Titel: Nachweisung und Bestimmung des Arsens im käuflichen Fuchsin; von Dr. Rieckher in Marbach.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 10 (S. 94–96)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi01_10

Nachweisung und Bestimmung des Arsens im käuflichen Fuchsin; von Dr. Rieckher in Marbach.

Dr. Rieckher hat über den vorgenannten Gegenstand eine ausführliche Abhandlung veröffentlicht, deren Hauptresultate wir nachstehend mittheilen. Die Veranlassung zu dieser Arbeit gab der Umstand, daß das Fuchsin zur Färbung von Säften, Liqueuren, Zuckerwaaren, ja sogar von Syr. Rubi Idaei angewendet wird, und daß es als wahrscheinlich erschien, daß aus dem Fuchsin, zu dessen Bereitung bekanntlich Arsensäure angewendet wird, nicht alles Arsen durch Auswaschen etc. sich werde entfernen lassen.

Fuchsin aus zwei Bezugsquellen wurde mit reinem Zink und Schwefelsäure zusammen gebracht und das entwickelte Gas in verdünnte Silbernitratlösung geleitet, wodurch eine Reduction von metallischem Silber erzeugt wurde. Das Filtrat gab nach dem Ausfällen des überschüssigen Silbernitrats durch Chlornatrium mit Schwefelwasserstoff einen gelben Niederschlag von Schwefelarsen. Ein anderer Theil des Filtrats gab, vorsichtig mit Ammoniak neutralisirt, einen blaßgelben Niederschlag von arsenigsaurem Silberoxyd, welcher auf bekannte Weise in braunrothes arsensaures Silberoxyd verwandelt werden konnte. Da beide Proben sich gleich verhielten, so war die Gegenwart von Arsen auf diese Weise unzweifelhaft nachgewiesen. Der Verf. stellte sich nun die Aufgabe, zu ermitteln ob arsenige Säure oder Arsensäure oder beide im Fuchsin |95| sich vorfinden und in welchem quantitativen Verhältniß, und suchte zunächst ein im vorlegenden Fall anwendbares Verfahren aufzufinden, die beiden Säuren des Arsens neben einander zu bestimmen.

Das Verfahren welches der Verf. nach mehrfachen Versuchen anzuwenden beschloß, beruht darauf, daß die arsenige Säure bei Gegenwart von Salzsäure unter geeigneten Umständen sich vollständig mit der Salzsäure verflüchtigt, die Arsensäure dagegen dabei zurück bleibt. Dieses Verfahren wurde zunächst durch eine Reihe von Fundamentalversuchen, welche in unserer Quelle mitgetheilt sind, näher festgestellt.

Es ergab sich, daß, wenn man eine Mischung von 10 Kubikcentimetern Solut. arsenical. Fowl., 135 Grm. Schwefelsäure von 1,61 spec. Gew., 45 Grm. Chlornatrium und 30 Grm. Wasser so lange destillirt, bis der Kochpunkt der Flüssigkeit auf 125° C. gestiegen ist, alle arsenige Säure sich verflüchtigt, so daß sie sich vollständig im Destillate befindet und darin durch Schwefelwasserstoff bestimmt werden kann. Man wendet hierbei, um einen Verlust an Arsen zu verhüten, am besten einen Apparat von folgender Einrichtung an. Eine tubulirte Retorte (in welche man eine Platinspirale bringt, um das Stoßen der Flüssigkeit zu vermeiden) mit einfacher Sicherheitsröhre ist mit einer Flasche verbunden, welche etwa das sechsfache Volum der Retorte faßt, schräg gestellt ist und unten eine Tubulatur besitzt, in welcher eine ein Mal rechtwinkelig gebogene Röhre luftdicht eingesetzt ist, deren anderer Schenkel in ein etwas Wasser enthaltendes Kölbchen taucht. In die tubulirte Vorlage wird so viel destillirtes Wasser gegeben, daß die Mündung des Retortenhalses mindestens 1/2 bis 3/4 Zoll unter Wasser taucht. Der Schluß des Apparates ist ersichtlich, wenn beim Beginn der Erwärmung die Luftblasen nicht allein durch das Wasser der Vorlage, sondern auch durch das Wasser des vorgelegten Kölbchens gehen. Wenn zu Anfang des zweiten Stadiums der Destillation das Zurücksteigen des Wassers der Vorlage beginnt und bis etwa 1 bis 2 Zoll hoch erfolgt ist, so sieht man zu gleicher Zeit durch die Sicherheitsröhre in dem kochenden Retorteninhalte Luftblasen eintreten, in deren Folge das Zurücksteigen aufhört.

