Titel: Neues Lichtblau. (Französisches Patent.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 7 (S. 381–382)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi04_7

Neues Lichtblau. (Französisches Patent.)

Charles Bardy in Paris hat am 31. Januar 1870 ein Erfindungspatent auf die Herstellung von neuen Farbstoffen genommen.

Im Jahre 1866 und 1867 wurde schon die Methode bekannt, welche Poirrier und Chappat anwendeten, um Anilin in Methylanilin umzuwandeln und daraus das Violet de Paris mit Hülfe des wasserfreien Zinnchlorids zu erhalten. Das Patent, welches Bardy jetzt nimmt, ist eine neue Anwendung derselben Methode mit dem einzigen Unterschiede, daß die Methylirung hier nicht mit dem Anilin, sondern mit dem Diphenylamin vorgenommen wird, welches in den Händen Girard's und de Laire's ein Industrieproduct geworden ist, und vielfach für die Zwecke der Farbenfabrication hergestellt wird, indem man ein Aequivalent Anilin mit einem Aequivalent chlorwasserstoffsaurem Anilin in dampfdichten Gefäßen erhitzt.

Wenn man auf Diphenylamin Jodmethyl einwirken läßt, so beobachtet man daß die Verbindung schon unter 100° C. vor sich geht, und daß dabei mehr oder weniger methylirtes Diphenylamin entsteht, mit anderen Worten, daß ein oder mehrere Aequivalente Wasserstoff durch eine gleiche Anzahl von Aequivalenten Methyl, dem Radical des Holzgeistes, ersetzt sind. Dieses Verfahren, welches sich für Laboratorien ganz gut eignet', wurde von Bardy dahin abgeändert, daß man in geschlossenen Gefäßen unter Druck eine Mischung von Diphenylamin und Holzgeist erhitzt. Obgleich die Patentbeschreibung weder die Temperatur, noch den Druck, noch die anzuwendenden Quantitäten angibt, so glauben wir, daß die Operation unter denselben Umständen vor sich geht, wie es bei dem Methylanilin von Poirrier der Fall war. Gibt nun eine Mischung von jodwasserstoff- oder chlorwasserstoffsaurem Diphenylamin und Holzgeist ein besseres Resultat und geht die Wirkung der Körper auf einander viel schneller vor sich und erfordert dabei einen geringeren Druck und eine kürzere Einwirkungsdauer? Es ist anzunehmen; indessen sagt das Patent nichts darüber.

Das Methyldiphenylamin, welches man auf diese Weise erhält, ist ein schwaches Alkali und entsteht in Form einer öligen Flüssigkeit, welche bei 0° noch flüssig ist. Man unterscheidet den Körper leicht von dem Diphenylamin durch die Eigenschaft des letzteren, in Berührung mit Salpetersäure blau zu werden, während das Methyldiphenylamin mit demselben Reagens eine violette Färbung gibt. Das Methyldiphenylamin läßt sich leicht in Farbstoffe überführen, wenn man dasselbe oxydirenden Agentien zusetzt, wie man dieß mit dem Methylanilin that, und je nachdem man einen der oben beregten Körper mehr oder weniger einwirken läßt, erhält man nach Belieben eine violette oder blaue Farbe oder eine Mischung beider Substanzen, das heißt, ein röthliches Violett oder ein bläuliches Roth. |382| Die Körper welche diese Umwandlung bewirken können, sind Arseniksäure, Salpetersäure, die Metallsalze, die Bromüre und Jodüre der Metalle, das Jod, das chlorsaure Kali, der Anderthalbsach-Chlorkohlenftoff, das Chloral, die Pikrinsäure u.s.w. Welchem Körper soll man nun den Vorzug geben; denn es ist anzunehmen, daß nicht alle eine gleiche Einwirkung auf das Diphenylamin haben? Das Patent schweigt auch über diesen Punkt, ebenso wie es sich nicht über die anzuwendende Quantität und über die Temperatur ausspricht, auf welche man die Stoffe zu erhitzen hat. Würde nicht das wasserfreie Zinnchlorid ein besseres Resultat geben als die Arseniksäure, wie dieß bei dem Methylanilin der Fall war? Wir finden in dem Patent auch das Chloral, welches man bis jetzt nur in der Medicin anwendete, als ein Hülfsmittel zur Herstellung von Farbstoffen in Anspruch genommen.

Kurz und gut, wenn das Methyldiphenylamin Blau zu erzeugen im Stande ist, und dieses Blau ist ein Lichtblau, welches seine Farbe vollständig bei künstlicher Beleuchtung behält, so kann man auch annehmen, daß dasselbe gerade so wie das Violet de Paris, in heißem Wasser löslich ist. Diese Eigenschaft haben die übrigen Blau's an und für sich nicht, und man kann ihnen diese Eigenschaft nur dadurch geben, daß man sie mit Schwefelsäure verbindet. In diesem Falle aber verliert das Blau einen Theil seiner Intensität. Indessen sagt das Patent über diesen wichtigen Punkt eben so wenig. Dr. M. Reimann. (Nach dem Moniteur scientifique; Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 27.)

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