Titel: Ueber die Productions- und Consumtionsverhältnisse der Anilin- und Anilinfarben-Fabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 14 (S. 587)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi06_14

Ueber die Productions- und Consumtionsverhältnisse der Anilin- und Anilinfarben-Fabrication.

In diesem Betreff gingen mir durch die Güte des Hrn. Dr. J. Gessert in Elberfeld folgende Notizen zu. Von Anilinöl wurden consumirt

1867 1,500,000 Pfd.
1868 2,000,000 „
1869 3–3,500,000 „

Mithin werden gegenwärtig täglich 100 Ctr. Anilinöl verarbeitet. Von obigen Mengen verbrauchte Deutschland 2 Mill. Pfd., der Rest vertheilt sich auf die Schweiz, auf England und Frankreich, und zwar in der Reihenfolge der Nennung dieser Länder. Producirt wurden in Deutschland kaum 1,000,000 Pfd. Anilinöl, der Rest wurde von Frankreich eingeführt, welches jährlich mehr als 1 1/2 Mill. Pfd. Anilinöl producirt. England, obgleich der Hauptproducent von Benzol, hat die geringste Anilinölfabrication und bezieht einen Theil seines Bedarfes noch von Frankreich. – Der Gesammtwerth der im J. 1868 producirten Anilinfarben dürfte sich auf 4–4 1/2 Mill. Thlr. belaufen. – Das enorme Uebergewicht, welches die deutsche Anilinfarbenfabrication gewonnen hat, ist größtentheils eine Folge des Patentschutzes, welcher das Aufblühen dieser Industrie in Frankreich und England verhindert. Beide Länder bilden jetzt die Hauptabsatzmärkte für die deutschen und schweizerischen Fabriken.

Bezüglich des Jodgrüns äußert sich Dr. Gessert in folgender Weise: Bei der Fabrication von Jodgrün hat sich im J. 1869 eine Umwandlung in der Weise vollzogen, daß in Folge der ausgezeichneten Untersuchungen von A. W. Hofmann (polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCIV S. 66) die Anwendung von Jodäthyl fast ganz aufgehört hat und an seiner Stelle jetzt hauptsächlich Jodmethyl angewendet wird. Die Jodwiedergewinnung hat sich wesentlich vervollkommnet und werden jetzt circa 60 Proc. des angewendeten Jods zurückgewonnen. Die Menge des verschwindenden Jods ist also noch sehr bedeutend und erklärt sich zum Theil dadurch, daß die Jodfarben noch theilweise als jodwasserstoffsaure Verbindungen verkauft werden (so die spirituslöslichen Violette). Aber auch die unvermeidlichen Verdampfungsverluste bei den Arbeiten mit den leichtsiedenden Jodüren bilden eine erhebliche Ziffer. In Summe wurden pro 1869 an englischem und französischem Jod in den Farbefabriken consumirt circa 90,000 Pfund. Hiervon kommen auf Norddeutschland (hauptsächlich Rheinprovinz) 65,000 Pfd., der Rest auf Frankreich, England und die Schweiz. Diese Zahlen zeigen ziemlich genau die Stellung, welche die deutsche Fabrication in der Anilinfarbenfabrication überhaupt einnimmt. Es ist abermals eine Reihe von Versuchen gemacht worden, das Brom in der Farbenindustrie als Ersatz für das Jod zu verwenden, hauptsächlich in Folge des Vorschlages von A. W. Hofmann, Bromamyl zu benutzen. Doch hat das Brom trotz seines niedrigen Preises sich bisher nicht recht einbürgern wollen und findet das seinen Grund darin, daß erstens die mit Brom gemachten Farben etwas weniger glänzend wurden, als die Jodfarben, und daß dann auch die Manipulationen mit Brom weit weniger bequem und glatt verlaufen, wie beim Jod. Prof. Dr. Rud. Wagner. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 24.)

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