Titel: Ueber Strickmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 2 (S. 184–185)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_2
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Ueber Strickmaschinen.

Die Lamb'sche Strickmaschine, von welcher eine eingehende Beschreibung im polytechn. Journal, 1869, Bd. CXCI S. 6 mitgetheilt wurde, hat in der letzten Zeit verschiedene Verbesserungen erfahren.

Um feineres Strickgarn verarbeiten zu können, wurde die Nadelzahl – ursprünglich 96 – vermehrt, und zwar baut die Schweizer Firma Dubied und de Watteville in Couvet Maschinen mit auswechselbaren Nadelplatten verschiedener Nadelstärken, dagegen die amerikanische Lamb Knitting Machine Manufacturing Company – Generalagent Biernatzki und Comp. in Hamburg – sowie der Dresdener Fabrikant Georg F. Lange Maschinen mit mehr oder weniger (80 bis 170) Nadeln. Letztere haben auch eine kleine Aenderung im Nadelführungsmechanismus erhalten, um wie bei den Schweizer-Maschinen Doppelpatent stricken zu können.

Entgegen der mehrseitigen Behauptung, daß sich die Lamb'sche Maschine nur zur Erzeugung sogenannter Socken eigne, ist constatirt, daß auch ziemlich große Frauenstrümpfe verfertigt werden und daß nach dem von E. Thierfelder und dem Unterzeichneten in Prag zuerst eingeführten Verfahren die Maschinenstrümpfe jenen mit der Hand gestrickten vollkommen nachgeahmt sind, während bis dahin die Ferse mit dem Vorderfuß durch eine nachträglich zu bildende Quernaht verbunden werden mußte. –

Die mehrseitig gepriesene Hinkley-Strickmaschine ist – nach Erachten des Referenten – unbrauchbar, wenn auch die Construction eine sinnreiche genannt werden muß. Es ist bei dieser ebenfalls unmöglich, alle Fadengattungen gleich-gut zu verarbeiten, die Maschine arbeitet wegen der Zahnstangenführung des Schlittens bedeutend langsamer als die Lamb'sche Strickmaschine; die Vorrichtung zum Zu- und Abnehmen ist dagegen einfach und schnell wirkend.

Die auf der Hinkley-Maschine gestrickte Arbeit ist stets flach und der Strumpf kann erst durch Zusammennähen vollendet werden, ohne hierbei die Façon und Schönheit der ähnlich fabrikmäßig erzeugten Strümpfe zu erreichen.

Der Ankauf dieser Maschinen kann demnach, auch wenn der Preis – 30 Dollars – ein niedrigerer würde, nicht empfohlen werden. (Dagegen spricht Ingenieur Kohn in den Mittheil. des niederösterr. Gewerbevereines, 1870 S. 92, ein günstiges Urtheil über Hinkley's Strickmaschine aus.)

Uhland's prakt. Maschinen-Constructeur, 1870 S. 29, berichtet nach amerikanischen Quellen über eine neue Strumpfstrickmaschine von Carey, welche alle bis jetzt bekannt gewordenen übertreffen soll.

Bei der Carey'schen Maschine wirkt ein sogenannter Jacquard-Cylinder (Prisma), welcher sich um eine horizontale Achse abwechselnd dreht, auf die geraden Nadeln, wodurch die Arbeit in irgend einer Form, Länge und Breite ausführbar wird. Man behauptet über die Leistungsfähigkeit dieser Maschine, daß sie in fünf Minuten einen vollkommenen Strumpf fertigt. Näheres über die Einrichtung ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Joh. Zeman. (Technische Blätter, 1870, erstes und zweites Heft, S. 98.)

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