Titel: Handkraftpropeller auf Handelsschiffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 1 (S. 88)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi01_1

Handkraftpropeller auf Handelsschiffen.

Die auf einigen englischen Kriegsschiffen angewendete Weise, gelegentlich den Propeller aus freier Hand zu bearbeiten, scheint die Aufmerksamkeit der Rheder und Schiffsbefehlshaber und vielleicht auch der See-Assecuranten zu verdienen. Ein Rad auf dem Verdeck, welches auch auf der Batterie oder im Zwischenboden Raum hat, steht durch eine Achse und eine Auswechselung mit der Propellerachse in Verbindung, so daß diese, wenn das Rad mit einer Schnelligkeit von 1/2 oder 2 Schlägen in der Minute rund umläuft, 8 bis 10 Schläge macht, was diesem großen Fahrzeuge eine Schnelligkeit von 2 bis 3 Viertelmeilen in der Stunde gibt. Diese einfache und wenig kostspielige Einrichtung ist in vielen Fällen von unermeßlichem Nutzen und spart Kohlen, wie bei Versetzung des Fahrzeuges in kürzeren Abstand im Hafen, beim Anlaufen von Häfen bei schwachem Gegenwind. Ja es hat sogar Beispiele gegeben, daß ein englisches Kriegsschiff, um bei Windstille während des Passirens der Linie Kohlen zu sparen, die halbe Besatzung im Propellerrade rund gehen ließ.

Eine solche Einrichtung auf einem Handelsfahrzeuge, der Größe und Bemannungszahl desselben angepaßt, würde sich ganz gewiß binnen Kurzem bezahlt machen. Jeder Seemann weiß, daß viele Male großer Zeitverlust, Schaden und Unglück aus der Unmöglichkeit erfolgen können, zu rechter Zeit ein gewisses Ziel zu erreichen.

Es scheint also, daß ein durch Händekraft getriebener Propeller zur unentbehrlichen Ausrüstung für jedes Segelschiff einer auf ihren Vortheil bedachten Rhederei wird gehören müssen, vorausgesetzt daß die Kosten dafür mäßig sind, und daß derselbe bei einer gewöhnlichen Besatzungsstärke die Geschwindigkeit des Fahrzeuges bei ruhigem Wetter um wenigstens 2 Viertelmeilen in der Stunde vermehrt.

Vielleicht würde eine solche Vermehrung in der Fahrt auch in schwerem Wetter bei Zufällen von Nutzen seyn, in denen die Sicherheit des Schiffes und der Besatzung auf dem Spiel steht. Wenn bei einer solchen Gelegenheit eine äußerste Anstrengung der Besatzung dem Fahrzeuge eine erhöhte Widerstandskraft gegen See und Wind zu geben vermöchte, entsprechend der Schnelligkeit von 3 bis 4 Viertelmeilen in der Stunde bei ruhigem Wetter, so ist wahrscheinlich, daß Fahrzeug, Ladung und Menschenleben dadurch mehr als ein Mal gerettet werden könnten. (Aus dem Militär-Wochenblatt vom 15. Juni 1870.)

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