Titel: Der weiße Ueberzug auf getrockneten Zwetschen; von M. Hebberling in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 11 (S. 384)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi04_11

Der weiße Ueberzug auf getrockneten Zwetschen; von M. Hebberling in Darmstadt.

Hin und wieder ist in Schriften, die über Nahrungsmittel und deren Verfälschungen handeln, angegeben, daß der weiße Beschlag, der sich auf getrockneten Zwetschen findet, nicht wie sonst allgemein bekannt ist, aus Zucker, sondern aus Milben bestehe, die sich auf den Früchten angesiedelt. Einem hiesigen Kaufmanne wurden dieser Tage solche mit einem weißen Ueberzug versehene Früchte als ungenießbar von einem Käufer wieder zurückgesendet und wurde ich deßhalb veranlaßt die Sache näher zu prüfen. Die fragliche Sorte Zwetschen war ausnehmend süß, die meisten Früchte, sie stammten aus der 68. Ernte, waren mit einer an einigen Stellen oft fast Millimeter dicken Kruste überzogen, so daß sich Material für die mikroskopische Untersuchung in ausreichender Fülle bot. Vorsichtig wurde ohne die Oberhaut zu verletzen etwas davon abgeschabt und auf dem Objectträger mit Wasser zusammen gebracht; fast die ganze Menge der Substanz löste sich auf, und unter dem Mikroskop konnte auch bei sehr starker Vergrößerung keine Spur von lebenden oder todten Milben entdeckt werden. Der geringe, unlösliche Rückstand bestand wesentlich aus kleinen Mineraltrümmern, einzelnen Pilzfäden und Pilzsporen, Pflanzenüberresten und einigen Stärkekörnern; die wässerige Lösung des Ueberzuges reducirte die Fehling'sche Kupferlösung, bestand deßhalb wesentlich aus Fruchtzucker.

Um die Sache weiter zu verfolgen, kaufte ich an vier verschiedenen Orten gedörrte Zwetschen, die einen mehr oder weniger starken weißen Ueberzug hatten und fand nirgendwo lebende Wesen auf denselben. Durch den Geschmack aber ließ sich leicht constatiren, daß die Menge der inkrustirenden Substanz einen Maaßstab für die Güte der Früchte abgab, je weißer nämlich die Zwetsche, desto süßer war sie auch.

Die Meinung, daß Milben sich immer auf den alten Zwetschen vorfinden, ist deßhalb nicht richtig und die Hausfrauen dürfen getrost nach der alten Regel kaufen, daß die beim Lagern weiß gewordenen Früchte sehr zuckerreich und wohlschmeckend und nicht von ekelhaften Parasiten bewohnt sind. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1870 S. 116.)

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