Titel: Versuche mit combinirten Panzerplatten aus Eisen und Stahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 2 (S. 286–287)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_2

Versuche mit combinirten Panzerplatten aus Eisen und Stahl.

Für die Armirung der Verdecke der zwei im Bau begriffenen Donaumonitors wurden 9 Linien starke Eisenbleche in Aussicht genommen; da jedoch in neuerer Zeit Hr. Oberlieutenant Thiele die nach seinem Patente hergestellten combinirten Platten aus zusammengeschweißten Eisen- und Stahlblechen in Vorschlag brachte, so wurde die |287| definitive Entscheidung in dieser Angelegenheit bis zum Abschlusse der dießbezüglich angeordneten Versuche aufgeschoben. Diese vor einiger Zeit durchgeführten Versuche haben ein höchst zufriedenstellendes und überraschendes Resultat geliefert.

Die von der Neuberg-Mariazeller Gewerkschaft gelieferte Scheibe stellte genau ein Stück des Monitorverdeckes mit den Versteifungsrippen dar und hatte eine Fläche von 60 Quadratfuß; die Platte aus Neuberger Material war 7 1/2 Linien dick, wovon 3 Linien auf die vordere Eisenschicht und 4 1/2 Linien auf die hintliegende, vollkommen verschweißte Stahlschicht (Bessemer Nr. 5) entfielen.

Die Rippen waren in Entfernungen von 3 Fuß angebracht, so daß die Bleche von 3 Fuß Höhe und 10 Fuß Länge nur an ihren Zusammenstößen durch die ersteren gehalten wurden und rückwärts ganz frei waren. Die Beschießung fand durch einen 6pfündigen gezogenen Hinterlader auf eine Entfernung von 500 Schritten statt.

Die Anforderung welche an die so construirte Scheibe gestellt wurde und die sie erfüllen sollte, um für den gedachten Zweck zu genügen, war die, daß dieselbe an den nicht durch Rippen unterstützten Stellen Schüsse aus dem eben erwähnten Sechspfünder auf 500 Schritte Distanz mit einer Pulverladung von 34 Loth und unter einem Treffwinkel von 15° ohne Schaden aushalten, d.h. außer der unausbleiblichen Einbiegung keine Durchlöcherung gestatten solle.

Die früher abgeführten Versuche mit 9 Linien starken Schmiedeeisen-Platten aus einem ungarischen Werke entsprachen kaum diesen Anforderungen, indem die Geschosse in den günstigsten Fällen tiefe Einbiegungen mit einem starken Längenrisse an der ausgebauchten Stelle erzeugten.

Um bei den Versuchen mit den combinirten Platten zu einem richtigen Urtheile zu gelangen, wurde die Scheibe vorerst unter einem Treffwinkel von 20 Grad beschossen, und zwar mit einer Pulverladung die einer Entfernung des Geschützes von 2000 Schritten entsprach. Bei drei solchen Schüssen drang nur einer an einer ungünstigen Stelle der Platte durch dieselbe, während die beiden anderen, welche in die Mitte der Platte trafen und daher von den Unterstützungspunkten am weitesten entfernt waren, außer einer Einbiegung von circa 12 Linien nicht den geringsten Sprung erzeugten. Das war bereits ein Resultat, das vordem nie erreicht worden war und daher allgemein als höchst befriedigend anerkannt wurde.

Bei dem normalmäßigen Beschießen unter einem Treffwinkel von 15 Grad und auf eine Entfernung von nur 500 Schritten bei voller Pulverladung (nämlich 34 Loth) konnte durch gar keinen Schuß nicht einmal der leiseste Sprung an den im Durchschnitte 7 Linien stark eingebogenen Treffstellen wahrgenommen werden.

Diese Resultate, welche die Erwartungen aller anwesenden Commissionsmitglieder weit übertroffen hatten, liefern den Beweis einerseits für die außergewöhnliche Güte des Materiales, welches auch nicht einmal den feinsten Sprung zeigte und bei dem durchschossenen Stücke die vortreffliche Schweißung der beiden so verschiedenartigen Metalle erkennen ließ; andererseits für die richtige und zweckentsprechende Verwendungs-Methode des Schmiedeeisens und Stahles für die Erzeugung von Panzerplatten, wie dieß durch das Patent des Oberlieutenants Thiele vorgeschlagen ist. Insbesondere konnte man die Ueberzeugung gewinnen, daß die Frictionswirkung des Geschosses durch die vorn liegende Schmiedeeisenschicht in ausgiebigster Weise amortisirt wurde, während der hinten liegende Stahl wegen Beseitigung aller jener Momente, welche ein Anreißen und Springen desselben zur Folge haben könnten, den eigentlichen Stoß ohne Gefahr für seine Continuität auszuhalten vermochte. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1870, Nr. 22.)

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