etwas Glycerin zugesetzt werden müsse.

Auch einige Theerfarben, z.B. Corallin, Ponceau und Vesuvin, hat Hr. Puscher mit Erfolg zum Färben des Wasserglases benutzt. Wenn man einen Theil einer syrupdicken Wasserglaslösung mit drei Theilen Wasser vermischt, und das Gemisch bis zum Kochen erhitzt, so löst dasselbe sehr leicht das in geringer Menge zugefügte Corallin102) mit carminrother Farbe auf. Solche Lösungen eignen sich nicht nur zum Färben der künstlichen Blumen, zu Papier- und Tapetenanstrichen, sondern geben auch, auf hellfarbige, wenig Gerbsäure haltende Hölzer, wie Föhren, Fichten, Linden, Erlen etc. aufgetragen, brillante billige rothe Farben, welche den Spielwaaren- und Bleistiftfabrikanten, Korbmachern u.s.w. empfohlen werden können. (Gewerbezeitung, 1870, Nr. 9.)

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Man s. Puscher's bezügliche Mittheilungen in diesem Bande des polytechn. Journals S. 175 (zweites Aprilheft 1870).

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