Titel: Gewinnung des in Gießereihütten im Formsande und in der Kupolofenschlacke zurückbleibenden Roheisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 3 (S. 287–288)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_3

Gewinnung des in Gießereihütten im Formsande und in der Kupolofenschlacke zurückbleibenden Roheisens.

Jedem Eisenhüttenmann und Gießerei-Techniker überhaupt ist der nicht unbedeutende Verlust an Roheisen bekannt, der beim Gießen von Gußwaaren entsteht und beim Hohofenbetriebe das Ausbringen aus der Beschickung, und beim Kupolofen aus dem eingeschmolzenen Roheisen verringert. Dieser Verlust beziffert sich auf 3 bis 4 Proc. des erzeugten Gußwaarengewichtes, und wird durch Durchwerfen des gebrauchten Sandes durch Drahtsiebe vermindert, jedoch nie ganz behoben.

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Ein einfaches, bei jedem Eisenwerke sowie bei den Fabrik-Eisengießereien anwendbares Verfahren läßt den ganzen Roheisenverlust hereinbringen.

Die ganze Vorrichtung ist eine Fluthwäsche, bestehend aus einem Gerinne von 18 Fuß Länge, 12 Zoll Breite, welches 15 1/2 Zoll gegen die Horizontale geneigt ist. Das Gerinne ist durch eingelegte, 1 1/2 Zoll hohe Holzklötzchen in 3 Theile getheilt und dienen dieselben zum Auffangen der dünnen Gußnähte, welche vom Wasserstrahl mit fortgerissen werden.

Am oberen Theile der Rinne wird der gebrauchte Formsand eingeworfen, der Wasserstrahl nimmt den Sand mit und bleibt das in demselben gewesene Roheisen am Boden des Gerinnes liegen, welches bei Abstellung des Wasserzulaufes mittelst eines Wechsels mit der Schaufel herausgehoben wird. Bei der Wäsche sind 2 Arbeiter beschäftigt, wovon der eine die Zufuhr des Sandes, der zweite das Waschen desselben besorgt und in 6 eilfstündigen Schichten 30–32 Ctr. Roheisenabfälle bei einem Kostenaufwande von 6 fl. ö. W. gewinnen. Der nöthige Wasserbedarf ist 4 Kubikfuß in der Minute.

Die gewonnenen Roheisenabfälle werden hier der Eisenerzgicht beigemengt, im Hohofen eingeschmolzen und brachten das Ausbringen von Roheisen aus der Beschickung auf 34 und 35 Proc., verminderten den Holzkohlenaufwand auf 14 1/4–14 3/4 Kubikfuß, während ohne Waschen des gebrauchten Formsandes das Ausbringen 30 bis 31 Proc., der Holzkohlen-Aufwand 16–16 1/2 Kubikfuß war bei gleicher Gattirung und gleicher Qualität der Eisensteine und gleicher Holzkohle, aus weichen Remmel- und Durchforstungs-Hölzern und Stockhölzern geköhlt.

Das erzeugte Roheisen ist tiefgrau und wird die ganze Erzeugung für Gußwaaren verwendet. Die angeführten Vortheile sind ebenfalls in Kupolofengießereien zu erzielen, wenn der gebrauchte Formsand dem Waschprocesse unterworfen wird, wodurch das Calo verringert wird. Aber ein anderer Roheisenverlust beim Kupolofenbetriebe besteht auch in dem Zurückbleiben von Eisenkörnern in der Schlacke, welche bei den aschenreichen Kohks trotz reichlichem Kalkzuschlag sehr zähe ist, und von den Windformen erkaltet das schmelzende Roheisen mit einschließt. Nach Erkalten der Kupolofenschlacke, welche nach vollendeter Kupolofenschmelzung herausgebrochen wird, wird dieselbe einer Handscheidung unterzogen und ein Theil des in derselben enthaltenen Roheisens gewonnen, hierauf in ein Stampfwerk gebracht, zu Sand gepocht, welcher mit einem Wasserstrahle weggeschwemmt die Roheisenkörner am Boden zurückläßt.

Zwei Arbeiter stampfen in 6 eilfstündigen Schichten 630–648 Kubikfuß Kupolofenschlacke, bei einem Ausbringen von 60 Centner Roheisenkörnern, bei einem Arbeitslohne von 6 fl. ö. W. Nach gemachten Versuchen stellt sich der Roheisenverlust in der Kupolofenschlacke auf 1 Proc. von dem eingeschmolzenen Roheisen, der durch das Pochen der Schlacke wieder behoben wird. Es resultirt daher, daß durch Waschen des gebrauchten Formsandes und Pochen der Kupolofenschlacke in Kupolofengießereien das Calo um 4 Proc. vom eingeschmolzenen Roheisen verringert wird. Edmund Fischer, fürstl. Colloredo-Mannsfeld'scher Berg-, Hütten- und Maschinenfabrik-Verwalter zu Althütten bei Dobrisch. (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1870, Nr. 29.)

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