Titel: Ueber Weinmischung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 16 (S. 191–192)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_16

Ueber Weinmischung.

Um aus Anlaß eines praktischen Falles über eine in Frankreich übliche Weinbereitung näher unterrichtet zu werden, wurde über folgende Fragen Erkundigung eingezogen:

  • 1) Was versteht man unter der Operation travailler le vin,“ wodurch die Weinhändler in Bordeaux, Havre, Rouen u.s.w. den Wein für den Markt von Paris und anderen großen Städten, sowie des Auslandes präpariren?
  • 2) Werden hierbei dem Weine Zusätze gegeben, wie Alkohol, südliche Weine, Zucker, Glycerin, Rosinen, Farbstoffe, Bouquet u.s.w. – und wenn – in welcher Form und Menge?
  • 3) Werden diese Zusätze als gegen den Code pénal Art. 423 und 475, sowie gegen das Gesetz vom 10., 19. und 27. März 1851 über die Unterdrückung gewisser Betrügereien im Waarenverkauf verstoßend, angesehen und verheimlicht, oder werden sie offen betrieben?
  • 4) Kommen Verurtheilungen auf Grund obiger Gesetze vor? wie häufig und in welchem Strafmaaße?

Hierauf wurden von unterrichteter Seite folgende Antworten gegeben:

  • 1) travailler le vin will heißen: eine Sorte Wein mit einer anderen Sorte Wein vermischen, d.h. eine gewisse Quantität Wein aus dem mittäglichen Frankreich, welcher sehr wohlfeil ist (Departements Hérault, Pyrenées-Orientales, Aude, Gard etc. etc.), mit dem in Bordeaux (Gironde), in Burgund (Côte d'or und Yonne), in Beaujolais (Rhône, Saône et Loire), Mâcon gezogenen theureren Weinen zu vermischen, um einen niedrigeren Preis zu erzielen. |192| In Bordeaux wird zu diesem Zwecke gewöhnlich ein dortiger leichter weißer Wein gewählt, mit Roussillon (Pyrenées Orientales) oder Narbonne (Aude) – rothem Wein – gemischt und mittelst der Mischung des Veilchensyrups das Bouquet des wirklichen rothen Bordeaux-Weines beigebracht.
    Der jeweilige Preissatz bedingt natürlich die gegenseitigen Quantitäten, welche gemischt werden.
  • 2) Die Mischung (le vinage) ist gesetzlich erlaubt, d.h. es darf dem Weine Alkohol bis zu 18° beigemischt werden, und der Alkohol kann 3/6 (Geist) vom Wein oder rothen Rüben (betteraves) seyn.
  • 3) Alle Ingredienzen sind verboten, ob sie der Gesundheit nachtheilig seyen oder nicht, und es ist der Chemie ein Leichtes, die Bestandtheile des Getränkes zu ermitteln.
  • 4) Das Fälschen des Weines ist mit einer Geldbuße von 25–1000 Frcs. und einer Gefängnißstrafe von 4 Tagen bis zu einem Jahre bestraft. Der gefälschte Wein wird in die Straße geschüttet.
    In Lyon sind Fälschungen selten, was wohl von dem relativ mäßigen Preise der in der Gegend producirten guten (Beaujolais) Weine abhängt.
    Jede Woche gibt es dagegen in Paris (Bercy) Verurtheilungen gegen Wein-Débits, welche eine gewisse Quantität Wasser unter den Wein mengen. Um so mehr schreitet man folglich gegen diejenigen Verkäufer vor, denen durch die Analyse bewiesen ist, daß ihr Wein verbotene Substanzen enthält. Wenn die in Paris in Beschlag genommenen Weine der Gesundheit nicht schädlich sind, werden sie confiscirt und an die Administration der Spitäler ausgetheilt. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1870, Nr. 26.)
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