Titel: Das Indulin, ein neues Farbmaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 14 (S. 190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_14

Das Indulin, ein neues Farbmaterial.

Herr Rudolph Knosp in Stuttgart, der unermüdliche Verbreiter neuer Farbmaterialien, hat wiederum ein neues Pigment in den Handel gebracht, welches sich weniger durch seine Brillanz als durch die Dauerhaftigkeit der Farbe auszeichnet, welche mit demselben erzielt werden kann. Dieses neue Farbmaterial, welches der Erfinder Indulin nennt, eignet sich zum Ersatz des in der Küpe aufgefärbten Indigo, besonders für Wolle. Die Farbe, welche das Indulin gibt, ist etwas lebhafter als diejenige, welche man mit Hülfe der warmen Küpe auf Wolle zu erzeugen im Stande ist. Dieselbe ist aber fast ganz so ächt als der Indigo, und die Leichtigkeit mit welcher der Farbstoff sich auffärben läßt, sichert demselben eine Anwendung zum Ersatz des so schwierig zu färbenden Küpenblau's.

Wir nähern uns also jetzt dem Zeitpunkt, in welchem die Führung der Küpen nicht mehr praktisch durchgeführt wird, sondern der in der Küpe gefärbte Indigo auf andere Weise einen Ersatz findet. Das Indulin, welches uns um einen Schritt der Lösung dieser Frage näher bringen soll, löst sich leicht in Wasser und gibt mit demselben eine hübsche röthlich-blaue Lösung, welche man direct zum Färben benutzen kann. Das Färben der Wolle geschieht einfach in einer Holzkufe oder in einem Zinnkessel kochend unter Zusatz von etwas Schwefelsäure und erfolgt ziemlich leicht, nur muß für die dunkleren Schatten eine etwas concentrirte Lösung in Anwendung gebracht werden, welche aber dann immer wieder durch Zusatz von neuem Farbstoff ergänzt werden kann, so daß man dabei nicht überflüssig an Farbstoff verliert.

Das neue Pigment ist für die Farbentechnik von entschiedener Wichtigkeit und wird gewiß, wenn es erst genug verbreitet ist, die warme Indigoküpe vielfach verdrängen.

Es muß noch hinzugefügt werden, daß Hr. Knosp auch Versuche angestellt hat, auf hellem Küpenblau auf Wolle jenen kupferrothen Schein hervorzubringen, welcher nur mit Aufwand von vielem Indigo gänzlich in der Küpe erzeugt werden kann. Man kann auf Wolle, die in der Küpe hell grundirt ist, durch Ueberfärben mit dem Indulin leicht jenen kupferrothen Schein erzielen und so ganz bedeutend an Indigo sparen. Dr. M. Reimann. (Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 25.)

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