Titel: Fabrication lackirter Korbwaaren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 17 (S. 486–487)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi05_17

Fabrication lackirter Korbwaaren.

Die lackirten Korbwaaren sind seit einiger Zeit sehr beliebt und zeichnen sich sowohl durch die Nettigkeit und den Geschmack ihrer Formen, als durch Dauer und Solidität der Arbeit und der farbigen Lackirung aus. Von dieser Waare sind nach dem Auslande schon höchst bedeutende Quantitäten ausgeführt worden, und werden fortwährend noch nach verschiedenen Ländern gesendet. In Berlin existiren mehrere Fabriken, welche sich hauptsächlich mit der Anfertigung dieses Artikels beschäftigen und deren Product vorzugsweise gesucht ist. Die Färbung und Lackirung der Körbe, deren Material die feinsten Weidenruthen sind, kann auf zweierlei Weise bewerkstelligt werden; man beizt entweder das Holz und setzt einen farbigen Lack darüber, welches die solidere Art ist, oder man beizt, gummirt und lackirt zuletzt, auf welche Weise man freilich am billigsten fortkommt. Die Farben, welche man der Waare gibt, sind sehr verschieden, da die Façonirung derselben solches zulässig macht, indessen sind es gemeiniglich die Bronzefarben oder vielmehr bronzeähnliche Farben, die man dem Geflecht gibt. Es ist nicht immer nöthig, vorher zu beizen, da es oft dem Geschmack mehr zusagt, den natürlichen Farbenton des Holzes durchscheinen zu lassen.

Zu den Beizen wählt man klare wässerige Auflösungen, meistens Abkochungen von Hölzern, z.B. Blauholz, Rothholz, Gelbholz und Sandelholz. Die Auflösung von Catechu gibt ein schönes Braun, welches mit Gummigutt in's Gelbliche, und durch Fernambuk-Abkochung in's Röthliche nüancirt werden kann. Auch die persischen Beeren, der Safran und die Cochenille dienen zur Färbung der Lacke. Hat das Flechtwerk die Beize erhalten und ist getrocknet, so wird es mit einer warmen Lösung von Pergamentleim überzogen, welcher die Poren des Holzes schließen soll, damit der Lack nicht aufgesaugt werde. Die Anwendung von Pergamentleim ist der der Gummiarten bei weitem vorzuziehen, da er stets elastisch bleibt; hierauf lackirt man nun mittelst eines stumpfen Fischpinsels. Der Lack wird bereitet, indem man stärkstem Spiritus bis zur Sättigung gepulvertes Sandarachharz zusetzt und darin unter fleißigem Umschütteln in der Kälte auflöst. Wenn der Spiritus nichts mehr aufnimmt, läßt man die klare Flüssigkeit vom Bodensatz sich abklären, trennt sie davon und setzt ihr den zehnten Theil Spiritus vom zuerst angewendeten Quantum noch zu; hierauf macht man eine Beimischung von 1 Loth Lavendelöl auf das Pfund Lack und vereinigt solches durch Umschütteln. Um den Lack vollkommen klar und rein zu haben, muß derselbe durch Fließpapier |487| filtrirt werden; man bedient sich hierzu eines Glas- oder Porzellantrichters und verdeckt die aufgefüllte Flüssigkeit. Soll der Lack gefärbt erscheinen, so extrahirt man mit dem dazu bestimmten Spiritus die beliebigen Farben-Species. Man wendet den Lack auch ohne vorherige Beize des Holzes an, deßgleichen bedient man sich auch nicht immer des Pergamentleimes, es geht aber dann ein großes Quantum Lack darauf, da sich das Holz vorerst damit sättigen muß, ehe die Oberfläche glänzend erscheint. Bei großen Stücken, wie Stühlen, Papierkörben u.s.w. vertheuert der große Aufwand an Lack die Arbeit, und man suchte durch ein billigeres Fabricat zu grundiren; hierzu soll eine Auflösung von gewöhnlichem amerikanischen Harz (Colophonium) in Spiritus recht gute Dienste geleistet haben; zuletzt wurde aber immer der erst angeführte Lack angewendet. Zu manchen Lackirungen braucht man an einzelnen Stellen einen schwarzen, deckenden Lack; diesen erhält man, wenn etwas Lampenschwarz mit Spiritus auf einer Glasplatte fein abgerieben und solches dem Lack beigemischt wird. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1870, Nr. 8.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: