Titel: Ueber Lithofracteur und Dualin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 9 (S. 290–291)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi03_9

Ueber Lithofracteur und Dualin.

Der Lithofracteur, ein Sprengmittel welches Gebr. Krebs in Deutz a. Rh. neuerdings in den Handel bringen, hat nach J. Trauzl, Oberlieutenant der k. k. österr. Geniewaffe („Explosive Nitrilverbindungen etc.,“ Wien 1870, C. Gerold's Sohn), annähernd folgende Zusammensetzung:

Nitroglycerin 52 Gewichtsproc.
Kieselguhr und Sand 30 „
Steinkohle 12 „
Natronsalpeter 4 „
Schwefel 2 „

Der Lithofracteur ist also nichts anderes als Dynamit, dem etwa 20 Proc. eines sehr schlecht combinirten, einen enormen Ueberschuß an Kohle enthaltenden Schwarzpulvers beigesetzt sind. Dieser Zusatz an Schwarzpulver soll den Zweck haben, die Explodirbarkeit des Präparates auch bei niederen Temperaturen zu sichern, ein Zweck |291| der nahezu gegenstandslos ist. Der Lithofracteur bietet gegenüber dem Dynamit gar keine wesentlichen Vortheile, dagegen eine Reihe bedeutender Nachtheile. Er ist:

1) weitaus empfindlicher gegen hohe Temperaturen als Dynamit. Während die Entzündungstemperatur dieses letzteren 190° C. beträgt, ist jene des Lithofracteur 120°;

2) ist er empfindlicher gegen die Einwirkungen von Feuchtigkeit und Wasser, was zunächst durch den Gehalt an Natronsalpeter, der bekanntlich sehr hygroskopisch ist, herbeigeführt wird;

3) durch den Ueberschuß an Kohlenstoff entwickelt er bei der Explosion eine große Menge von Kohlenoxydgas, also schädlichere Verbrennungsproducte als das Dynamit;

4) bei gleichem Volumen ist, wie aus der Zusammensetzung klar hervorgeht, seine Kraft eine geringere als jene des Dynamits, eine für die meisten Zwecke des Bergbaues sehr in's Gewicht fallende Thatsache.

Besser constituirt als der Lithofracteur ist das Dualin.63) Es besteht annähernd aus:

Nitroglycerin 50 Gewichtsproc.
feinen Sägespänen 30 „
Kalisalpeter 20 „

Gegenüber dem Dynamit hat dieses Sprengmittel alle Nachtheile welche die Verbindung des Nitroglycerins mit einem so brennbaren und das Sprengöl schlecht aufsaugenden Stoff, wie es das mit Salpeter imprägnirte Holz ist, besitzt. Es ist:

1) bedeutend empfindlicher gegen Feuer und gegenüber mechanischen Einwirkungen, Letzteres besonders im gefrorenen Zustand. Gleich bei den ersten Versuchen in Oesterreich kam bei dem Ausbohren der zum Einbringen des Zündhütchens nöthigen Oeffnung in einer gefrorenen Dualinpatrone, trotzdem diese Operation mit größter Sorgfalt von einem im Sprengfach sehr vertrauten Mann ausgeführt wurde, ein bedauernswerther Unfall vor;

2) die Holzspäne haben eine sehr geringe Aufsaugungsfähigkeit für Nitroglycerin und müssen deßhalb bereits bei dem geringen Gehalte von 40 bis 50 Proc. die Ladungen in sehr starke Papierhüllen eingeschlossen werden;

3) das specifische Gewicht ist nur 1,02, also um 50 Proc. geringer als jenes des Dynamits. Gibt man also selbst zu, daß das Dualin bei gleichem Gewicht dieselbe Sprengkraft wie das Dynamit besitzt, so hat es doch bei gleichem Volumen eine um 50 Proc. geringere Sprengkraft, ein Punkt der für die Verwendung im Bergwesen Ausschlag gebend ist;

4) ebenso wie der Lithofracteur enthält das Dualin einen bedeutenden Ueberschuß an Kohlenstoff; die Explosionsgase müssen daher eine bedeutende Menge von Kohlenoxyd enthalten, also im Grubenbetrieb entschieden schädlicher wirken als jene des Dynamits. Der Vortheil, den es ebenso wie der Lithofracteur gegenüber dem Dynamit besitzt, ist der, daß es bei niederer Temperatur auch mit gewöhnlichen Zündhütchen explodirbar ist. Dieser Vortheil ist aber bei dem Umstande daß bei Gesteinsprengungen nur weiche Nitroglycerinpulver angewendet werden dürfen, sehr gering anzuschlagen und compensirt keineswegs die zahlreichen Nachtheile. (Deutsche Industriezeitung, 1870, Nr. 29.)

|291|

Von C. Dittmar in Charlottenburg; man sehe über dasselbe die Mittheilungen im polytechn. Journal Bd. CXCVI S. 89 (erstes Aprilheft 1870).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: