Titel: Ein neues Beizmittel in der Färberei. (Französisches Patent.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1870, Band 197/Miszelle 8 (S. 382–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj197/mi197mi04_8

Ein neues Beizmittel in der Färberei. (Französisches Patent.)

Man unterscheidet organische und anorganische Beizmittel. Zu den ersteren gehört die Gerbsäure, Weinsteinsäure mit ihren Salzen etc., während man zu den letzteren die Thonerde, das Eisen-, Chrom-, Mangansesquioxyd, sowie einige Bioxyde rechnet. Die HHrn. Biot und Thirault glauben, einen neuen Mordant der letzten Art in dem Zinkoxyde gefunden zu haben, welches für in Wasser lösliches Anilinblau auf Baumwolle und Jodgrün auf Wolle besondere Vortheile haben soll. Die Anwendung des weißen Oxydes bildet den Gegenstand eines Erfindungspatentes, das wir im Folgenden mittheilen wollen.

1) Lösliches Anilinblau auf Baumwolle.

Die zu beizenden Stoffe müssen zuerst gut in einem Seifen- und Sodabade behandelt seyn, dann, wenn sie nicht vollständig gebleicht seyn sollten, mit Chlorkalk oder Chlorsoda gebleicht werden und darauf eine Spülung erleiden.

Um die Stoffe nun zu beizen, taucht man sie in ein kaltes Bad, in welchem man so viel Chlorzink oder essigsaures Zink aufgelöst hat, daß die Flüssigkeit 2° Baumé wiegt. Man läßt die Baumwolle mehrere Stunden in der Flüssigkeit liegen, während welcher Zeit man öfter umzieht. Wenn man glaubt, daß die Veizung vollendet sey, so windet man ab und schwingt ab, ohne zu waschen. Es folgt alsdann die Färbeoperation.

Man löst das lösliche Anilinblau in heißem Wasser auf, wobei man dafür Sorge tragen muß, daß Nichts ungelöst bleibt. Zu größerer Sicherheit filtrirt man. Die auf diese Weise erhaltene blaue Lösung wird in die Färbekufe gebracht, welche Wasser von 50–60° C. enthält. Man fügt dann noch eine gewisse Quantität Chlorzink hinzu und bringt die gebeizten Stoffe hinein. Man bringt dann die Temperatur langsam auf 100° C., während man von Zeit zu Zeit eine kleine Quantität der blauen Lösung hinzufügt, um die Nüancen bis zu dem Ton zu bringen, welchen man zu erhalten wünscht. Darauf nimmt man die Stoffe heraus, wäscht sie oder noch besser, man vermehrt die Aechtheit der Farbe dadurch, daß man die Stoffe durch ein Bad von Chlorzink hindurchnimmt, welches 50–60° warm ist und 1° Baumé wiegt.

Es muß noch hinzugefügt werden, daß das Chlorzink nicht sein Oxyd an die Baumwollfaser mit derselben Leichtigkeit abgibt, wie das essigsaure Salz, und daß es nur den Vortheil der größeren Billigkeit vor dem letzteren voraus hat. Ein Hauptpunkt, welcher nicht zu übersehen ist, ist der, daß man niemals Salze anwendet, welche eine Spur Eisen enthalten. Dieß würde der Farbe außerordentlich schaden.

2) Jodgrün auf Wolle.

Die Wolle muß vorher, ebenso wie die Baumwolle, gut durch eine Bleichung und eine Behandlung mit Seife vorbereitet werden. Die Beizung erfolgt kochend in einem |383| Bade aus Chlorzink von 2° Baumé. Wenn die Waare aus diesem Bade herauskommt, so wird sie gallirt, indem man sie durch ein warmes Bad von Tannin oder eine Galläpfelabkochung nimmt. Wenn die Wolle aus diesem zweiten Bade herauskommt, so wird sie in ein warmes Färbebad gebracht, welches die Auflösung von Jodgrün enthält, wobei man dieselben Vorsichtsmaßregeln anzuwenden hat, wie für das Bleu soluble. Man bringt die Farbe zu der dunkelsten Nüance, indem man nach Bedürfniß von der grünen Lösung zusetzt. Man kann die Befestigung des Grüns dadurch erleichtern, daß man in das Färbebad eine gewisse Quantität Tannin oder Galläpfelabkochung hineinbringt. Dieß ist sogar unerläßlich, wenn das Galliren nicht hinreichend seyn sollte. Nach dem Färben muß gewaschen werden.

Man muß bei den Färbeoperationen für Grün beachten, niemals andere Gefäße zu benutzen als emaillirte eiserne Gesäße (höchst wahrscheinlich sind Holzkufen noch weit besser, und werden auch fast immer für solche Zwecke in Anwendung gebracht).

Wir haben übrigens noch zu bemerken, daß die Anwendung der Zinksalze für die Färberei nicht so ganz neu ist, wie der Berichterstatter des Moniteur scientifique glaubt. Wir nahmen schon früher Gelegenheit, über ein Schwarz zu berichten, welches mit Hülfe der sogen. Zinksäure hergestellt wird. Diese Zinksäure ist weiter nichts als die Auslösung von Zink in Salzsäure oder mit anderen Worten eine Auflösung von Chlorzink.

Ob indessen bei den oben beschriebenen Färbeoperationen nicht die Hauptschuld der Fixirung der Farbstoffe den vorhergehenden Seifenpassagen, den Gallirungen U.s.w. weit mehr zuzuschreiben ist als der Behandlung mit Chlorzink, steht sehr dahin. Wir möchten fast glauben, daß man das Anilingrün sowohl als das Bleu soluble ganz gut befestigen kann, indem man die Chlorzinklösung einfach durch irgend eine saure Flüssigkeit ersetzt. Dr. M. Reimann. (Nach dem Moniteur scientifique; Musterzeitung für Färberei etc., 1870, Nr. 26.)

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