Titel: Ueber gefärbtes Stärkemehl, insbesondere über die Bereitung und Anwendung der Carmoisinstärke; von Prof. Dr. Artus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 15 (S. 190–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_15

Ueber gefärbtes Stärkemehl, insbesondere über die Bereitung und Anwendung der Carmoisinstärke; von Prof. Dr. Artus.

Der Luxus und Aufwand der Damenwelt bezüglich der Kleiderstoffe hat gegenwärtig eine solche Höhe erreicht, daß manchem, selbst bemittelten Familienvater es als eine Aufgabe erscheint, seinen Töchtern gegenüber den Anforderungen zu entsprechen. Es betrifft dieß hauptsächlich die Ballkleider; es erscheint heute eine Dame mit einem |191| weißen Ballkleide, bei der nächsten Saison soll es aber ein anderes, ein farbiges Kleid seyn, kurz es wird dieß geschafft, indeß oft mit großen Opfern und Ruin des Geldbeutels. Um daher diesen Calamitäten vorzubeugen, empfiehlt Verfasser die von ihm seit Kurzem erfundenen sogenannten Farbenstärken, mittelst welcher ohne erhebliche Kosten sich jede Dame, nachdem sie ihr weißes Kleid getragen, dann gewaschen hat, resp. waschen, auch stärken läßt, dasselbe mit einer farbigen Stärke versehen kann, durch welche sie ihr Kleid gefärbt sieht.

Ohne die vielen Nüançirungen hier zu beschreiben, will Verfasser sich vielmehr darauf beschränken, nur eine, und zwar die Lieblingsfarbe, offen hier mitzutheilen: es betrifft ein schönes Carmoisinroth. Um diese Farbenstärke zu bereiten, mit der die Kleider schön carmoisinroth gefärbt werden können, löse man 3 Theile Fuchsin in 20 Theilen Glycerin in der Weise auf, daß das Fuchsin in einen Mörser gegeben und mit etwas Wasser zu einem dicken Breie angerieben wird, worauf dann die 20 Theile Glycerin unter Umrühren zugesetzt werden. Durch diese Operation wird das Fuchsin sofort und vollständig gelöst, ohne daß man wie bisher nöthig hätte, Alkohol als Lösungsmittel anzuwenden. Nachdem durch den Zusatz des Glycerins das Fuchsin gelöst und die Masse eine gleichförmige Carmoisinfarbe angenommen hat, werden dann der Masse unter gehörigem Umrühren 150 Theile vorher fein zerriebene Stärke zugesetzt, worauf dann die Masse auf Horden, auf welche vorher ungeleimtes Druckpapier ausgebreitet war, gegeben und an der Luft getrocknet wird. Dieß also ist die Carmoisinstärke. Um nun damit ein weißes Kleid, nachdem es gewaschen worden ist, zu färben, wird, wie gewöhnlich, eine Partie davon genommen und mit kochendem Wasser behandelt, ähnlich wie man Stärke bereitet, und mit dieser Masse wird das Kleid oder der Stoff gestärkt und damit ist es zugleich gefärbt. Das Kleid oder der Stoff wird dann getrocknet und nach dem Trocknen etwas befeuchtet und dann mit einem heißen Eisen geglättet (gebügelt.) Zum Schlusse bemerkt der Verfasser noch, daß diese Carmoisinfarbe, wie hier beschrieben, zwar von Jedem leicht angefertigt werden kann, daß aber auch die Stärke von Bredt und Comp. in Barmen bezogen werden kann, wie auch dieses Fabrikgeschäft vom Verfasser noch andere Vorschriften zum Anfertigen von Farbenstärken erhalten wird, so daß die Kleider und andere Stoffe in jeder Nüançirung gefärbt werden können. (Zeitschrift des allgemeinen österreichischen Apotheker-Vereines.)

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