Titel: Verbesserter Dampfhammer von Jeremiah Head.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 1 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi05_1

Verbesserter Dampfhammer von Jeremiah Head.

Dieser Dampfhammer, welcher auf den Werken von Fox, Head und Comp. zu Middlesbrough in Betrieb ist, zeichnet sich durch eine bis jetzt noch nie angewendete Einrichtung aus, nämlich durch Anbringung von Federn zwischen dem Cylinder und den Ständern. Die allgemeine Anordnung gleicht der Morrison'schen (das Morrison'sche Patent ist nun erloschen). Morrison hat zuerst Hämmer construirt, bei welchen Kolben und Kolbenstange aus einem Stück geschmiedet, den Haupttheil des Hammergewichtes bilden. Indem er die Kolbenstange durch den Deckel des Cylinders verlängerte, erhielt er hinreichende Führung in der Stopfbüchse, um eine weitere Leitung durch Geleise etc. entbehren zu können. Morrison's Hämmer genießen zwar in Folge ihrer leichten und schnellen Wirksamkeit einen guten Ruf, sind aber stets sehr zu Brüchen geneigt gewesen. Liegt nämlich die Luppe zufällig an der Seite des Ambosses, so wirkt der excentrische Schlag mittelst der Hebelkraft der langen Kolbenstange, für welche die untere Stopfbüchse den Drehpunkt vorstellt, in hohem Grade zerstörend auf den ganzen Bau. Ständer und Cylinder zerbrachen, wie stark man sie auch machen mochte, und die Reparaturkosten und Betriebsstörungen waren von der ernstlichsten Art. Manche solcher Hämmer waren von oben bis unten geflickt. Endlich sah man ein, daß, wenn man die Kraft der Schläge durch Federn absorbiren könnte, die Brüche aufhören würden, und es war nur abzuwarten, ob die Wirksamkeit des Hammers bei etwas nachgiebiger Aufstellung nicht beeinträchtigt würde. Es wurden nun Federn, aus mehreren Lagen von Schmiedeeisenplatten bestehend, zwischen die Ständer und den Cylinder eingeführt, welche den besten Erfolg hatten. Die Brüche hörten mit einem Male auf, und die Wirksamkeit des Hammers wurde nicht im Mindesten beeinträchtigt. Während des Zängens einer Luppe sieht man den Cylinder 3/8 bis 1/2 Zoll auf und nieder tanzen, und bei seitlichen Schlägen noch weit mehr. |479| Zwei derartige Hämmer sind seit 12 Monaten im Betrieb, ohne daß daran irgend eine Beschädigung vorgekommen wäre. Einzig und allein die Kolbenstange wird hiervon nicht berührt, da dieselbe ja direct den Schlag ausübt. Da die Gewalt des Schlages nur durch die Kolbenstange auf die Federn übertragen werden kann, so ist es klar, daß dieselbe in Folge des Widerstandes ihrer trägen Masse immer Beschädigungen durch wiederholte Seitenschläge ausgesetzt seyn wird. Man findet deßhalb, daß die Kolbenstangen, wenn sie aus Eisen bestehen, immer nach einiger Zeit brechen, und zwar stets unmittelbar über dem Hammerkopfe, oder in der Krümmung des Winkelhebels welcher durch die Kolbenstange und den Angriffspunkt eines seitlichen Schlages gebildet wurde. An einem der Hämmer von Fox, Head und Comp. wurde eine Kolbenstange aus Bessemerstahl eingesetzt, welche bis jetzt 12 Monate in Thätigkeit ist, ohne daß irgend ein Anzeichen eingetreten ist, welches auf baldigen Bruch schließen ließe. Man hofft deßhalb, daß der Wechsel im Material dem Uebelstande abgeholfen habe. Der Hammer ist mit der patentirten Steuerung von Gebrüder Davy zu Sheffield versehen, welche so angeordnet ist, daß vor dem Einlassen von Dampf auf irgend einer Cylinderseite der Raum zuerst mit Abdampf von der anderen Cylinderseite gefüllt wird. Man glaubt hierdurch Ersparnisse zu machen; doch sind weitere Versuche hierüber nothwendig. (Engineer, 1870 S. 110; polytechnisches Centralblatt, 1870 S. 601)

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