Titel: Die Entzündung schwarzgefärbter Seide in sich selbst.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 10 (S. 188–189)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_10

Die Entzündung schwarzgefärbter Seide in sich selbst.

Der Moniteur de la teinture theilt einen Fall mit, in welchem sich, schwarzgefärbte Seide von selbst entzündet und zu einer bedeutenden Feuersbrunst Veranlassung gegeben hat, welcher für die Färber und Fabrikanten von Seidenstoffen von der größten Wichtigkeit ist.

Gegen 6 Uhr Morgens entwickelte sich eines Tages in dem Seidenwaaren-Magazin der HHrn. Behague und Paxer in Paris eine Feuersbrunst, welche von Packeten schwarzgefärbter Seide ausging, die frisch aus der Färberei gekommen waren. Das Feuer entstand im Inneren der Packete, wie man bei einigen festgestellt hat, welche man noch rettete, ehe sie vollständig verbrannt waren, und, nachdem das Feuer einige Zeit im Inneren der Packete geglimmt hatte, brach die Flamme hervor, welche das ganze Magazin erfüllte.

Glücklicherweise bemerkte man auf der Straße bald das Feuer und benachrichtigte die Feuerwehr davon, welche dann sehr bald dem zerstörenden Element Einhalt gebot.

Der dabei verursachte Schaden wird auf 25000 Francs angegeben. Das Magazin war versichert.

Die Sache ist außerordentlich beachtenswerth. Wir haben schon früher mitgetheilt, daß nach den Beobachtungen von Persoz33) schwarzgefärbte beschwerte Seide, wenn sie auf 100° C. erhitzt wird und dann an die Luft kommt, sich von selbst entzündet. Es ist daraus ganz gut erklärlich, warum eben dieselbe Seide, wenn sie längere Zeit in großen Mengen zusammengeschichtet ist, anfängt sich so zu erhitzen, daß die Waare schließlich in Flammen aufgeht. Aehnliche Bemerkungen hat man auch noch bei mit Leinöl bestrichenen Geweben gemacht. Vor allen Dingen mögen sich die Seidenfärber diesen Fall als Warnung dienen lassen; denn ebenso gut, wie die Seide in der besprochenen Feuerbrunst im Magazin in Brand gerieth, konnte sie auch auf dem Lager des Färbers in Brand kommen und demselben auf diese Weise einen schweren Schaden zufügen. Wenn es sich um beschwerte Seide handelt, so versäume man nicht, dieselbe ein wenig feucht zu halten und auch dem Fabrikanten, welcher dieselbe zu verarbeiten |189| arbeiten hat, die größte Vorsicht anzurathen; denn bei der immer stärker werdenden Beschwerung der Seide ist es zu natürlich, daß dergleichen Fälle sich noch öfter ereignen werden, wenn nicht mit der größten Vorsicht verfahren wird.

Man hüte sich also, beschwerte Seide in trockenem Zustande längere Zeit in größeren Quantitäten aufzubewahren. (Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 24.)

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Polytechn. Journal Bd. CXCI S. 495.

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