Titel: Erklärung der Einwirkung des Braunsteins auf das chlorsaure Kali bei der Sauerstoffgasbereitung; von Dr. Georg Krebs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 13 (S. 293–294)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_13

Erklärung der Einwirkung des Braunsteins auf das chlorsaure Kali bei der Sauerstoffgasbereitung; von Dr. Georg Krebs.

Die Thatsache, daß chlorsaures Kali mit Braunstein oder Eisenoxyd gemengt seinen Sauerstoff viel leichter bei der Erhitzung abgibt, als wenn es allein erhitzt wird, scheint dermalen ihre Erklärung noch nicht gefunden zu haben; selbst in den Lehrbüchern |294| neuesten Datums spricht man noch immer von einer katalytischen Kraft, die doch nichts weiter ist als ein bequemer Collectivname für eine große Anzahl, äußerlich allerdings verwandter, dem inneren Wesen nach aber jedenfalls sehr verschiedenartiger Einwirkungen.

Was nun speciell die Einwirkung des Braunsteines oder Eisenoxydes auf chlorsaures Kali angeht, so dürfte sich die Sache folgendermaßen verhalten: Wenn man einen Körper, der nicht flüssig gemacht werden kann, erhitzt, so steigert sich seine Temperatur beständig und zwar ziemlich rasch, da feste Körper (im Vergleich mit flüssigen) meist eine geringe specifische Wärme haben, bessere Leiter sind und ein größeres Absorptionsvermögen besitzen. Außerdem brauchen sie keine latente Wärme zum Flüssigwerden. Man kann also, wenn der Körper zersetzbar ist, leicht an den Punkt kommen, wo alle zugeführte Wärme, die auch der Körper verhältnißmäßig leicht aufnimmt, zur Zersetzung verwandt wird. Körper dagegen, welche beim Erhitzen flüssig werden und deren Schmelzpunkt nicht, oder nicht merklich höher liegt als der Punkt, bei welchem sie sich zersetzen, zerlegen sich nur langsam; sie erfordern viel Wärme bis sie geschmolzen sind, und durch das geringe Absorptionsvermögen geht auch alsdann die' Zersetzung nur langsam vor sich. (Von der schlechten Leitungsfähigkeit wollen wir nicht reden, da bei flüssigen Körpern die Strömung ausgleichend eintritt.) Beim chlorsauren Kali speciell ist noch ein anderer Umstand besonders beachtenswerth. Wenn nämlich die Zersetzung bei starkem Erhitzen heftiger zu werden anfängt, so muß man das Feuer mäßigen, damit die Retorte nicht abschmilzt; es bilden sich am Boden derselben leicht große Gasblasen, so daß derselbe nicht mehr von der Flüssigkeit berührt und deßhalb sehr heiß wird.

Man kann nun bei flüssigen Körpern allerhand Kunstgriffe anwenden, um entweder eine raschere Verdunstung oder Zersetzung zu bewirken: Bei den Salinen läßt man das Salzwasser über Dornen herabfallen; es zerspaltet sich dabei in zahllose Tropfen, von denen nunmehr jeder einzeln von der Sonne beschienen wird. Will man Oel rasch zersetzen, so braucht man es nur in dünnen Schichten auf glühende Platten zu gießen. Jedem einzelnen Oeltröpfchen wird hier direct eine große Hitze zugeführt. Um Leuchtgas aus Harz zu fabriciren, läßt man dasselbe in. feinem Strahl auf Ziegelsteine fallen, welche in einer Retorte in starker Gluth erhalten werden. Etwas Aehnliches, wie in den zwei letztgenannten Fällen tritt bei der Erhitzung eines Gemenges von chlorsaurem Kali und Braunstein ein (warum aber nicht, kann man fragen, bei Anwendung von feinem Quarzsand, statt des üblichen Eisenoxydes und anderer Oxyde? d. Red.) Der Braunstein, als fester Körper, wird rasch heiß und nimmt leicht die zugeführte Wärme auf; jedes Körnchen chlorsaures Kali ist mit einem heißen Braunsteinkörnchen in Berührung. Allerdings wird der Braunstein sich nicht übermäßig erhitzen (was schon der Umstand beweist, daß er nicht zersetzt wird), denn das chlorsaure Kali entzieht ihm rasch die Hitze, welche es zum Schmelzen und zur Zersetzung nöthig hat; immerhin aber dürfte der Braunstein beträchtlich heißer werden, als das geschmolzene chlorsaure Kali allein für sich werden würde. Es ist also gerade so gut, als ob chlorsaures Kali in einer dünnen Schicht auf eine heiße Platte gestreut werde.

Wenn behauptet wird, man brauche zur Zersetzung des chlorsauren Kalis bei Gegenwart von Braunstein oder Eisenoxyd weniger Wärme, als ohne diese Körper, so rührt dieß daher, daß der Braunstein und das Eisenoxyd leichter die zugeführte Wärme aufnehmen und an das chlorsaure Kali abgeben, so daß also nicht so viel Wärme verloren geht.

Eine sehr heftige Zersetzung des chlorsauren Kalis kann man auf folgende Art bewirken: Man erhitze Eisenoxyd oder Braunstein in einem Tiegel und bringe zugleich chlorsaures Kali in einer Porzellanschale zum Schmelzen. Wenn das Eisenoxyd recht heiß ist, entferne man die Flamme unter der Porzellanschale und schütte das Eisenoxyd in das flüssige chlorsaure Kali. Die Gasentwickelung wird so stürmisch, daß die Masse überschäumt, weßhalb man gut thut, vorher ein größeres Gefäß unter die Porzellanschale zu stellen, in welches das Ueberschäumende ablaufen kann.

Aehnlich wie Braunstein und Eisenoxyd werden alle Körper wirken, welche durch Erhitzen nicht flüssig werden und sich nicht mit dem chlorsauren Kali zersetzen: Zinkoxyd, Zinnoxyd, gebrannter Gyps u.s.w. Sind diese Körper feucht, so ist es nothwendig, sie vorher durch Erhitzen in einem Tiegel zu trocknen. (Zeitschrift für Chemie, Jahrg. XIII, S. 243.)

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