Titel: Merkwürdige Erscheinung mit japanesischen Metallspiegeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 4 (S. 288–289)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_4

Merkwürdige Erscheinung mit japanesischen Metallspiegeln.

Unter den Objecten, welche derzeit in der Mustersammlung des nieder-österreichischen Gewerbevereines exponirt sind, erregen die allgemeine Aufmerksamkeit mehrere plangeschliffene Metallspiegel, welche die merkwürdige Eigenschaft besitzen, daß sie nicht nur das Licht reflectiren, sondern auch Schriftzeichen, die sich rückwärts des Spiegels befinden.

Der Spiegel besteht aus einer Metallcomposition, ist rund und hat 9 Zoll im Durchmesser. Er ist auf einer Seite flach geschliffen und zeigt auf der entgegengesetzten Seite eine Landschaft im Relief. Mitten in dieser Landschaft befinden sich zwei japanesische Zeichen, in gleicher Höhe wie die anderen höheren Reliefpunkte, nur mit dem Unterschiede daß sie ebenfalls spiegelglatt geschliffen sind. Läßt man nun die Sonne auf die Planfläche des Spiegels scheinen, so zeigen sich auf einer gegenübergehaltenen weißen glatten Papierwand ganz deutlich jene polirten japanesischen Zeichen, nebst der |289| Abspiegelung der runden Scheibe, mit hellerem Lichte. Der Spiegel hat eine Dicke von 1 1/2 Linien, die erwähnten polirten Buchstabenzeichen, ebenso auch die höchsten Stellen in der Landschaft, wie Baumstämme, Vögel u. dgl., eine Dicke von 2 Linien.

Nun ist es wohl interessant zu wissen, wie diese seltsame Spiegelung und die verschiedene Aufnahme und Abgabe der Lichtstrahlen bewerkstelligt wird. Nach der Meinung von praktischen Technikern wäre der Guß des Metalles bei jenen Stellen, welche wie hier um 1/2 Linie höher sind, auch dichter, da die Krystalle langsamer erkalten, also auch feinkörniger werden konnten. Deren dichtere Textur erhielt somit auch eine erhöhte Spiegelung, die freilich dem bestbewaffneten Auge bei dem ersten Anblicke des Spiegels völlig unsichtbar ist.

Daß diese sonderbare Erscheinung am ehesten in der Dichte des Metalles zu suchen ist, beweist nach sorgfältigen Untersuchungen, daß nicht nur jene polirten japanesischen Buchstaben, sondern auch jene höheren landschaftlichen Theile, die doch matt gehalten sind, sowie sie eben vom Gusse kommen, ebenfalls erscheinen.

Dadurch entfällt auch die irrige Meinung der Physiker, daß die Buchstaben eigens aufgegossen wären, sowie auch die Behauptung, daß diese Erscheinung nur auf einem Scherz beruhen könne, indem jene Stellen welche die Buchstaben tragen, auf dem Planspiegel an ihren entsprechenden Stellen etwas feiner polirt worden wären. (Mitgetheilt von Herrn J. C. Ackermann, Secretär des nieder-österreichischen Gewerbevereines.)

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