Titel: Neues Verfahren zum Erhitzen von Steinzeuggefäßen in chemischen Fabriken etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 5 (S. 186–187)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi02_5

Neues Verfahren zum Erhitzen von Steinzeuggefäßen in chemischen Fabriken etc.

Bei der Ausführung von chemischen und pharmaceutischen Operationen im Großen ist es in der Regel nothwendig, zum Abdampfen und Destilliren Gefäße aus Steinzeug zu verwenden; bisher war es aber stets mit großen Schwierigkeiten verbunden, in solchen Gefäßen eine genügend hohe Temperatur zu erzeugen, ohne daß die benutzte Schale etc. barst oder zersprang. Die Anwendung von freiem Feuer verursacht unvermeidlich das Zerspringen des Gefäßes und Sandbäder bieten dem Durchgange der Wärme zu großen Widerstand dar. Mit einem Dampfmantel ist es unmöglich, selbst nur Wasser bis zum Siedepunkte zu erhitzen, wenn man nicht eine so hohe Dampfspannung anwendet, daß ein sehr gefährlicher Druck auf die Wandungen des Gefäßes ausgeübt wird.

Kürzlich hat sich nun der Ingenieur J. A. Coffey in England eine Methode patentiren, lassen, Steinzeuggefäße (Schalen, Blasen etc.) ohne Gefahr des Reißens bis circa 370° C. auf bestimmte Temperaturen dauernd zu erhitzen, welche in Folgendem besteht. Das aus den schwersten Antheilen des Petroleum oder der Paraffinproducte |187| sorgfältig abdestillirte schwere Paraffinöl, dessen Siedepunkt über 360° liegt, wird durch Circulation in dem Röhrensystem eines Ofens erwärmt und dann in den Mantel des Steinzeuggefäßes geleitet. Aehnlich dem Wasser bei der Heißwasserheizung bewegt es sich durch die Aenderung seiner Dichte in Folge der Erwärmung und Abkühlung innerhalb des in sich geschlossenen Apparates hin und her. Aus dem Röhrensystem des Heizofens, in welchem durch Anwendung von Schiebern das Feuer beliebig regulirt werden kann, steigt das erhitzte Oel in einen luftdichten Behälter, in welchem ein Pyrometer angebracht ist, zweigt sich von hier aus durch verschiedene Röhren nach den Mänteln der einzelnen Gefäße ab und kehrt dann, kälter geworden, nach dem tiefsten Theile des Heizofens zurück. Da außerdem der Ab- und Zufluß zu den Mänteln der Gefäße durch Hähne und Ventile regulirt werden kann, so läßt sich die Temperatur in den Gefäßen sicher controlliren. Die Vorzüge dieser Heizmethode schließen außerdem eine Ersparniß an Brennmaterial ein, welche angeblich bis 30 Proc. gegen die Erhitzung mit Dampf beträgt. Das Oel kann keinen Geruch verbreiten und läßt sich, ohne Veränderung zu erleiden und ohne Absatz zu bilden, jahrelang benutzen. Die hierzu nöthigen, für das Paraffinöl völlig undurchdringlichen Steinzeuggefäße werden besonders angefertigt von der Firma Doulton und Watts in Lambeth, London. (Chemical News, vol. XXI p. 265; Juni 1870.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: