Titel: Die Oxy-Hydrogen-Gasbeleuchtung in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 10 (S. 291–292)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_10

Die Oxy-Hydrogen-Gasbeleuchtung in Paris.

Die Oxy-Hydrogen-Gasbeleuchtung in Paris hatte bekanntlich mit ihrem ersten Debut auf dem dortigen Platze des Stadthauses Ende 1867 kein Glück. Trotzdem ist das Project, die Erfindung des Hrn. Tessié du Mothay auszubeuten, nicht aufgegeben; eine Gesellschaft, Société des Gaz Oxygène et Hydrogène, Tessié du Mothay et Comp ., 44 Rue Lafitte Paris,“ hat eine Fabrik zur Darstellung von Sauerstoff in Pantin, sie beleuchtet ein Magazin 35 Rue Lafayette, einen Theil des Bazar Européen, Boulevard Montmartre, zum Theil das Théâtre de la Gaîté und wird im Juni oder Juli einen größeren Versuch an der Straßenbeleuchtung ausführen, wozu ihr die Erlaubniß des Röhrenlegens von der Stadt dewilligt worden ist. Man |292| spricht davon, daß die Pariser Gasgesellschaft den Unternehmern 6 Millionen Francs angeboten haben soll, um das Patent für Paris zu erwerben; aber letztere versprechen sich weit größere Vortheile. Ein Actiencapital von 24 Millionen Francs in Actien zu 500 Frcs. sey bereits gezeichnet. Auch ist man thätig, die Erfindung in Deutschland bekannt zu machen, und ihre Einführung daselbst zu betreiben. Ein Wagen mit dem neuen Sauerstoffgas ist nach Frankfurt a. M. geschickt worden, um dort zu Versuchen benutzt zu werden; in Wien wird ein Ofen zur Darstellung von Sauerstoff gebaut, und sollen Versuche in größerem Maaßstabe zur Ausführung kommen. Man abstrahirt jetzt, von der Anwendung von reinem Wasserstoffgas und Zirkonstiften, und wendet als zweites Gas Leuchtgas oder auch Wasserstoff welchen man vorher carburirt, an. Zum Verbrennen dient ein Argandbrenner mit zwei concentrischen Löcherkränzen; aus dem einen Ringe strömt das Leuchtgas, aus dem anderen der Sauerstoff aus; zum Abschluß des Brenners genügt ein einziger Hahn. Einem Circular der Gesellschaft vom 31. März d. I. entnehmen wir Folgendes: Der Pariser Straßenbrenner, ein Schmetterlingsbrenner von 140 Litern Gasconsum per Stunde, kann bei einem Druck von 0,0025 Meter und mit der Leuchtkraft eines Argandbrenners von 160 Litern durch einen Hydro-Oxygen-Gasbrenner zum halben Preise ersetzt werden, und man erhält dabei ein weißeres, angenehmeres und constanteres Licht, ohne einen Glascylinder nöthig zu haben. Nach vielfachen Versuchen mit carburirtem Wasserstoffgas hat sich herausgestellt, daß die Absorption an Carburationsflüssigkeit, je nach der Beschaffenheit dieser Flüssigkeit, im Mittel 40 Grm. per Kubikmeter Wasserstoff beträgt, und daß sich damit der Kubikmeter carburirter Wasserstoff auf 30 bis 35 Cent. stellt. Ein kleiner Hydro-Oxygen-Gasbrenner (demi bougie) stellt sich demnach per Stunde auf

16 Liter Sauerstoff à 70 Cent, per Kubikmeter 1,12 Cent.
28 Liter carburirter Wasserstoff à. 35 Cent. per Kubikmeter 0,98 „
––––––––
zusammen 2,10 Cent.

Dieser Brenner gibt dasselbe Licht, wie ein gewöhnlicher Leuchtgasbrenner von 140 Litern Gasconsum per Stunde. Auf andere Maaße und Münze übertragen, heißt dieß also:

1000 Kubikfuß engl. Sauerstoff kosten 5 Thlr. 8 Sgr.
1000 „ „ carb. Wasserstoff „ 2 „ 19 „

Eine Flamme von der Leuchtkraft eines gewöhnlichen 5-Kubikfuß-Brenners kostet per Stunde 0,168 Sgr. = 0,588 kr.

1000 Kubikfuß gewöhnliches Steinkohlengas haben nach dem neuen Verfahren einen Werth von 1 Thlr. 4 Sgr. = 1 fl. 59 kr. (Journal für Gasbeleuchtung, 1870 S. 302.)

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