Titel: Verhalten Field'scher Röhrenkessel bei Anwendung schlechten Speisewassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 2 (S. 378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi04_2

Verhalten Field'scher Röhrenkessel bei Anwendung schlechten Speisewassers.

Auf einem mährischen Eisenwerke wurde nach einer Mittheilung im „Arbeitgeber“ der Dampfkessel mit einem Wasser gespeist, welches alle Untugenden, die ein schlechtes Kesselspeisewasser nur haben kann, in reichem Maaße besaß; dasselbe enthielt kohlensauren und schwefelsauren Kalk, Magnesiasalze, organische Verunreinigungen und war in Folge Einflusses der Schwefelgase in Brand stehender benachbarter Kohlenfelder auch noch sauer. Daß hier der Verschleiß der Dampfkessel höchst bedeutend, das Auspicken des Kesselsteines aber eine endlose kostspielige Arbeit ist, leuchtet ein und wurde schon deßhalb seit Ende 1857 mit versuchsweiser Aufstellung Field'scher Röhrendampfkessel vorgegangen. Wie erwartet, stellte sich bei einer Kesselanlage von 6 Kesseln, von denen 5 Cornwaller, der sechste ein Field'scher, bald das Resultat heraus, daß, während erstere trotz aller möglichen Kesselsteinpulver abgelassen und ausgepickt werden mußten, der letztere ohne Kesselsteinabsatz arbeitete und nur von 3 zu 3 Monaten einmal abgelassen werden durfte, um den auf dem Boden angehäuften Schlamm zu entfernen. Gleichzeitig machte sich eine merklich geringere Wasserausscheidung an einem in die gemeinsame Dampfleitung eingeschalteten Condensationswasserableiter bemerklich. Bei diesen günstigen Resultaten wählte man zum Betrieb eines zur Aufstellung gelangenden Dampfhammers von 100 Ctrn. ebenfalls einen Field'schen verticalen Kessel, welcher separat an der Außenwand des Puddlingwerkes aufgestellt und mittelst ziemlich langer horizontaler Dampfleitung mit dem Hammercylinder in Verbindung gebracht wurde. Zuerst ging der Betrieb sehr gut, der Kessel ergab eine hohe Brennmaterialausnutzung. Die starke Condensation des Dampfes in der Rohrleitung veranlaßte auch hier die Anbringung eines Dampfentwässerers. Dieser schied zuerst erhebliche Mengen Condensationswasser aus, trotzdem das Dampfrohr gut umhüllt worden war; mit der Zeit wurde jedoch eine geringere Wasserausscheidung bemerklich, ohne daß man hiervon die Ursache wußte, und bei einigen Monaten weiteren Betriebes begann sich ein häufiger Dampfmangel für den Hammer einzustellen; es mußte, um wie früher arbeiten zu können, der Dampf im Kessel um 1 bis 1 1/2 Atmosphäre höher gebracht werden. Um sich endlich von der Ursache dieser Abnormität zu vergewissern, wurde die Dampfleitung auseinander genommen, und hier fand man denn bald, daß sich auf deren Boden eine nach dem Cylinder zu immer stärker werdende Schicht Kesselstein von mehreren Zoll Dicke abgelagert hatte, welche allerdings den Dampfdurchfluß wesentlich beeinträchtigen mußte. Als man nun auch das 12 Zoll im Lichten weite Dampfrohr der großen Kesselanlage untersuchte, fand sich auch dieses bereits mit starker Incrustation angefüllt, und durfte hier wohl nur dem Umstande dessen längere ungestörte Function zugeschrieben werden, daß der von Absatzstoffen freie Dampf der anderen Kessel den Niederschlag des Kesselsteines aus dem Dampfe des Field'schen Kessels theilweise verhindert haben müsse. Darüber war man jedoch aufgeklärt, daß auch bei Field'schen Kesseln der Kesselstein bei sonst zu dessen Ausscheidung geneigtem Speisewasser nicht zu vermeiden sey, nur daß er bis in die Dampfleitung mitgerissen wird, während andere Kesselconstructionen solchen gleich im Kessel selbst ablagern lassen. Weil aber ein Reinigen des Dampfrohres unter Umständen noch schwieriger ist, als ein Auspicken des Kessels, so bleibt auch hier nur das eine Radicalmittel übrig: gehörige Reinigung des Speisewassers, ehe ein solches überhaupt in den Kessel gelangt.

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