Titel: Parson's weißes Messing.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 7 (S. 92–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi01_7

Parson's weißes Messing.

Ein Metall unter dem Namen weißes Messing (white brass), die Erfindung von P. M. Parson, und von demselben auf der Thames Foundry zu East Greenwich fabricirt, verspricht für Zapfenlager und ähnliche Maschinentheile eine wichtige Rolle zu spielen. Obwohl im Ansehen einigen der unter dem Namen „Weißmetall“ bekannten Legirungen ähnlich, unterscheidet es sich doch von denselben wesentlich in anderer Hinsicht, da es härter, fester und klingender ist. Es ist in der That, wie sein Name besagt, eine Art Messing, und verhält sich beim Drehen, Bohren etc. in ähnlicher Weise. Es verstopft die Feile nicht und nimmt eine hohe Politur an; gleichzeitig ist sein Schmelzpunkt niedriger als der des gewöhnlichen Messings, so daß es in einem eisernen Löffel über gewöhnlichem Feuer geschmolzen werden kann. Diese besonderen Eigenschaften machen es zur Montirung von Maschinen sehr brauchbar, welche in erster Linie billig seyn sollen, da man Büchsen, Lagerschalen etc. an Ort und Stelle angießen kann, ohne sie einpassen und ausbohren zu müssen. Es kann auch in Metallformen oder in Sand- und Lehmformen wie gewöhnliches Kanonenmetall gegossen werden. Obwohl dieses Metall noch nicht sehr allgemein bekannt ist, so findet es sich doch schon seit einigen Jahren in Benutzung bei verschiedenen Maschinenfabriken und bedeutenden Eisenbahnen, wobei es sich als besonders geeignet für Zapfenlager an Maschinen und Wagen, sowie Reibungsflächen überhaupt erwiesen hat. Verglichen mit Kanonenmetall oder gewöhnlichem Messing, ist das weiße Messing am billigsten, während gleichzeitig seine Dauerhaftigkeit bedeutend größer ist, als die der beiden anderen Metalle. In dieser Hinsicht sind eine Anzahl von Versuchen auf der Great Northern Railway mit Wagen gemacht worden, welche in den Expreßzügen zwischen London und Edinburgh liefen, und deren Achsen an einem Ende mit Lagern von weißem Messing, am anderen aber mit solchen von gewöhnlichem Messing versehen waren. Aus dem bezüglichen Berichte von Sturrock (welcher die Versuche vornahm), datirt vom 20. Mai 1862, ergibt sich Folgendes: Zwei Lager von weißem Messing, an einem Bremswagen angebracht, verloren nach einem Laufe von 19,400 Meilen (engl.) nur 2 Unzen am Gewicht, während die am anderen Ende des Wagens angebrachten zwei gewöhnlichen Messinglager 2 Pfd. 4 Unzen verloren hatten. In einem anderen Falle durchlief ein ebenso vorgerichteter Wagen dritter Classe 20,000 Meilen, wobei die Lager aus weißem Messing nur 2 1/2 Unzen, die Lager aus gewöhnlichem Messing aber 1 Pfd. 6 Unzen verloren hatten. Bei einem anderen Wagen dritter Classe betrug nach 20,000 Meilen Lauf die Abnutzung der Lager aus weißem Messing 2 1/2 Unzen, während die Lager aus gewöhnlichem Messing 1 Pfd. 12 Unzen an Gewicht eingebüßt hatten. Die Lager liefen stets kühl und wurden mit Oel geschmiert. Im Juli 1864 wurden vier Lager aus weißem Messing von einem Bremsgüterwagen abgenommen, welcher 64,712 Meilen durchlaufen hatte. Die Lager waren noch in gutem Zustande und nur wenig ausgelaufen. Nach diesen wichtigen Zeugnissen ist es wohl nicht nöthig, zu sagen, daß sich das fragliche Material auch bei allen Lagern für andere Zwecke ebenso gut bewährt hat. Nirgends hat sich ein Warmlaufen der Zapfen gezeigt, wo dieß Metall zu Lagern benutzt wurde; es scheint in der That das weiße Messing in gewissem Grade selbstschmierend zu wirken, wenn Oel oder andere Schmiere fehlt. So viel wenigstens steht fest, daß seit Einführung desselben zu den Lagern der Achsen auf der Great |93| Northern Railway alle Aufenthalte wegen heiß laufender Achsen aufhörten, welche früher bei den langen Expreßzügen zwischen London und Edinburgh fortwährend vorkamen. Diese Thatsachen sind ohne Zweifel geeignet, den Gebrauch des weißen Messings zu einem möglichst allgemeinen zu machen. (Engineering, April 1870, S. 301; polytechnisches Centralblatt, 1870 S. 815.)

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