Titel: Zur Geschichte der Darstellung künstlichen Alizarins; von Dr. P. Bolley.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 12 (S. 585–586)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi06_12

Zur Geschichte der Darstellung künstlichen Alizarins; von Dr. P. Bolley.

Aus der Geschichte der Darstellung künstlichen Alizarins verdient vor Allem hervorgehoben zu werden, daß die ursprünglichen Entdecker Gräbe und Liedermann einerseits in den Annalen der Chemie und Pharmacie (VII. Supplementband, S. 257) eine ausgedehnte Abhandlung veröffentlichten, worin alle theoretischen Anhaltspunkte genau präcisirt sind. Diese Abhandlung enthält eine ziemlich vollständige Geschichte der Arbeiten, welche einerseits über Anthracen und dessen Abkömmlinge, andererseits über Alizarin und dessen Begleiter in der Krappwurzel ausgeführt wurden. Wir sind genöthigt, uns auf die Verweisung an das Original zu beschränken, weil sie für unseren Raum zu groß, und obschon reich an technisch verwerthbaren Mittheilungen, doch hauptsächlich theoretische Erörterungen enthält. Andererseits sind jetzt die englischen Patente, welche die beiden Verfasser in Verbindung mit Caro genommen haben, sammt den Zusätzen veröffentlicht, die sie in ihrem französischen Patente hinzufügten.

Das vom 25. Juni 1869 datirte englische Patent wurde in den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin (1870, Nr. 7) in deutscher Uebersetzung gegeben |586| und daraus in diesem Bande des polytechn. Journals S. 359 (zweites Maiheft 1870) mitgetheilt.

In dem Mémoire descriptif vom 18. Januar 1870, welches zu dem französischen Patent gehört, wird in etwas ausführlicherer Weise als im englischen Patent die Möglichkeit des Durchgehens durch die Sulfoverbindung (anstatt durch die Bromverbindung) des Anthrakochinons beschrieben und neben dieser Modification des Verfahrens ebenfalls die Umstellung der Operationen, d.h. Bereitung der Sulfosäure des Anthracens zuerst und nachheriges Oxydiren derselben betont; ebenso geschieht dieß in einem Zusatz vom 3. November 1869 zu dem ursprünglichen Gräbe-Liebermann'schen Patente (vom 4. December 1868). Es verdient bemerkt zu werden, daß auch H. Siegle (das wohlbekannte Farblackegeschäft in Stuttgart) unterm 17. December 1869 ein Patent in Frankreich nahm, dessen Inhalt ebenfalls auf die Darstellung der Sulfanthrakochinonsäure hinausläuft. Aus diesem Patente ist, seiner etwas unbestimmten Redaction wegen, weniger Erkenntniß der Vorgänge zu schöpfen, als aus dem vorhergehenden. Wir dürfen aber nicht unterlassen zu bemerken, daß uns von mehreren Seiten mitgetheilt wurde, die genannte Fabrik producire ein ganz vorzügliches künstliches Alizarin.

Da jede Notiz über Erfahrungen aus der Geschichte einer Erfindung, welcher reformatorische Tragweite zugeschrieben werden muß, in den Anfangsstadien von Werth ist, wenn auch nur von vorübergehendem, so theilen wir Nachstehendes aus dem Briefe eines in dem vorliegenden Gebiete sehr gewandten Industriellen in Unteritalien mit.

Er findet zuerst, daß die Pastenform vor der Hand noch beibehalten werden sollte, da sich die getrockneten und gemahlenen künstlichen Alizarine lange nicht so gut und schnell auf dem Stoffe fixiren lassen, als die pastenförmigen. Das Gessert'sche und Meister-Luzius'sche Alizarin (en pâte) sollen nach dem gleichen Beobachter die 10–12fache Färbekraft des in Italien dargestellten Garancin haben.

Die beiden Präparate verhalten sich nach demselben Industriellen verschieden. Das Elberfelder findet er in den Farbtönen dem Garancin ähnlicher, glaubt es darum für Druckartikel besser als das Höchster Präparat, das unavivirt ein zu braunes Roth liefere. Aus Türkischroth geben beide (en pâte) ausgezeichnete brillante aber etwas in's Gelbe ziehende Farben. Auch da steht das Elberfelder Alizarin den Garancinfarben näher im Ton, aber das Höchster Product habe intensivere vollere Farben gegeben.

Das Präparat der Elberfelder Fabrik werde in Italien zu 50 Thlr. das Pfd., = 375 Francs das Kilogramm angeboten, während das Garancin auf 4 Francs 80 Cent. zu stehen komme. Der Preis des ersteren ist darum 78 Mal höher als der des letzteren.

Die Vergleichung der Färbekraft ergibt aber eine ziemlich ungünstigere Ziffer für das künstliche Alizarin. Es kommt hinzu, daß die Krapppreise in nächster Zukunft fallen werden. Freilich ist das Nämliche für das Anthracen in Aussicht. Weit entfernt, die bis jetzt erlangten Resultate für entmuthigend zu halten, sehen wir im Gegentheil das Ziel langsam aber sicher näherkommend. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1870, Bd. XV S. 51.)

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