Titel: Ueber trockene Zapfenlager.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 196/Miszelle 3 (S. 580–581)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj196/mi196mi06_3

Ueber trockene Zapfenlager.

Ueber trockene Zapfenlager, d.h. Lager welche bei 10,000 Umdrehungen in der Minute ohne jedes äußere Schmiermittel, als Oel, Fett, Wasser oder Graphit, sich nicht warm laufen, berichtet der Engineer Folgendes: Die Erfindung ist eine amerikanische, für deren Verwerthung sich in England eine Gesellschaft gebildet hat; das |581| Material für die Lager wird Metaline genannt, sieht aus wie Graphit, ohne daß es welcher ist, noch solchen enthält. Im Bureau der Gesellschaft in High-Holborn (London) werden Jedermann die erstaunlichen Resultate gezeigt. Es laufen dort Zapfen von 1/4 Zoll bis 6 Zoll Durchmesser mit den verschiedensten Geschwindigkeiten – Dampfmaschinen-Krummzapfen von 100 bis 150 Umgängen in der Minute – Spinnstuhlspindeln von 3000 bis 10,000 Umdrehungen pro Minute, ohne jede Schmiere, und ohne daß die Lager oder Pfannen warm werden. Nimmt man den Deckel von einem Lager, dessen Zapfen schon längere Zeit gelaufen, ab, so hat letzterer eine spiegelblanke Politur, was der beste Beweis für die geringe Reibung im Lager ist, da ja bekanntlich alle Schmiermittel keinen anderen Zweck haben, als die Ungleichheiten und Unebenheiten der sich reibenden Körper auszufüllen und deren Adhäsion zu verhindern. Dieses scheint nun durch das Metaline selbst, dessen Zusammensetzung vorläufig noch Geheimniß ist, ohne äußere Schmiermittel erreicht zu werden. Bei größeren Zapfen werden Metalinestäbe in die Lager eingeschoben, für Spindeln werden Hülsen und Pfannen davon geformt. Gegenwärtig werden in einer der Spinnereien Bright's sowohl mit Spindeln, als auch mit einem Krummhaken von 8 Zoll Durchmesser, 10 Zoll Länge und einem darauf lastenden Gewicht von 260 Centnern Versuche gemacht, und besteht das Metaline diese letztere Probe, so wird der allgemeinen Einführung desselben nichts mehr im Wege stehen. Welche außerordentliche, tiefeingreifende Wichtigkeit für das ganze Maschinenfach diese Erfindung hat, wenn sie sich als vollkommen bewährt, ist leicht ersichtlich, und wäre die Ersparniß an Geld und Zeit, besonders für Eisenbahnen, Spinnereien und alle Fabriken mit Maschinenbetrieb eine enorme. (Industrie-Blätter, 1870 S. 87.)

Jetzt liegen uns die betreffenden amerikanischen Patentbeschreibungen vor und wir ersehen daraus, daß die Zusammensetzung des Metalins eine höchst dehnbare ist und die angepriesene Wirksamkeit gerechten Zweifeln unterliegen darf. Die erste Vorschrift besteht darin daß 80 Thle. feingemahlenes Pockholz (Lignum vitae) unter allmählichem Zusatz mit 20 Thln. Wallrath zusammengemahlen und das Ganze dann in einer Form stark gepreßt wird. Daran schließen sich nun noch folgende 13 verschiedene Vorschriften:

I. 80 Thle. Elfenbeinstaub und 20 Thle. Wallrath;
II. 99 „ Zinn und 1 Thl. Petroleumrückstand;
III. 95 „ Zink und 5 Thle. geschmolzener Kautschuk;
IV. 90 „ Anthracit und 10 Thle. ölfreier Talg;
V. 98 „ Bronze (am besten aus 93 Proc. Kupfer, 6 Proc. Zinn und 1 Proc. Blei
oder Zink bestehend) und 2 Thle. geschmolzener Kautschuk;
VI. 96 „ Typenmetall und 4 Thle. geschmolzener Kautschuk;
VII. 95 „ Zinnoxyd und 5 Thle. Bienenwachs;
VIII. 50 „ Eisen, 1/2 Thl. Paraffin und 50 Thle. Zinn;
IX. 80 „ Blei und 20 Thle. Cannelkohle;
X. 92 „ frische Knochen und 8 Thle. Bienenwachs;
XI. 90 „ präparirte Thonerde und 10 Thle. Wallrath;
XII. 95 „ möglichst quarzfreier Kupferglanz und 5 Thle. geschmolzener Kautschuk;
XIII. 86 „ Blei, 12 Thle. Lampenruß und 2 Thle. Bienenwachs.

Diese Zusammenstellung spricht wohl genügend für den Werth des „Metaline.“ (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 24.)

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