Titel: Ueber phosphorsauren Kalk aus Canada und einige andere, zur Fabrication von Superphosphat verwendete mineralische Phosphate; von W. R. Hutton.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 14 (S. 294–295)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_14
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Ueber phosphorsauren Kalk aus Canada und einige andere, zur Fabrication von Superphosphat verwendete mineralische Phosphate; von W. R. Hutton.

Bekanntlich wird der agronomische Werth eines natürlichen Phosphorsauren Kalkes im Allgemeinen von dem Phosphorsäuregehalt desselben bedingt; der Werth dieser Phosphorsäure sinkt jedoch bedeutend, wenn das Mineral viel kohlensauren Kalk enthält, und zwar hauptsächlich wegen der großen Menge Schwefelsäure welche erforderlich ist, um vor dem Aufschließen des Kalkphosphates den kohlensauren Kalk zu zersetzen. Dasselbe gilt für solche Kalkphosphate welche Eisenverbindungen enthalten; das Eisen nimmt eine äquivalente Menge Schwefelsäure auf und bildet, indem es sich höher oxydirt, eine Verbindung welche dem Pflanzenleben direct schädlich ist. In den natürlichen Kalkphosphaten ist auch stets Fluorcalcium enthalten, zu dessen Zersetzung ebenfalls Schwefelsäure erforderlich ist; dadurch werden die Darstellungskosten des Superphosphats vermehrt, während die gleichzeitig entwickelten gasförmigen Fluorverbindungen sehr belästigend sind. Von allen natürlichen Kalkphosphaten kommt keines zu ausgedehnterer Anwendung als die Koprolithen und doch wird kein anderes von Seiten der Landwirthe so wenig richtig beurtheilt. Wenn auch Agronomen und selbst manche Düngerfabrikanten geneigt sind, das aus den Koprolithen dargestellte Superphosphat mit mißtrauischen Augen anzusehen, so ist doch Hutton durch eigene Erfahrung zu der Ueberzeugung gelangt, daß Kalksuperphosphat als Düngemittel stets denselben chemischen Werth besitzt, gleichviel, aus welchem Rohmaterial dasselbe gewonnen worden. Hutton besprach in seinem am 14. März d. I. in der Philosophical Society zu Glasgow gehaltenen Vortrage (dem wir diese Mittheilung entnehmen) die Abstammung und Natur der Koprolithen und die Ausdehnung ihrer Lagerstätten in Cambridgeshire, Bedfordshire und Suffolk, aus denen jährlich über 200,000 Tonnen gewonnen werden und betonte dann die Notwendigkeit, für die Bedürfnisse des brittischen Ackerbaues noch andere Fundstätten dieses Minerales zu benutzen, selbst wenn diese in anderen Ländern existiren. Die Producte der Phosphorit-Ablagerungen Deutschlands und Spaniens werden bereits in ausgedehntem Maaße nach Britannien eingeführt, obgleich dieselben nicht den Werth der englischen Koprolithen haben. Er erwähnte eines mächtigen und werthvollen Lagers von diesem Rohstoffe in Südcarolina, auf welches sich in neuerer Zeit die Aufmerksamkeit der Düngerfabrikanten gerichtet hat und theilte hierauf mit, daß ihm vor mehreren Monaten Proben von Phosphorsaurem Kalk aus Canada zugegangen seyen, von einem Fundorte wo dieses Rohmaterial in beinahe fünfzehn Fuß Mächtigkeit ansteht; das Mineral ist, soweit sich nach den bisherigen Untersuchungen urtheilen läßt, von vortrefflicher Qualität. Mehrere von den ihm zugesendeten Exemplaren zeigen wohlausgebeldete Krystalle, sechsseitige Prismen; die übrigen Stücke bilden derbe Massen; beide Varietäten aber besitzen Glasglanz und sind theils grün und bläulichgrün, theils roth gefärbt. Hutton erhielt bei seinen Analysen nachstehende Resultate:

Derbe Massen. Krystalle.
Phosphorsauren Kalk 86,61 90,82
Fluorcalcium 7,22 5,70
Chlorcalcium 0,06 0,14
kohlensauren Kalk 4,47 0,38
Feuchtigkeit 0,08 0,32
Sand 0,10 0,10
–––––– –––––
98,54 97,46
Eisenoxyd 0,40
––––––
97,86
specifisches Gewicht 3,142 3,166

Hinsichtlich seiner physikalischen Eigenschaften unterscheidet sich dieser canadische Apatit von allen übrigen natürlichen Kalkphosphaten durch seine kristallinische Structur; in chemischer Beziehung unterscheidet er sich von denselben dadurch, daß er mehr phosphorsaure und weniger kohlensaure Kalkerde, sowie weniger Sand enthält. (Chemical News, vol. XXI p. 150; April 1870.)

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