Titel: Ueber californischen Borax; von Archibald Campbell.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 11 (S. 584–585)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi06_11

Ueber californischen Borax; von Archibald Campbell.

In seinem Vortrag über diesen Gegenstand in der Sitzung der Philosophical Society zu Glasgow vom 14. Februar d. J. erinnerte Campbell zunächst an den Borax aus Thibet, welcher unter dem Namen „Tinkal“ nach Europa kommt, sowie an das Product der toscanischen Lagunen und an die seit einigen Jahren aus Peru uns zukommenden Borsäureverbindungen, welche hauptsächlich aus borsaurem Kalk mit wechselnden Mengen von borsaurem Natron bestehen. Nach ausführlicheren Bemerkungen über diese Lagerstätten und über die von Walker ausgesprochenen Ansichten in Bezug auf ihre Entstehung theilte Campbell mit, daß kürzlich bei Halberstadt (Staßfurt), ferner in Siebenbürgen, in Ceylon, in mehreren Mineralquellen von Ost-Canada und im Seewasser an der californischen Küste Borax aufgefunden worden sey. Der wichtigste unter den in der neuesten Zeit entdeckten Fundorten ist aber der Boraxsee in Californien. Dieser See liegt ungefähr 40 (engl.) Meilen vom Stillen Ocean und 60 Meilen von Suisum-Bai entfernt. Zwischen ihm und dem etwa 25 Meilen langen Clear Lake (klaren See) findet sich eine bedeutende Ansammlung von vulcanischen Producten, unter denen namentlich Obsidian und Bimsstein vertreten sind, zu einer beide Seen von einander trennenden Bergkette lose zusammengehäuft. In der ganzen Gegend sind in allen der Küstenregion angehörenden Bergketten heiße Quellen und die Ueberbleibsel dereinstiger Solfataren vorhanden. An mehreren Stellen lassen sich deutlich Hebungen mit steil emporgerichteten Schichten wahrnehmen, wo sich die vulcanische Thätigkeit einen Weg gebahnt hat und die aller Wahrscheinlichkeit nach mit den im Südwesten vorhandenen Geysirs in Verbindung stehen und in querer Richtung ganz oder beinahe ganz durch die Gebirgskette hindurchsetzen. In diesem eigenthümlichen Felde vulcanischer Wirkungen liegt nun der in Rede stehende Boraxsee. Der von ihm eingenommene Flächenraum ist je nach der Jahreszeit und den Witterungsverhältnissen verschieden. Im September 1863 war er ungefähr 4000 Fuß lang und an der breitesten Stelle 1800 Fuß breit; seine Länge war früher doppelt so groß als jetzt, wie sich dieß an der Beschaffenheit des Bodens deutlich erkennen läßt. In manchen sehr dürren Jahren liegt der See ganz trocken; im September 1863 dagegen war das |585| Wasser ungefähr 3 Fuß tief. Dieser See wurde zuerst durch die Mittheilungen von Dr. Beatch bekannt, welcher ihn im September 1856 untersuchte und Borax in seinem Wasser entdeckte. Erst mehrere Monate später wurde ein ausgedehntes Lager von krystallisirtem Borax auf dem Boden des Sees entdeckt. Das Land in dem Districte ist Eigenthum der „californischen Borax-Compagnie.“

Das zum Behufe der Analyse im Jahre 1863 aus dem See geschöpfte Wasser enthielt per Gallon 2401,56 Grains fester Substanzen, von denen ungefähr die Hälfte in Chlornatrium, ein Viertel in kohlensaurem Natron und der Rest wesentlich in borsaurem Natron bestand; dieser Rest enthielt nämlich 281,48 Grains wasserfreies Natronborat, entsprechend 535,08 Gr. krystallisirtem Borax; 13 Gallons des Wassers enthalten somit 1 Pfd. Boraxkrystalle. Auch fanden sich Spuren von Jod- und Bromverbindungen.

Die Größe der Krystalle des erwähnten Lagers auf dem Boden des Sees ist sehr verschieden; sie schwankt vom mikroskopisch Kleinen bis zum Durchmesser von 2 bis 3 Zoll. Dieselben enthalten einen bläulichen Schlamm beigemengt; zuweilen wechsellagern mehrere Schichten von diesem Schlamme mit Schichten von Boraxkrystallen. Nach einer oberflächlichen Veranschlagung liegen auf dem Boden des Sees mehrere tausend Tonnen Borax. Das rohe Salz wird schon in einem so reinen Zustande gewonnen, daß die Probirer in San Francisco demselben vor dem aus dem Auslande bezogenen raffinirten Borax den Vorzug geben.

In der Nähe des Sees existirt eine heiße Quelle von merkwürdiger Beschaffenheit; dieselbe soll per Minute ungefähr 300 Gallons Wasser geben. Campbell gab folgende Zusammensetzung ihres Wassers an (die Zahlen bezeichnen die in 1 Gallon Wasser enthaltene Anzahl von Grains):

Chlorkalium Spur
Chlornatrium 84,62
Jodmagnesium 0,09
Brommagnesium Spur
zweifach-kohlensaures Natron 76,96
„ „ Ammon 107,76
zweifach-borsaures Natron 103,29
schwefelsaurer Kalk Spur
Thonerde 1,26
Kohlensäure (nicht gebunden) 36,37
Kieselsäure 8,23
bei Rothgluth flüchtige Substanzen 65,77
––––––
484,35

Diese Zahlenangaben beziehen sich auf wasserfreie Salze; somit repräsentiren die 103,29 Grains Biborat 195,35 Gr. krystallisirten Borax. (Chemical News, vol. XXI p. 91; Februar 1870.)

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