Titel: Leroy's nichtleitende Belegung für Dampfkessel u.s.w.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 1 (S. 184)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_1

Leroy's nichtleitende Belegung für Dampfkessel u.s.w.

Dieselbe findet unter dem Namen Leroy's Patent Non-conducting Composition seit einigen Jahren in England in Fabriken, Brauereien, auf Dampfschiffen etc. vielfach Verwendung und ist kürzlich durch die Firma Posnansky und Strelitz, Berlin, Neue Friedrichsstraße 18 u. 19, auch in Deutschland eingeführt, wo sie bis jetzt besonders in Westphalen Verwendung gefunden hat.

Bekanntlich geht durch Strahlung von den Wänden der Dampfkessel, der Dampfrohre und der Maschinencylinder eine erhebliche Wärmemenge verloren, und ist man deßhalb schon lange darauf bedacht gewesen, diesen Wärmeverlust möglichst zu vermindern, indem man die Kessel ganz einmauerte, oder, wo dieß nicht möglich war, mit Holz oder mit Filz bekleidete, wie dieß bei Dampfcylindern und Dampfrohren ziemlich allgemein geschieht. Der Filz ist zwar ein schlechter Wärmeleiter, verdirbt aber nicht nur sehr bald und entzündet sich sogar, wenn in dem Dampfkessel Dämpfe von sehr hoher Spannung entwickelt werden, sondern er verhindert auch nicht den Zutritt der atmosphärischen Luft zu den Kessel- etc. Wänden, so daß unter dem Einflusse des Sauerstoffes und der von dem Filze aufgenommenen Luftfeuchtigkeit die Wände, leicht rosten. Andererseits gestatten Mauerwerk, Filz- und Holzbekleidung nicht, ein etwa im Kessel entstehendes Leck zeitig wahrzunehmen, wodurch eine nicht geringe Gefahr entsteht. Die oben erwähnte Composition ist dagegen vollkommen unverbrennlich, deckt die Kessel- etc. Wände vollkommen luftdicht und wird von kaltem Wasser nicht angegriffen, wohl aber von kochendem Wasser; wenn daher in einem mit der Substanz bedeckten Kessel ein Leck entsteht, aus dem heißes Wasser entweichen kann, so wird an der betreffenden Stelle die Decke aufgelöst und das Leck sichtbar gemacht. Die Anwendung der breiigen Masse ist eine sehr einfache. Dieselbe wird mittelst einer Mauerkelle nach und nach in einer zwei Zoll starken Schicht auf die zu schützende Fläche aufgetragen und glatt gestrichen; getrocknet haftet sie dann Jahre lang, ohne den geringsten Riß zu bekommen und kann mit Oelfarbe angestrichen werden, um dem Ganzen ein freundlicheres Ansehen zu geben.

In Berlin sind Versuche gemacht in der Fabrik von H. F. Eckert und in der Fabrik für Eisenbahnbedarf in Moabit. In letzterer ist vor 7 Wochen ein aufrecht stehender Dampfkessel von 10 Fuß Höhe und 31/2 Fuß Durchmesser mit einer 1 1/2 Zoll starken Schicht der erwähnten Composition bekleidet mit einem solchen Erfolge, daß man ohne Belästigung die Wangen an die Kesselwand legen kann. Die Brennmaterial-Ersparniß ist gewiß eine erhebliche, doch sind in dieser Beziehung hier noch keine exacten Versuche gemacht. Noch interessanter ist ein anderer Versuch, insofern hier eine längere Rohrleitung, durch welche einer von dem Dampfkessel entfernt liegenden Dampfmaschine der Dampf zugeführt wird, gleichfalls mit der erwähnten Bedeckung versehen ist; seit dieß geschehen, haben die Klagen des Maschinisten aufgehört, daß ihm mit dem Dampfe so viel tropfbar flüssiges Wasser zugeführt werde, das durch die auf dem langen Wege erfolgte Abkühlung sich niederschlug. Wie uns mitgetheilt wird, kostet der Quadratfuß zweizölliger Belegung 7 1/2 Sgr. Es wäre wünschenswerth, daß exacte Versuche über die durch eine solche Bedeckung bewirkte Brennmaterial-Ersparniß angestellt würden. (Annalen der Landwirtschaft, X. Jahrgang, Nr. 6, S. 55.)

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