Titel: Ueber das Vorkommen und die Nachweisung von Selen im käuflichen Kupfer; von E. Viollette.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 5 (S. 480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi05_5

Ueber das Vorkommen und die Nachweisung von Selen im käuflichen Kupfer; von E. Viollette.

Mein Verfahren zur Abscheidung des Selens, welches in dem im Handel vorkommenden Kupfer enthalten seyn kann, ist das folgende. Zunächst oxidire ich das Metall im Muffelofen, dann erhitze ich das gebildete Oxyd mehrere Stunden lang in einem Strome trockener und reiner Luft zum Rothglühen. Ist nun im Kupfer noch so wenig Selen enthalten, so bildet sich nach Verlauf einiger Zeit am Austritt der Röhre in der Nähe des Rostes ein weißer Ring, welcher folgende Eigenschaften besitzt.

Derselbe ist flüchtig, krystallinisch und besteht aus einem Aggregate von durchsichtigen, lang gezogenen, homogenen Krystallen, welche sehr hygroskopisch sind, an der Luft rasch zerfließen und sich in Wasser vollständig lösen. Ihre Lösung wird durch Ammoniak nicht blau gefärbt, ein Beweis, daß sie keine Kupferverbindung enthalten; salpetersaures Silberoxyd erzeugt in der Lösung einen reichlichen Niederschlag, welcher in Wasser sehr wenig löslich ist, von überschüssiger Salpetersäure aber vollständig zu einer klaren Flüssigkeit aufgelöst wird.

Durch Reductionsmittel, wie z.B. durch Wasserstoff in der Hitze, oder durch feuchtes Schwefligsäuregas bei gewöhnlicher Temperatur wird der weiße Ring in einen rothen umgewandelt, welcher sich ohne Rückstand verflüchtigen läßt und in rauchender Schwefelsäure, welche er grün färbt, sich vollständig auflöst. In dieser Lösung bringt Wasser einen rothen Niederschlag hervor. Mit Schwefelwasserstoff erhält man einen rothbraunen Ring, welcher sich vollständig verflüchtigen und zu einem neuen Ringe condensiren läßt, der eine stark glänzende orangerothe Färbung zeigt.

Diese rothe Substanz besitzt demnach alle Eigenschaften des Selens und der weiße Ring diejenigen der Selenigsäure.

Mittelst dieses Verfahrens ist man im Stande, in den käuflichen Kupfersorten die Gegenwart von Selen nachzuweisen und dasselbe quantitativ zu bestimmen, somit das Vorkommen des so seltenen Elementes an verschiedenen bisher noch nicht gekannten Fundorten festzustellen. Vielleicht könnte diese Methode zur Aufsuchung des Selens auch in anderen Metallen dienen, welche aus ihren Schwefelverbindungen hüttenmännisch dargestellt werden.

Das von mir geprüfte Kupfer stammte aller Wahrscheinlichkeit nach aus Chile. Ich beabsichtige auch andere Kupfersorten in dieser Weise auf Selen zu Probiren, sobald ich mir Proben von sicherem Ursprunge verschafft habe. (Comptes rendus, t. LXX p. 729; April 1870.)

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