Es ergab sich ferner, daß, wenn man eine nur Arsensäure enthaltende Flüssigkeit mit der oben erwähnten Mischung von Chlornatrium und Schwefelsäure destillirt, nur fast unwägbare Spuren von Arsen sich verflüchtigen, das Arsen also im Rückstande bleibt, und in demselben, nachdem die Arsensäure durch schweflige Säure zu arseniger Säure reducirt und der Ueberschuß der schwefligen Säure durch Kochen wieder ausgetrieben ist, durch Fällen mit Schwefelwasserstoff bestimmt werden kann.

Zur Nachweisung der beiden Säuren des Arsens im Fuchsin erhitzt man 1 bis 2 Grm. desselben mit der angegebenen Mischung von Chlornatrium und Schwefelsäure in dem beschriebenen Apparate, indem man die Sicherheitsröhre später mit einem Thermometer vertauscht und die Destillation bis 150° C. fortsetzt. Das Destillat gibt mit Schwefelwasserstoff einen gelben Niederschlag von Schwefelarsen, zum Beweise daß das Fuchsin arsenige Säure enthält. Bei den quantitativen Versuchen wurde die Menge der arsenigen Säure aus dem Gewicht des Niederschlages bestimmt. Der Rückstand in der Retorte, in dem 3- bis 4fachen Gewichte heißen Wassers gelöst, wird mit schwefliger Säure gesättigt. Dabei wird eine bedeutende Farbenveränderung der Flüssigkeit beobachtet, indem dieselbe bis hell rothgelb sich entfärbt. Wird die Flüssigkeit nach einer Digestion von einigen Stunden gekocht, so nimmt sie während des Entweichens der schwefligen Säure an Farbenintensität zu, bis sie fast undurchsichtig braunroth geworden ist. Wenn die schweflige Säure vollständig ausgetrieben ist, filtrirt man und sättigt die Flüssigkeit mit Schwefelwasserstoff. Dabei wird das Arsen, welches in Form von Arsensäure in dem Fuchsin enthalten war, ebenfalls als Schwefelarsen niedergeschlagen. Der Niederschlag enthält aber neben dem Arsensulfür ziemlich viel Farbstoff und ist deßhalb mißfarbig. Nach 12 stündiger Digestion hat sich aus der dunkel rothgelben Flüssigkeit ein schmutzig violettrother Niederschlag abgesetzt. Derselbe eignet sich wegen des Farbstoffgehaltes nicht zur quantitativen Bestimmung des Arsens, weßhalb der Verfasser diese so ausführte, daß er den Niederschlag mit Salzsäure und chlorsaurem Kali oder mit rauchender Salpetersäure behandelte und die dabei entstandene Arsensäure als arsensaure Ammon-Magnesia fällte. Da dieses Salz, aus einer gelbroth gefärbten Flüssigkeit abgeschieden, nicht absolut farblos erhalten wurde und ein Auswaschen bis zur Farblosigkeit wegen der Löslichkeit des Salzes in Wasser nicht stattfinden durfte, so bestimmte der Verf. auch die Arsensäure des Fuchsins schließlich in Form von Schwefelarsen, indem er die arsensaure Ammon-Magnesia durch Schwefelsäure |96| zersetzte, die Arsensäure durch schweflige Säure reducirte und nach dem Austreiben des Ueberschusses der letzteren die Flüssigkeit mit Schwefelwasserstoff fällte.

In dieser Weise wurde in zwei Fuchsinsorten der Gehalt an arseniger Säure und Arsensäure quantitativ bestimmt. Bei jeder Sorte wurden zwei Bestimmungen ausgeführt.

Die Resultate sind folgende:

Fuchsin, aus einer Fabrik bezogen.

I. II. Mittel.
Arsenige Säure 2,045 Proc. 2,102 Proc. 2,073 Proc.
Arsensäure 8,121 „ 7,066 „ 7,693 „

Fuchsin, aus einer Stuttgarter Droguerie-Handlung bezogen.

I. II. Mittel.
Arsenige Säure 0,697 Proc. 1,309 Proc. 1,008 Proc.
Arsensäure 4,803 „ 4,138 „ 4,4705 „

Die beiden untersuchten Fuchsinsorten enthalten nach der Analyse beide Säuren des Arsens in wechselnden Mengen. Der Grund, warum die einzelnen Versuche unter einander nicht besser harmoniren, liegt in der Gewinnung des Fuchsins selbst, dessen concentrirte Lösungen man, ohne zu rühren, bis zur Trockne eindampft, wodurch die wechselnden Mengen der fremden Stoffe sich leicht erklären dürften. (Wittstein's Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, 1870 S. 216; polytechnisches Centralblatt, 1870 S. 860.)

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